Neue Serie mit alten Bildern - Teil 2

Zeitreise durch München: So sahen die Laimer Röhre und der Gasteig aus

München hat sich rasant verändert. Der Geschichte der Stadt wollen wir mit einer neue Serie gedenken. Wie sahen bekannte Straßen oder Plätze früher aus? Wir zeigen es Ihnen!

München - Wer blättert nicht gerne durch ­alte Fotoalben? Einfach kurz mal Luft holen und in Erinnerungen schwelgen – herrlich! Meist fällt dann eh schnell der Satz: „Mei, schau, wie das früher ausgschaut hat!“ Und genau das wollen wir jetzt tun, liebe Leser. Wir werfen einen Blick zurück in unserer neuen großen Serie München: damals und heute. Unsere Stadt hat sich über all die Jahre stark verändert. Die Industrialisierung, später die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg, dann die Boom-­Jahre. Nur mal zum Vergleich: Im Jahr 1850 hatte München knapp 100 000 Einwohner, ein Jahrhundert später waren es 831 000 Bürger. 

Heute sind es gut 1,5 Millionen, Tendenz steil steigend. Doch wie hat sich die Stadt im Detail verändert? Unser Fotograf Heinz Gebhardt hat sich auf Spurensuche begeben, tagelang in alten Archiven gekramt. Hier präsentieren wir die Ergebnisse seiner Zeitreise. Und seien Sie sich sicher – es wird nicht lange dauern, bis Sie rufen: „Mei, schau, wie des früher ausgschaut hat!“

Der Gasteig-Berg: Flimmernde Isar

Über zwei Jahrhunderte war es „das Bild von München“, das Bernardo Belloto (1722–1780), besser bekannt unter dem Pseudonym Canaletto, 1761 vom heutigen Gasteig aus gemalt hat. Das zwei Meter lange Gemälde war vermutlich ein Geschenk des sächsischen Thronfolgers Friedrich Christian von Sachsen an Kurfürst Maximilian III. Joseph von Bayern – und zeigt den Blick vom Ende der heutigen Rosenheimer Straße den Gasteigberg hinunter und gehört heute zu den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. 

1761: Das Bild malte Canaletto 1761 vom heutigen Gasteig aus. 

An genau der gleichen Stelle, wo Canaletto seine Malerstaffelei stehen hatte, stellte 1854 der bekannte Fotograf Franz Hanfstaengl (1804– 1877) sein Stativ auf und verewigt denselben Blick.

Im Jahr 1854 hielt Fotograf Franz Hanfstaengl die Kulisse fest.

Die Bilder kopierte er auf Salzpapier, der edelsten Form der frühen Fotografie. Wie bei Canaletto steht links noch das alte Brunnenhaus, aber mit dem Haus rechts deutet sich schon das wachsende München des 19. Jahrhunderts an. Auch von der Isar ist nichts mehr zu sehen. Und heute ist dieser wunderbare Blick auf München für immer verschwunden.

2018 an der gleichen Stelle: Kein Brunnenhaus, kein Ausblick mehr.

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook-Seite „Haidhausen – mein Viertel“.

Feldherrnhalle: Kein Platz fürs Bier

Also nichts gegen die Feldherrnhalle: aber die Bierwirtschaft „Zum Bauerngirgl“, wie auf dem Aquarell von Puschkin 1840 zu sehen ist, wäre heute an gleicher Stelle ein Renner. Ein Weißwurstfrühstück unter Sonnenschirmen zwischen Residenz und Theatinerkirche. Traumhaft. Aber: König Ludwig I. brauchte viel Platz für seine Haupt- und Residenzstadt, denn Bayern war ja erst seit 1806 ein Königreich. So kaufte er den Bauerngirgl und die Häuser dahinter auf und ließ von 1841 bis 1844 von Friedrich Gärtner die Feldherrnhalle als architektonischen Abschluss seiner italienischen Prachtstraße errichten. 

Die Feldherrenhalle 1840 und heute.

Zwei Männer der bayrischen Militärgeschichte, Graf Tilly und Fürst Wrede, deren Standbilder aus Kanonen gegossen wurden, symbolisieren die bayerische Wehrhaftigkeit. Die zwei Löwen neben der Treppe wurden erst 1906 aufgestellt und waren ursprünglich für ein Prinzregentendenkmal in Nürnberg vorgesehen. Sie stammen vom Bildhauer Wilhelm Rühmann, dem für die Marmor-Tiere ein Tierpark-Löwe Modell stand und der auf den Namen „Bubi“ getauft war.

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook-Seite „Altstadt/Lehel – mein Viertel“.

Laimer Röhre: Ein ruhiger Tunnel-Blick

Auch das heutige Foto der Laimer Röhre wird (genauso wie die älteste Ansicht rechts) bald der Vergangenheit angehören: Die greisligste Bahnunterführung Münchens soll bis 2019 in eine hochmoderne Umweltverbundröhre umgebaut werden. Übrigens: Ihre erste Belastungsprobe hatte die Laimer Röhre am 1. September 1839, als „um 7 Uhr morgens die Lokomotive Vesta mit einem Personenwagen majestätisch dahinrollte“ und für die Strecke vom Münchner Bahnhof bis nach Lochhausen 25 Minuten benötigte. 

Die Laimer Röhre im Jahr 1844 und heute.

Obwohl die Lokomotive mit umweltfreundlichem Buchenholz geheizt wurde, waren nicht alle vom Verkehrsmittel der Zukunft begeistert, und es hagelte Beschwerden und Proteste von der Schützengesellschaft bis zu den Landwirten wegen Lärmbelästigung und Flurschäden. Alles Schimpfen war aber vergebens, und ab 1844 rollte die Eisenbahn regelmäßig von München nach Augsburg – über die Laimer Röhre.

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook-Seite „Laim – mein Viertel“.

Text und Fotos: Heinz Gebhardt

Rubriklistenbild: © Heinz Gebhardt

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