Ladenstruktur in der Innenstadt

Was die Stadt für das Überleben der kleinen Läden tut

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In stadteigenen Immobilien, wie dem Ruffinihaus, ist man bemüht, die Mietpreise niedrig zu halten. Von denen gibt es aber recht wenige. 

Um mittelständische Läden vor der Verdrängung durch Ketten zu schützen, versucht die Stadt in Immobilien wie dem Ruffinihaus günstige Mieten zu bieten. Doch sie stößt an ihre Grenzen. 

München - In welche Großstadt man auch blickt, es zeigt sich immer dasselbe Bild. Filialen großer Ketten reihen sich aneinander und verpassen den meisten Innenstädten das gleiche Antlitz. „Sie werden damit immer langweiliger“, sagt Kommunalreferent Axel Markwardt (SPD). Eine Entwicklung, die die Stadt gerne aufhalten würde. Jedoch fehlen hierfür die Mittel, sagt Markwardt. Zu wenige Gebäude seien in städtischem Besitz, um neue anzukaufen, seien die Preise zu hoch. Somit habe die Stadt kaum Möglichkeiten, auf den Filialisierungsgrad einzugreifen. In den stadteigenen Immobilien sei man bemüht, die Mietpreise moderat zu halten – davon profitieren vor allem kleinere Läden.

Lesen Sie hier einen Kommentar zum Thema: Ladensterben - Wir sind auch selbst schuld

Einige sind im Rathaus und im Ruffinihaus zu finden. Neben einer festgesetzten Grundmiete gibt es hier eine Umsatzbeteiligung. Somit zahlen Läden, die weniger einnehmen, auch weniger Miete. Für die Auswahl von neuen Läden gibt es Vorgaben. Sie müssen inhabergeführt, mittelständisch und traditionsbewusst sein. Wechsel gibt es nach Angaben des Kommunalreferats jedoch nur wenige. „Kündigungen sind extrem selten“, sagt Markwardt. „Viele haben ihr Geschäft seit Jahrzehnten hier.“

„Ohne die Sonderkonditionen der Stadt kaum möglich“

Ein solcher Traditionsladen ist der Optiker Meßbacher im Ruffinihaus, der bereits im 90. Jahr Brillen verkauft. Inhaber Walter Drum ist dankbar für die günstigen Konditionen der Stadt. „In der Innenstadt ist ein Überleben für inhaberbetriebene Läden kaum möglich“, sagt er. „Die Preise übersteigen das Mögliche.“ Auch nach der geplanten Renovierung des Ruffiniblocks sollen die Mieten bezahlbar bleiben. Für die Grundmiete soll nur die Hälfte des neuen Verkehrswertes berücksichtigt werden. Somit sollen die Preise 100 Euro und weniger pro Quadratmeter betragen – das liegt deutlich unter dem Durchschnittswert. „Alle Läden haben bestätigt, dass sie die neuen Preise zahlen können“, so Markwardt. Auch für die Übergangszeit gibt es nun eine Lösung: Der Großteil der Läden kommt in Räumlichkeiten des Stadtmuseums unter. Drum: „Sonst wäre der Umbau existenzbedrohend.“

Ist dankbar für die Übergangslösung: Optiker Walter Drum im Ruffinihaus.

Lesen Sie hier: Die Macht der Ketten - Darum verliert Münchens Zentrum seine Seele

Ebenfalls alteingesessen ist die Parfümerie Brückner-Bublitz, die sogar den Titel „ehemaliger Königlich Bayerischer Hoflieferant“ führen darf. Dass immer weniger kleine Läden in der Innenstadt überleben, beobachtet auch Inhaberin Tanja Bublitz. „Die Entwicklung ist sehr traurig.“ Jedoch liegt das laut Bublitz nicht nur an den hohen Mietpreisen. „Viele kleine Läden sind selbst daran schuld.“ Es fehle an Ideen und Individualität, um sich von den großen Ketten abzusetzen. „Die machen ihre Hausaufgaben nicht und jammern rum.“

„Die Inhaber machen ihre Hausaufgaben nicht“: Parfümerie-Chefin Tanja Bublitz sieht die Schuld auch bei den Ladeninhabern selbst.

An Individualität mangelt es dem kleinen Laden „Bonbelly“, der an der Sendlinger Straße 62 Umstandsmode verkauft, nicht. Er profitiert nicht von den günstigen Mietpreisen der Stadt, sondern sichert sich selbst das Überleben. Viele Kundinnen kommen auf Empfehlung. „Die Frauen schätzen die persönliche Beratung“, erzählt Verkäufern Natascha Beckmann. Da der Laden nur ausgewählte Ware anbietet, sind die Preise meist höher als bei den großen Modeketten. Vielen falle es schwer, mehr Geld für die Kleidung auszugeben – schließlich trägt man sie höchstens neun Monate. Dennoch: Bonbelly hält sich tapfer.

Mit persönlicher Beratung punkten: Verkäuferin Natascha Beckmann.

Lesen Sie hier: Pssst, geheim! neuer Pop-up-Store im Ruffinihaus

Lisa-Marie Birnbeck

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