Kustermann-Fahrbahn

Weder Fußgängerzone noch Fahrradstraße am Viktualienmarkt

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Funktionierendes Nebeneinander? Die Kustermann-Fahrbahn am Viktualienmarkt teilen sich Busse, Fußgänger, Radfahrer . . .

Keine Fahrradstraße: Auf der Kustermann-Fahrbahn am Viktualienmarkt soll alles beim Alten bleiben – vor allem wegen der Haftungsfragen für die MVG-Busse.

München - Die entlang dem Viktualienmarkt verlaufende Kustermann-Fahrbahn soll nicht als Fahrradstraße ausgewiesen werden. Dies geht aus einem Beschlussvorschlag des Wirtschaftsreferats hervor, mit dem sich der Stadtrat am kommenden Dienstag befasst. Demnach soll auf diesem Straßenabschnitt alles beim Alten bleiben, was bedeutet, dass alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt sind. Die Kustermann-Fahrbahn ist eigentlich Fußgängerzone. MVG-Busse und Taxen dürfen allerdings durchfahren.

Neue Nord-Süd-Radl-Route

Hintergrund der Überlegungen für eine Fahrradstraße war die neue Nord-Süd-Querung der Altstadt für Radfahrer. Im Zuge der Erweiterung der Fußgängerzone am Marienplatz wurde eine neue Radl-Route eingerichtet. Die sogenannte Nord-Süd-Querung verläuft nun ab dem Odeonsplatz durch den Hofgarten über die Alfons-Goppel- und die Falkenturm- in die Sparkassenstraße. Von dort geht es weiter über die Kustermann-Fahrbahn am Viktualienmarkt und das Rosental zum Oberanger. 

Keine Fahrradstraße wegen der Busse

Das Planungsreferat hatte daher vorgeschlagen, am Viktualienmarkt eine Fahrradstraße einzurichten, was der Stadtrat befürwortete. Umgesetzt wurde dieser Beschluss zur Priorisierung der Radfahrer jedoch noch nicht. Grund: Die MVG würde sich aus sicherheits- und haftungsrechtlichen Gründen weigern, die Buslinie 132 über die Kustermann-Fahrbahn verkehren zu lassen, sollte diese als Fahrradstraße ausgewiesen werden. Ansonsten bestünde die Gefahr, dass bei Unfällen die Stadt haftbar gemacht werde, heißt es. Diesen Bedenken trägt das Wirtschaftsreferat nun Rechnung und bezeichnet die bislang geltende verkehrsrechtliche Anordnung als „praktikabelste Lösung“.

Unumstritten ist das selbst verwaltungsintern nicht. Das Planungsreferat ist weiterhin der Auffassung, dass die Beschilderung als Fahrradstraße am ehesten den zu erwartenden Gegebenheiten entspräche. Der Bezirksausschuss Altstadt-Lehel befürwortet ebenfalls eine Umwidmung in eine Fahrradstraße.

. . . und auch Autos, was eigentlich verboten ist. Taxis dürfen ausnahmsweise durchfahren.

Grüne: Sperrung des Marienplatzes war ein Fehler

Nach Auffassung der Grünen ist es grundsätzlich falsch gewesen, die Durchfahrt für Radfahrer am Marienplatz zu sperren. „Die große Rathaus-Koalition wollte den Marienplatz leer haben und hat die Konsequenzen nicht mitgedacht“, sagt Stadtrat Paul Bickelbacher. Dies sei blauäugig gewesen, weil die Verkehrsprobleme sich nun auf den Viktualienmarkt verlagerten. Nachrangig ist für Bickelbacher dabei die Frage, ob nun ein Verkehrsschild „Fahrradstraße“ aufgestellt wird oder nicht. In der Praxis, so Bickelbacher, dürfte die rein verkehrsrechtliche Anordnung das bestehende Chaos kaum mindern.

Ist eine bauliche Umgestaltung notwendig?

Das Kreisverwaltungsreferats (KVR) bemängelt unterdessen, dass Gestaltung und Verkehrsaufkommen den derzeit bestehenden Charakter einer Fußgängerzone nicht widerspiegelten. Auch die Regierung habe den Durchgangsverkehr am Viktualienmarkt mehrmals angemahnt. Aus Sicht des KVR sind zwingend eine bauliche Umgestaltung und verkehrsbeschränkende Maßnahmen notwendig. So spricht sich die Ordnungsbehörde für ein Durchfahrtsverbot für Taxis in Richtung Tal, ein Durchfahrtsverbot für Sightseeing-Busse und weitere zeitliche Beschränkungen des Lieferverkehrs aus.

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Aus Sicht des Baureferats macht es indes Sinn, den Ausbauzustand der Kustermann-Fahrbahn beizubehalten, um die Fahrrad-Hauptroute durch die „Fußgängerzone“ zu führen. Ein niveaugleicher Ausbau, so das Baureferat, wäre nicht im Sinne der Verkehrssicherheit. Nach Einschätzung des Wirtschaftsreferats hat das Nebeneinander der Verkehrsteilnehmer bisher ohne nennenswerte Probleme funktioniert. Eines jedenfalls will die Behörde verhindern: „Es wäre insbesondere für mobilitätseingeschränkte Bürger nicht zielführend, wenn die Buslinie 132 nicht mehr zum Marienplatz fahren würde.“ 

Polizei sucht Gefahrstellen für Radler: 

Helfen Sie mit! Die Münchner Polizei sammelt Gefahrenstellen für Radfahrer in München. Um das zu erfahren, wurde eine Umfrage erstellt, die in einer Minute beantwortet werden kann. Die Stellen, die am häufigsten genannt wurden, wollen die Beamten dann im Rahmen der Kampagne „Gscheid radln - aufeinander achten!“ zu Beginn der diesjährigen Radlsaison gezielt überwachen und bauliche Mängel verbessern.

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