Neue Serie mit alten Bildern - Teil 11

Zeitreise durch München: So sahen Sonnenstraße, Kaufingerstraße und Maximilianeum damals aus

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Zeitenwende: Das Maximilianeum 1868 (oben) und heute (unten).

München hat sich rasant verändert. Der Geschichte der Stadt wollen wir mit einer neue Serie gedenken. Wie sahen bekannte Straßen oder Plätze früher aus? Wir zeigen es Ihnen!

Wer blättert nicht gern durch ­alte Fotoalben? Einfach kurz mal Luft holen und in Erinnerungen schwelgen – herrlich! Meist fällt dann eh schnell der Satz: „Mei, schau, wie des früher ausgschaut hat!“ Und genau das wollen wir jetzt tun, liebe Leser. Wir werfen einen Blick zurück in unserer großen Serie München ­damals und heute. Unsere Stadt hat sich über all die Jahre stark verändert. Die Industrialisierung, später die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg, dann die Boom-­Jahre. Nur mal zum Vergleich: Im Jahr 1850 hatte München knapp 100.000 Einwohner, ein Jahrhundert später waren es 831.000 Bürger. Heute sind es rund 1,5 Millionen, Tendenz steil steigend. Doch wie hat sich die Stadt im Detail verändert? Unser Fotograf Heinz Gebhardt hat sich auf Spurensuche begeben, tagelang in alten Archiven gekramt. Hier präsentieren wir die Ergebnisse seiner Zeitreise. Und ­seien Sie sich sicher – es wird nicht lange dauern, bis Sie rufen: „Mei, schau, wie des früher ausgschaut hat!“

Die Sonnenstraße: Der Steg am Stachus

Was macht man mit den Fußgängern, wenn man wegen des „größten Untergrundbauwerks Europas“ den gesamten Stachus aufreißen muss? Genau vor dieser Aufgabe standen die Baustellen-Künstler 1968, als dort die Arbeiten zum U-Bahn- und S-Bahn-Tunnel sowie dem riesigen Untergeschoss begannen. Die Lösung: Die Stadt baute einen wuchtigen Holzsteg von der einen Seite zur anderen

Da die U-Bahn-Statiker die Belastung der Stachusbrücke nicht berechnen konnten, mussten Professoren der Technischen Hochschule einspringen. Für 150.000 Mark wurde der 60 Meter lange und 4,50 Meter ­hohe „Albtraum aus Holz“ gebaut und als „Münchner Treppenwitz“ oder „Seufzerbrücke“ verspottet, über die man nur kam, wenn man gut zu Fuß war: Behinderte oder Kinder­wagerl hatten keine Chance. Doch die Beschimpfungen machten die Brücke zur Attraktion, und für die Teenies wurde der Holzbau zum beliebtesten Treffpunkt in München. 1969 kam er dann weg, weil ein erster Tunnel gebaut werden konnte.

Die Sonnenstraße 1968 (oben) und heute (unten).

Das Maximilianeum: Prachtbau für Hochbegabte

Schon als Kronprinz notierte Maximilian II. 1832 in sein Tagebuch die Idee eines „großen Nationalbaus“ auf dem Hochufer der Isar. 1850 als König Max II. setzte er sie mit einem der größten Architektur-Wettbewerbe des 19. Jahrhunderts um: ­Eine „Höhere Bildungs-und Unterrichtsanstalt“ sollte in modernster Technik und neuesten Baumaterialien entstehen. Der Name: Athenäum.

1857 erfolgte die Grundsteinlegung, und der Bau wurde in „Königliches Maximilianeum“ umbenannt. Bis 1918 war im Maximilianeum neben der Studienstiftung für Hochbegabte auch eine Galerie und die königliche Pagenschule untergebracht. Gegen Ende des 2. Weltkrieges wurden zwei Drittel des Bauwerks zerbombt. Erst nach dem Wiederaufbau zog 1949 der Bayerische Landtag ein, da das ehemalige Landtagsgebäude in der Prannerstraße nicht mehr benutzbar war.

Die Kaufingerstraße: Wo Mozart und Goethe wohnten

Da ist es: Münchens erstes Promi-Hotel, der Gasthof Schwarzer Adler. In dem weißen Gebäude (gemalt 1870 von Joseph Puschkin) wohnte immerhin Wolfgang Amadeus Mozart, der beim Kurfürsten keine Stelle als Komponist bekam, obwohl er sich fast anbiederte: „Ich versichere Eurer Durchlaucht, ich würde München gewiß Ehre machen“. Jetzt wissen wir: Das hätte er sicher!

Und im Jahre 1786 gastierte in dem Hotel an der Kaufingerstraße Johann Wolfgang Goethe, der nur ein einziges Mal in München war und dann auch noch unter einem falschen Namen: Als „Jean Philipp Möller“ schrieb er sich am 6. September 1786 im Schwarzen Adler ein, als er auf seiner Reise nach Italien einen Zwischenstopp einlegte.

Goethe wollte unerkannt bleiben, denn seit seinem Bestseller Die Leiden des jungen Werther war er einerseits über Nacht zum berühmten Schriftsteller geworden, andererseits erregten die vielen Selbstmorde junger Leute riesiges Aufsehen, da man Goethe und seinem Werther indirekt die Schuld an diesen spektakulären Todesfällen gab. Also ging er auf Tauchstation.

Auch München war durch einen Freitod geschockt: Am 14. Januar 1785 stürzte sich die 17-jährige Fanny aus Liebeskummer vom Nordturm der Frauenkirche. Gleich nach seiner Ankunft stieg Goethe die 420 Stufen „auf den Turm, von dem sich das Fräulein herabstürzte“.

1898 wurde das Gebäude des Schwarzen Adlers abgerissen und in ein Geschäftshaus umgewandelt, in das 1914 die Herrenausstatter Bamberer&Hertz einzogen, deren Geschäft 1951 vom heutigen Besitzer Hirmer übernommen wurde.

Die Kaufingerstraße 1870 (oben) und heute (unten).

Lesen Sie morgen: Das große Finale

Sie wollen noch mehr alte Fotos von München sehen? Hier finden Sie alle Teile der Serie:

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So sahen Maximilianstraße und Co. früher aus

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Heinz Gebhardt

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