Unauffällige Türe und lange Gänge

Wir lüften das eiskalte Geheimnis unterm Stachus - Video und Fotos

Tief unter dem Stachus, versteckt hinter einer unscheinbaren Tür im Parkhaus, befindet sich das eisige Herz des neuen Großprojekts der Stadtwerke. Von der Kältezentrale im Stachus-Bauwerk aus versorgen sie ihre Kunden mit Fernkälte – ein Geschäft, das das Unternehmen nun ausbauen möchte.

Beim Blick hinter die Kulissen fällt zunächst ein Labyrinth aus engen Gängen, schier endlosen Rohren und jede Menge Maschinen auf. Sie sollen den Münchnern die Kälte ins Haus bringen. Seit 2011 betreiben die Stadtwerke in der Innenstadt ein Fernkältenetz von mittlerweile 14 Kilometer Länge – Tendenz steigend. „Wir spüren die Folgen der Klimaerwärmung, der Bedarf an Kälteversorgung nimmt immer weiter zu“, sagt Stadtwerke-Chef Florian Bieberbach. Die vielen Klimaanlagen in Büros, Wohnungen und Geschäften treiben den Stromverbrauch in den Sommermonaten in die Höhe – er ist bald genauso hoch wie im Winter.

Eine unauffällige Tür und lange Gänge führen ins Herz der Stadtwerke-Kältezentrale unter dem Stachus. Die Rohre sind isoliert, deshalb werden die Räume nicht kalt.

Die Antwort der Stadtwerke: Sie haben das fünf Stockwerke unter dem Stachus gelegene Labyrinth zum eisigen Herz der Münchner Kälteinsel gemacht. „Wir erzeugen die Kälte hier zentral und liefern sie dann zum Kunden, der keine eigene Anlage mehr kaufen und warten muss“, erklärt Bieberbach. Dabei hilft der immerkühle Stadtbach, der direkt unter dem Karlstor fließt. „Der Stadtbach kommt aber nicht direkt beim Kunden an“, stellt Stadtwerke-Technik-Chef Helge-Uve Braun klar. Das Wasser des Bachs kühlt per Wärmetauscher das Wasser im Fernkältesystem. Gerade im Sommer reicht die Kühlung durch den Stadtbach allerdings nicht aus. „Dann müssen wir dem Wasser mit Hilfe unserer Großkältemaschinen zusätzlich Wärme entziehen“, sagt Braun, während eine solche Maschine im Hintergrund laut brummend ihren Dienst verrichtet. Am Ende verlässt das Wasser im Fernkältenetz die Zentrale im Stachus mit einer Temperatur von sechs bis zehn Grad.

Stadtwerke-Technik-Chef Helge-Uve Braun (l.) und Geschäftsführer Florian Bieberbach.

Die Bedürfnisse der Kunden sind unterschiedlich. „Derzeit versorgen wir 30 Einzelhandels-, Wohn- und Bürohäuser mit Kälte“, so Bieberbach. Während Kaufhäuser tagsüber gekühlt werden müssten, benötigen Rechenzentren im ganzen Jahr und rund um die Uhr eine Kühlung. Um Kälte zu speichern und Nachfragespitzen abzufangen, befinden sich fünf Stockwerke unter dem Karlstor neun große Eisspeicher, in deren Wannen insgesamt 170 000 Liter Wasser gefroren werden und bei Bedarf wieder aufgetaut werden können.

Die Nachfrage sei groß, sagt Bieberbach. „Die Fernkälte ist ein heißes Thema.“ Das Netz wachse. Am Odeonsplatz und im Tal sind die Arbeiten derzeit sichtbar, am Marienhof nutzen die Stadtwerke die Vorarbeiten für die zweite Stammstrecke, um ihr Fernkältenetz zu erweitern. Bis 2018 sollen 1,2 Kilometer neue Leitungen verlegt werden. An der Herzogspitalstraße und am Odeonsplatz gehen überdies noch zwei neue Kältezentralen in Betrieb. Sie werden ebenfalls den Westlichen Stadtgrabenbach zur Erzeugung von Kälte nutzen.

Außerhalb der Innenstadt setzen die Stadtwerke auf Kälte aus dem Grundwasser. Allein am BMW-Forschungs- und Innovationszentrum (FIZ) würden so jährlich bis zu zehn Millionen Kilowattstunden Strom eingespart. In Moosach und der SWM-Zentrale wird ebenfalls Grundwasserkälte zur Kühlung benützt – in Moosach, Oberwiesenfeld und Laim sind Anlagen im Bau

Tief unterm Stachus: Hier schlägt das eisige Herz Münchens - Bilder

Marc Kniepkamp

Rubriklistenbild: © Sigi Jantz

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