Offensive zur Luftreinhaltung

Am Stau vorbei: MVG plant 51 neue Busspuren

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Freie Bahn: Die Busspur auf der Leopoldstraße.

Während der Ausbau von S- und U-Bahn stagniert, gibt die MVG bei den Bussen Gas: Das Münchner Verkehrsunternehmen hat eine Priorisierungsliste mit 51 neuen Busspuren vorgelegt, auf denen Linienbusse am Ampelstau vorbeifahren sollen.

München - Der Stadtrat hat sich festgelegt: Bis zum Jahr 2025 sollen mindestens 80 Prozent des Verkehrs in München durch abgasfreie Autos, öffentlichen Nahverkehr, zu Fuß oder per Rad zurückgelegt werden. Aktuell schätzt Umweltreferentin Stephanie Jacobs (parteilos) den Anteil auf gut 65 Prozent.

Mit dem Beschluss von vergangener Woche hat die Stadt die Forderung des Bürgerbegehrens „Sauba sog i“ für bessere Luft übernommen und sich selbst umweltpolitisch unter Druck gesetzt – getrieben nicht zuletzt von einer Klage der Deutschen Umwelthilfe, die vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof anhängig ist. Der Vorwurf: Die Stadt müsse mehr Maßnahmen ergreifen, um die Immissionsgrenzwerte für Stickstoffdioxid und Feinstaub einzuhalten. Diese werden in München regelmäßig überschritten, vor allem auf der Landshuter Allee und am Stachus (wir berichteten). Es führe nichts daran vorbei, den dieselbetriebenen Verkehr radikal zu verringern, sagt Umweltreferentin Jacobs.

Kernpunkte: ÖPNV-Ausbau und Auto-Verzicht

Die Wunschliste der MVG: Die 51 Maßnahmen wurden nach einem Punktesystem priorisiert. Nur die fünf Projekte der höchsten Kategorie haben realistische Chancen, kurzfristig umgesetzt zu werden. 

Die schwarz-rote Rathaus-Koalition muss Antworten auf zwei Kernfragen finden: Wie rasch kann der Ausbau des ÖPNV gelingen? Wie kann man den Bürgern den Verzicht aufs Auto schmackhaft machen? Drei Schwerpunkte hat die Initiative der Sozialdemokraten: Erstens soll die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) ein Konzept zur Erweiterung des Busnetzes ausarbeiten. Zweitens soll die Busflotte weniger Gift in die Luft blasen. Die MVG soll einen Plan vorlegen, wie sie in wirtschaftlich vertretbarem Rahmen von Verbrennungsmotoren auf Elektroantrieb umsteigen könne. Punkt drei: Die MVG soll dem Stadtrat darlegen, was finanziell, baulich und technisch nötig ist, damit der Umstieg auf E-Fahrzeuge gelingt. Ziel sei, dass es bis 2019 mindestens eine reine E-Bus-Linie gebe.

Mehr Busspuren für mehr Zuverlässigkeit

Ein Element der Bus-Offensive ist weit gediehen: Die MVG hat eine Prioritätenliste für neue Busspuren ausgearbeitet. 51 Straßen im Stadtgebiet sind in diesem Plan aufgeführt, auf fünf davon (in der Tabelle rot markiert) sei die Express-Spur besonders dringlich. Auf separaten Spuren und mit intelligenten Ampelschaltungen können Metro- und Linienbusse schneller und zuverlässiger werden – meist auf Kosten von Fahrspuren oder Parkplätzen. Bisher gibt es in München 80 Busspuren mit 23 Kilometer Gesamtlänge. Die Wunschliste der MVG enthält weitere 29 Kilometer, brächte also mehr als eine Verdoppelung. MVG-Sprecher Matthias Korte sagt: „Jede einzelne Busspur würde die Qualität und Attraktivität des Busnetzes deutlich erhöhen und vor dem Hintergrund der Überlastung der U-Bahn im Stadtzentrum zusätzliche Kapazitäten schaffen.“

Jens Röver, umweltpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, wünscht sich „einen größeren Wurf, den die Fahrgäste spüren“. Er hält vor allem neue Expressbusse für wichtig. Bislang gibt es in München den X30, der Haidhausen, Giesing und Sendling verbindet.

Zieht die CSU bei der Umsetzung mit? 

Wie rasch neue Busspuren kommen, hängt auch vom Koalitionspartner CSU ab. Deren Fraktionschef Manuel Pretzl gibt sich zögerlich: „Man muss sich jeden einzelnen Vorschlag anschauen und dann nach der Kosten-Nutzen-Rechnung entscheiden.“ Das birgt Konfliktstoff: Allein die Zahl der Parkplätze, die den 51 Busspuren weichen müssten, geht in die Tausende.

Die Grünen freuen sich, dass die SPD „nun nachzieht“, wie es Stadtrat Paul Bickelbacher ausdrückt. Seine Fraktion habe schon im Dezember ein Maßnahmenpaket zum Luftreinhalteplan vorgeschlagen. Dazu zählte neben dem Ausbau des Busnetzes auch ein 5-Minuten-Takt der U-Bahn. Die Große Rathauskoalition hatte den Antrag abgelehnt.

Bus soll attraktiver werden

„Wir basteln an einem Konzept, um das Verkehrsmittel Bus attraktiver zu machen“, sagt MVG-Sprecher Korte. Der kurzfristige Ausbau des ÖPNV sei „das effizienteste und beste Mittel“, die Luftqualität zu verbessern. „Und das geht beim Bus am schnellsten.“ Doch es kostet Geld. Mehr Fahrzeuge müssen beschafft, zusätzliche Fahrer angestellt werden. Alles müsse nun durchgeplant, durchgerechnet und bewertet werden, sagt Korte. Bis Juli soll ein Beschlussvorschlag für den Stadtrat fertig sein.

Lesen Sie hier: Probeweise - MVG erlaubt Fahrradanhänger als Kinderwagen in Bus und Tram  

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