Neue Serie mit alten Bildern - Teil 8 

Zeitreise durch München: So sahen der Odeonsplatz, Rindermarkt und Weyl-Gelände früher aus

München hat sich rasant verändert. Der Geschichte der Stadt wollen wir mit einer neue Serie gedenken. Wie sahen bekannte Straßen oder Plätze früher aus? Wir zeigen es Ihnen!

München - Wer blättert nicht gern durch alte Fotoalben? Einfach kurz mal Luft holen und in Erinnerungen schwelgen - herrlich! Meist fällt dann eh schnell der Satz: „Mei, schau, wie das früher ausgschaut hat!“ Und genau das wollen wir jetzt tun, liebe Leser. Wir werfen einen Blick zurück in unserer großen Serie „München damals und heute“

Alle Folgen der Serie finden Sie in dem Artikel unten verlinkt. 

Unsere Stadt hat sich über all die Jahre stark verändert. Die Industrialisierung, später die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg, dann die Boom-Jahre. Nur mal zum Vergleich: Im Jahr 1850 hatte München knapp 100.000 Einwohner, ein Jahrhundert später waren es 831.000 Bürger. Heute sind es rund 1,5 Millionen, Tendenz steil steigend. Doch wie hat sich die Stadt im Detail verändert? Unser Fotograf Heinz Gebhardt hat sich auf Spurensuche begeben, tagelang in alten Archiven gekramt. Hier präsentieren wir die Ergebnisse seiner Zeitreise. Und seien Sie sich sicher - es wird nicht lange dauern, bis Sie rufen: „Mei, schau, wie des früher ausg’schaut hat!“

Odeonsplatz: Der heilige Hügel 

Ja,so sahf rüher unser Odeonsplatz aus – und die Theatinerkirche war ursprünglich dezent grau, wie das Gemälde rechts von Joseph Carl Cogel (1785-1831) aus dem Jahr 1814 beweist. Zwei Jahre später wurde das in der Mitte sichtbare Schwabinger Tor mitsamt der alten Stadtmauer übrigens abgerissen und als großen Schuttberg im Englischen Garten abgeladen. 

Der Odeonsplatz früher

Und Sie, lieber Leser, haben diesen Schutthaufen sicher schon einmal bestiegen: Denn 1831 füllte der königliche Hofgarten-Intendant CarlAugust Sckell (1793-1840) damit das fünfzehn Meter hohe Fundament des Monopteros auf. Die Stadtmauer verlief von der Residenz über den Odeonsplatz hinüber in die Briennerstraße und steht als denkmalgeschützter letzter Rest hinter dem Literaturhaus in der Jungfernturmstraße. Mit dem Bau der Feldherrnhalle wurde erst 1841 begonnen. Die hügelige Landschaft rund um den Odeonsplatz machte den Architekten damals übrigens schwer zu schaffen. Alles musste mühsam aufgeschüttet werden.

Der Odeonsplatz heute

Rindermarkt: Süßes statt Bücher

Wussten Sie,dass die Straße vom Marienplatz hinter zum Rindermarkt früher von den Münchnern liebevoll „Schleckerlgasse“ genannt wurde? Der Grund ist zuckersüß: Lange bevor das Hugendubelhaus am Marienplatz nach der dort heimischen Buchhandlung seinen Namen bekam, waren in den Arkaden mit den gotischen Bögen nämlich Münchens süßeste Geschäfte mit allen Sorten Schokolade und Bonbons zuhause. 

Der Rindermarkt früher und heute.

Auf dem Aquarell oben links von Joseph Puschkin aus dem Jahr 1896 sieht man auch die Auslagen zum Marienplatz, immer umlagert von Münchens Schleckermäulern. Das gotische Halbgiebelhaus ist übrigens schon im Sandtner Stadtmodell von 1572 in Holz geschnitzt zu sehen und wurde erst 1897 durch einen Neorenaissance-Neubau ersetzt, der leider während eines Bombenangriffs im 2. Weltkrieg total zerstört wurde. Der Nachkriegsbau ist dann schnell als Hugendubelhaus ein Begriff geworden und hat erst vor kurzem einen zweiten Umbau mit einer völlig neuen Fassade erhalten. Auch das linke Haus, indem heute die Deutsche Bank zuhause ist, verschwand aus dem alten Stadtbild: Es gehörte dem Weinrestaurant d’Orville und wurde 1910 abgerissen,um den Zugang zum Marienplatz zu erweitern. 

Weyl-Gelände: Giftalarm in Pasing

Ob die Arbeiter unten im Bild wissen, auf was für einer giftigen Zeitbombe sie da sitzen? Gut 100 Jahre stellte die Chemie-Firma Weyl auf dem Gelände direkt gegenüber des Pasinger Bahnhofs in mehreren Hallen Pech und Teer her. Mit fatalen Folgen: Jede Menge hochgiftiger Schadstoffe versickerten damals auf 18.000 Quadratmetern im Boden. Umweltschutz interessierte damals niemanden. 

1984 war dann Schluss – und die Stadt wusste erst gar nicht, was sie mit dem Giftacker anfangen soll. Im gleichen Jahr wurde zwar noch ein Teil des mit krebserregenden Substanzen verseuchten Bodens abgetragen und das Gebiet für den Wohnungsbau freigegeben – aber leider ein bisserl voreilig. Denn als schon die ersten Rohbauten standen, kamen immer noch mehr giftige Substanzen im Erdreich zum Vorschein. Das gesamte Bauunternehmen musste eingestellt werden. Erst nach einer 12 Millionen Euro teuren Boden-Sanierung im Jahre 2009 durften später dann doch Wohnhäuser hochgezogen werden. Inzwischen hat sich der ehemalige Giftacker zu einer schönen Wohnanlage entwickelt, wie das Bild oben zeigt. Nur die Verkehrsanbindung lässt dort noch zu Wünschen übrig, klagen viele Anwohner.

Lesen Sie morgen: Das Geheimnis der Mariensäule

Hier finden alle Teile der Serie

  • So sahen Maximilianstraße und Co. früher aus
  • So sah die Laimer Röhre und der Gasteig aus
  • So sahen Sonnenstraße, Jakobsplatz und Co. früher aus
  • So sahen Marienhof, Maxburg und Fußgängerzone damals aus
  • So sahen Theresienwiese, Türkenstraße und Pini-Haus damals aus
  • So sahen Viktualienmarkt und Oberwiesenfeld damals aus
  • So sahen damals Flughafen, Karlstor und botanischer Garten aus
  • Heinz Gebhardt

    Rubriklistenbild: © red

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