Warten auf die Insellösung

Wertstoffcontainer Mangelware: Bürger müssen weite Wege in Kauf nehmen

Entsorgungslücke: In der Altstadt sind Wertstoffinseln kaum zu finden.

Die Menschen in der Altstadt haben ein Müllproblem: Weil es im ersten Stadtbezirk nur eine Handvoll Wertstoffinseln gibt, müssen viele Bürger Plastikbecher und Flaschen sehr weit tragen – zu weit, kritisiert derörtliche Bezirksausschuss.

Müllentsorgung gehört zu den Themen, die wenig Beachtung finden – solange das System funktioniert. Auf fast magische Art und Weise verschwindet der Abfall der Familie Woche für Woche. In der Altstadt und im Lehel aber werden die Anwohner das, was sie vom Restmüll trennen, insbesondere Altglas und Kunststoff, nur mühsam los. Es fehlt schlicht an Wertstoffinseln. An gerade einmal sechs Stellen im Bezirk können die knapp 21 000 Bewohner diesen Müll wegwerfen. Und eine davon, die Insel an der Seitzstraße, ist zurzeit nicht benutzbar. Ein echtes Problem, immerhin produziert jeder Deutsche im Schnitt allein 37 Kilogramm Plastikmüll im Jahr.

Ein Blick auf die Karte zeigt, dass die wenigen Wertstoffinseln im Stadtbezirk auch noch höchst ungleich verteilt sind: Während zum Beispiel im Norden am Englischen Garten nur wenige hundert Meter zwischen den Standorten liegen, klafft in der Innenstadt eine Lücke. Weit mehr als 500 Meter muss dort wandern, wer Altglas und Plastik vorschriftsmäßig entsorgen will.

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Weil in München ein Drei-Tonnen-System gilt, dürfen Joghurtbecher und Milchpackungen eigentlich nicht in den normalen Hausmüll, sondern müssen zu den im Stadtgebiet verteilten Wertstoffinseln gebracht werden. Wenn aber der Weg zu weit und beschwerlich ist, landet der Plastikmüll schnell mal im Hausmüll. Im Bezirksausschuss Altstadt-Lehel wurde nun diskutiert, wie man die Bürger entlasten könnte. Besonders für alte Menschen und solche, die auf das Auto verzichten, kann die Müllentsorgung zur Last werden, wenn sie ihren Müll durch die halbe Stadt karren müssen.

Eine Zumutung sei das, findet der Bezirksausschuss. Er fordert, dass der Abfallwirtschaftsbetrieb (AWM) mehr Wertstoffinseln aufstellt. Doch schon die Kommunikation mit dem stadteigenen Betrieb laufe nicht besonders gut, klagt das Stadtteil-Gremium. Seit März 2016 versuche man etwas an der Situation zu ändern – ohne Erfolg. „Der AWM tut nichts!“, heißt es im Gremium.

Der städtische Abfallbetrieb hingegen sieht sich nicht in der Verantwortung. „Wir vergeben nur die Sondernutzungserlaubnis an die Abfallfirmen“, heißt es dort, man verweist auf Bundesgesetze. In die Planungen seien außerdem unterschiedliche Referate wie der Denkmalschutz und das Bau- und Planungsreferat eingebunden. In München sind die privaten Entsorgungsunternehmen Remondis und Wittmann für das Aufstellen und die Entleerung der Wertstoffinseln zuständig. Die Initiative müsste von dort ausgehen. Grundsätzlich sei es in der Altstadt und im Lehel problematisch, dessen sei man sich bewusst, verlautet aus dem AWM. Freie Flächen sind rar oder wegen Denkmalschutz oft nicht nutzbar.

Selbst mit teuren Unterflur-Containern lasse sich das Problem nicht ohne Weiteres lösen, gibt man im AWM zu bedenken. Diese bräuchten immer noch 20 Quadratmeter Platz. Und beim letzten Versuch sei man auf Reste der Stadtmauer gestoßen. Da habe der Denkmalschutz interveniert. Immerhin befindet man sich in Gesprächen für eine neue Wertstoffinsel am Thomas-Wimmer-Ring auf der Höhe des Isartors. Die könnte für ein wenig Entspannung im Müllchaos sorgen. Und Wege verkürzen.

Tarek Barkouni

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