Künstler und Politiker singen

Gegen Fremdenhass: Dieser Chor berührt die Herzen

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Der „Sgt. Bellevue di Monacos Friendly Heart Choir Club“ sang zusammen mit OB Dieter Reiter „Weida mitanand“. Gemeinsam weiter gegen Fremdenhass, Terror und Ausgrenzung.

München - Die Münchner stehen auf. Die Münchner stehen zusammen – egal, wo sie herkommen. Und die Münchner gehen weiter – „weida mitanand“!

So stimmt es der Promi-Chor zum Abschluss der „Platz da!“-Demo am Sendlinger Tor an und die 20.000 stimmen ein, schmiegen sich aneinander und wiegen sich im Takt. „Und wann sie unser Welt auf oamoi nimma draht, drahn mia uns immer weida mitanand!“

Das war ein bayerischer Fluthilfe-Song vor zwei Jahren und das ist er genau genommen noch immer: Jetzt geht es gegen die Flut von Hass und Hetze. Die wollen die Künstler unter dem Spaßnamen „Sgt. Bellevue di Monacos Friendly Heart Choir Club“ trockenlegen – und dafür die Herzen fluten. Ihre Stimme erheben: Sportfreunde Stiller-Sänger Peter Brugger, Kult-Regisseur Marcus H. Rosenmüller, Kabarettist Hannes Ringlstetter, die Well-Brüder von der Biermösl Blosn, die Bananafishbones, OB Dieter Reiter (SPD) und, und, und …

Es kamen viel mehr Teilnehmer als vor Weihnachten zur ersten „Platz da!“-Demo, aber die Stimmung wirkte nach den Terroranschlägen von Paris gedämpfter, nachdenklicher, emotionaler. OB Reiter kämpfte mit den Tränen, als er allen dankte: „Ich bin stolz, Oberbürgermeister von München zu sein!“ Den französischen Freunden rief er zu: „Nous sommes Charlie!“ Die Anschläge hätten nicht nur den Satirikern, sondern der offenen Gesellschaft gegolten. Gleichzeitig würden die Münchner nicht denen das Feld überlassen, die andere wegen Hautfarbe, Herkunft oder Religion diskriminieren. „Wir Christen, Juden, Muslime und Menschen ohne Glauben sind hier, weil wir alle Münchner sind. Wir lassen uns durch Hass nicht spalten!“

20.000 Menschen demonstrieren gegen Bagida und Muegida

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CSU-Stadtrat und Vorstandsmitglied der Israelitischen Kultusgemeinde, Marian Offman, erinnerte in einer mitreißenden Rede an den jungen Muslimen, der im jüdischen Supermarkt sein Leben riskierte und mehr als ein Dutzend Menschen rettete. „Was kann es für ein schöneres Zeichen geben?“ Bagida fasele von einer angeblichen Islamisierung: „Das ist Unsinn! Das ist Lüge!“ Solche Leute würden sich nach den Muslimen die Menschen jüdischen Glaubens vornehmen.

Während die evangelische Matthäuskirche am Sendlinger Tor das Licht ausknipste und Bagida ins Dunkel stellte, verurteilte der katholische Bischofsvikar Rupert Graf zu Stolberg die „selbsternannten Verteidiger des Abendlandes“ von Bagida mit klaren Worten: „Wer mit rassistischen Parolen auf die Straße geht, verteidigt das Abendland nicht, sondern tritt es mit Füßen.“ Stattdessen seien Nächstenliebe und Gastfreundschaft nötig. Der Vorsitzende des Muslimrats München, Sokol Lamaj, erklärte zu den Terroranschlägen: „Unsere Religion wurde fürchterlich missbraucht und pervertiert.“

Den größten Lacher schafften die Well-Brüder, als sie ironisch-musikalisch gegen Bagida ätzten: „Schweinsbraten für die Welt, mit Krautsalat und Knödel, damit das Abendland nicht dem Islam in die Hände fällt.“

David Costanzo

Ticker zum Nachlesen: Demo vorbei - sechs Festnahmen

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