Unsere Stadt als "Testobjekt"?

Amazons Mega-Plan für München: Ein Insider packt aus

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Großes Ziel: Amazon will künftig Bestellungen noch am gleichen Tag abschicken. 

München - Der Online-Versandhändler Amazon plant eine Revolution seines Lieferhandels. In München entstehen deshalb zwei neue Logistik-Zentren. 

Der weltweit größte Online-Versandhändler Amazon baut in München und Olching zwei Logistik-Zentren. Damit soll es möglich werden, Lieferungen noch am Tag der Bestellung zum Kunden zu schicken, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. Der Dienst soll allerdings nur für Amazon-Prime-Kunden möglich sein. Ihnen wird es gegen einen Aufpreis ermöglicht, Waren schon am Tag der Bestellung zu erhalten. Es wäre deutschlandweit die erste Stadt, in der dieser Service angeboten wird. München wäre also eine Art "Test-Metropole". In Städten im England wie London und Birmingham wurde dieses "Prime Now"-Angebot schon eingeführt.

Amazon-Mitarbeiter vermuten, dass aus den neuen Logistikzentren vor allem kleinere Waren wie Bestseller-Bücher oder CDs gelagert und verschickt werden. Diese sogenannten Schnelldreher könnten in großer Anzahl und ohne größeren Aufwand versandt werden. Dagegen werden größere Artikel wohl weiterhin aus den bisherigen Logistik-Zentren angeliefert. "Das wird ein Logistik-Zentrum wie in Graben bei Augsburg, nur kleiner", weiß ein Mitarbeiter zu berichten, der nicht namentlich genannt werden will. Einige Kollegen aus Graben seien bereits in Olching, um die Infrastruktur aufzubauen. Auch in der Landeshauptstadt sei bereits eine Halle angemietet, verrät der Mitarbeiter der SZ. Wo genau diese steht, wisse man aber noch nicht. 

"Eigentlich sollte Prime Now in München schon 2015 starten", plappert der Amazon-Mitarbeiter weiter, "doch das wurde von einem Tag auf den anderen verschoben."

Ein paar Fragezeichen bleiben

Von der geplanten Einführung könnten vor allem Supermärkte betroffen sein. Denn mittelfristig plant der Konzern, seine Lebensmittel-Sparte "Fresh" auch in Deutschland zu etablieren. In den USA ist dieses Modell bereits gängige Praxis - "Fresh" liefert hier seit einiger Zeit Obst, Fleisch und Gemüse an private Haushalte aus. Für die Supermärkte bedeutet dies zusätzliche Konkurrenz. Die Konsequenz: Viele bauen ihre Lieferservice-Angebote ebenfalls aus.

Auch ist unklar, welche Auswirkungen der Schritt für andere Logistik-Unternehmen haben wird. Denn der US-Konzern will seinen neuen Service selbst ausführen - bislang hatten diese Aufgabe noch externe Liefer-Unternehmen übernommen.  

Amazon will sich nicht äußern

Eine Amazon-Sprecherin wollte den Bericht nicht kommentieren, verwies aber auf die laufende Expansion des Unternehmens. "Amazon erweitert kontinuierlich sein europäisches Logistik-Netzwerk, um die wachsende Kundennachfrage zu bedienen", sagte sie. Erst vor wenigen Tagen hatte Amazon einen Standort im Raum Prag eröffnet. In Deutschland betreibt Amazon neun Logistik-Zentren, unter anderem in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld, Leipzig, Pforzheim und Koblenz.

lp/dpa 

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