Pop-up-Store in der Maximilianstraße

Weil sein Geschäft „Loop“ heißt: Warum ein 16-Jähriger deswegen Ärger hat

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Gero Laudien steht im Pop-up-Store „Loop“, der nicht mehr so heißen darf. An der Wand hängt nun nur noch ein „P“, die anderen Buchstaben wurden entfernt.

Gero Laudien ist 16 Jahre alt und hat schon einen Laden in München eröffnet. Doch das bescherte ihm direkt Ärger: Telefónica und Joop! drohen mit hohen Ordnungsgeldern. Der banale Grund: Das Geschäft heißt „Loop“.

Gero Laudien steht nach der Schule im Laden in der Maximilianstraße 11. Gero ist 16 Jahre alt und hatte die Idee, in Münchens Luxuseinkaufsstraße einen Pop-up-Store zu eröffnen. Geholfen hat ihm Thomas Sonnenberg, ein Freund der Familie. Sonnenberg hat jede Menge Erfahrung als Investor, leitet eine Social Media Marketing-Agentur und hat in das Pop-up-Projekt investiert.

Jetzt setzen dem Laden aber zwei große Unternehmen zu. Telefónica Deutschland habe sich vor Jahren die Bezeichnung „Loop“ im Bereich Kultur, Musik und Events schützen lassen, teilte eine Telefónica-Sprecherin auf Anfrage des Münchner Merkur mit. Der Konzern verbietet dem Geschäft nun per Unterlassungserklärung die Namensnutzung, weil dort in einer Lounge Getränke angeboten werden.

Pop-up-Store hat noch bis Ende Dezember geöffnet

Der zweite Kontrahent ist das bekannte Modeunternehmen „Joop!“ Es hat eine einstweilige Verfügung erwirkt. Der Name „Loop“ sei zu ähnlich und könne zu Verwechslungen führen, so der Rechtsanwalt des Unternehmens. „Loop“ hat reagiert und nennt sich vorerst einfach nur „Pop-up“. Sonst riskiert Sonnenberg ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro. Joop! gehört nicht mehr dem Gründer Wolfgang Joop. Der 73-Jährige hat das Unternehmen verkauft. Es gehört heute der „Holy Fashion Group“, die zur Schweizer Strellson AG gehört.

Noch bis Ende Dezember hat der Pop-up-Store noch geöffnet. Wie es mit dem Namen weitergeht, ist noch nicht ganz klar. Derzeit berät sich Sonnenberg mit seinen Juristen. Die Unterlassung von Telefónica hat Sonnenberg bereits akzeptiert, womöglich werde man aber gegen die einstweilige Verfügung von Joop vorgehen, sagt Sonnenberg.

Gero Laudien müsste für mögliche Ordnungsgelder nicht haften, denn genau genommen gehört ihm der Laden nicht. Mit 16 Jahren geht das noch nicht. Aber Gero Laudien hatte die Idee und rackert jeden Tag im „Loop“ mit. „Ich habe für den vorherigen Ladenbesitzer als Model gearbeitet“, sagt der Schüler. „Als klar war, dass das Geschäft „Pool“ den Laden verlassen wird, habe ich gefragt, was mit dem Raum passiert. Dann habe ich Thomas Sonnenberg, einen Bekannten meiner Mutter, gebeten, mir zu helfen.“

Für Gero Laudien ist das Projekt eine große Herausforderung. Er besucht die 11. Klasse des Oskar-von-Miller-Gymnasiums in Schwabing und hat häufig Nachmittagsunterricht. „Mir fehlt die Zeit zum Lernen, aber vorher habe ich auch nicht mehr gemacht.“

„Es ging mir darum, Geros Traum wahr zu machen“

Sonnenberg hat den Großteil der Organisation übernommen. „Es ging mir darum, Geros Traum wahr zu machen. Außerdem musste die einmalige Lage genutzt werden, und ich hatte gehofft, einen kleinen Gewinn zu erzielen. Schließlich gehen solche Konzepte, die die Stadt beleben, immer mehr verloren.“ Mehrere hunderttausend Euro hat Sonnenberg in den Laden investiert, in dem 24 Mitarbeiter beschäftigt sind. Er hat den Vertrag vom Vorbetreiber übernommen, ist also Untermieter. Im nächsten Jahr wird es wieder einen festen Mieter geben. Sonnenberg weiß, wen: Entweder Armani oder das Damen-Luxusmodegeschäft Mytheresa.

Bis 30. Dezember hat der Pop-up-Store noch offen – nicht viel Zeit, um die Investitionen und Mehrkosten wegen des Namensstreits wieder reinzuholen. „Wir mussten die gedruckten Werbemittel wegwerfen. Flyer, Visitenkarten und sogar zwei Fahnen hatten wir drucken lassen“, sagt Sonnenberg. „Zeit, Geld und Energie wird hier verschwendet, obwohl wir nur noch 18 Tage geöffnet haben. Mit einem solchen Pop-up-Store wird man nicht reich, es ist eher ein großes Risiko, ein tolles Abenteuer, das hoffentlich gut ausgeht.“ Zumal die Preise hoch sind. Ein schwarzes Poloshirt für Männer von Blackyoto kostet 149 Euro, eine Hose für Frauen von Boglioli 249 Euro, ein Damenblazer von Antonia Zander 639 Euro. Um auch junge Leute in den Laden zu locken, gibt es jeden Montag von 17 bis 20 Uhr einen Verkauf von Ausstellungsstücken zu günstigeren Preisen.

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Sina Köstler

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