"Ist ja nix passiert!"

Altstadtring: Taxler (89) als Geisterfahrer unterwegs

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„Ich weiß nicht, wie das passiert ist“: Edmund B. (89) nach der Geisterfahrt

München - Edmund B. ist 89 Jahre alt und hat Benzin im Blut. Er ist, sagt er, der älteste Taxler der Stadt. Jetzt ist dem Alt-Stadtfahrer im Altstadt-Tunnel allerdings ein Malheur passiert – zum Glück ohne Folgen für Leib und Leben …

Der rüstige Rentner war am Samstag gegen 15.15 Uhr im Tunnel unterwegs von der Prinzregentenstraße in Richtung Maximiliansplatz. „Ich wollte mich auf die Linksabbiegerspur einordnen“, sagt er der tz. Dabei muss er mit dem Vorderreifen seines nagelneuen Toyota Prius den Mittelteiler-Bordstein überfahren haben. Jedenfalls ist ein Reifen geplatzt.

Der Toyota von Edmund B.

Geisterfahrer Edmund bemerkte sehr wohl das Rumpeln – und dass ihm plötzlich einige Autos entgegenkamen. Dennoch wendete er nicht, sondern fuhr mit Lichthupen weiter. „Dass ich einen Platten hatte, habe ich gar nicht bemerkt.“ Die Polizeistreife ihn allerdings sehr wohl, als er ihr entgegenkam. Sie stoppte Edmund, sicherte die Fahrspur und holte einen Abschleppwagen, der das lädierte Fahrzeug zum Taxiunternehmen am Ostbahnhof brachte.

Edmund B. ist ratlos: „Ich weiß nicht, wie das passiert ist. Ich habe meine letzte Fahrerprüfung gerade hinter mir.“ Seine Lizenz läuft noch drei Jahre. „Ich bekomme nur 800 Euro Rente und zahle 500 Euro Miete. Mit dem Taxi-Geld kann ich meine Rente etwas aufbessern.“ Erst 1949 kehrte der gebürtige Österreicher aus dem Krieg zurück, machte eine Ausbildung im Weinviertel nahe Wien zum Kfz-Meister und kam 1959 nach München, um hier zu arbeiten.

Mit dem Taxeln begann Edmund 1982 – nach seiner Pensionierung mit 65. „Mir fehlen halt zehn Jahre Rente, weil ich so spät aus dem Krieg heimkehrte“, so der Haidhauser. Seine Frau starb vor anderthalb Jahren, Kinder und Angehörige hat er nicht. „Ich bin ganz alleine. Wenn ich Taxi fahre, fällt mir zu Hause nicht die Decke auf den Kopf.“

Ob er weiterhin seinem Beruf nachgehen darf, weiß Edmund noch nicht. „Es kann sein, dass ich jetzt eine Fahrerprüfung mit einem Fahrlehrer machen muss.“ Dabei fühle er sich noch topfit: „Mir fehlt nichts, ich hatte immer einen goldenen Schutzengel. Ich habe immer das Gefühl, dass er seine Schwingen schützend über mich hält, wenn ich unterm Friedensengel durchfahre.“

Auch diesmal. „Ist ja nix passiert“, sagt der 89-Jährige. Zudem: „Wenn ich nicht mehr fahren darf, kann ich die Miete nicht mehr zahlen und muss ins Weinviertel zurück. Da gibt’s noch ein Häusl, das meine Eltern gebaut hatten.“

Johannes Welte 

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