Neues Konzept für Amerikahaus

+
Das Amerikahaus am Karolinenplatz könnte als Stiftung weiterbestehen, schlägt das Wissenschaftsministerium vor.

München - Das Amerika Haus in München soll nach dem Willen des bayerischen Wissenschaftsministeriums unter dem Dach einer Stiftung des Freistaats fortgeführt werden. Das geht aus einem Konzept hervor.

Das Konzept wurde am Montag in München vorgestellt, Ende März soll darüber im Kabinett beraten werden. Bis dahin sollen alle Beteiligten ihre Ideen einbringen. Die Staatsregierung will damit einer Forderung des Obersten Rechnungshofes nachkommen, die 1957 eröffnete Einrichtung neu zu strukturieren. Ab Januar 2014 soll das Gebäude bis Mitte 2016 für rund 15 Millionen Euro saniert werden und dann den Plänen zufolge wieder dem Amerika Haus zur Verfügung stehen.

Der Entwurf sieht vor, das Amerika Haus landesweit auszurichten und stärker als bisher mit den USA und Kanada zu vernetzen, vor allem in den Bereichen Bildung, Wissenschaft, Kultur und Internationaler Politik. In die Stiftung könnte nach diesen Überlegungen auch das Deutsch-Amerikanische Institut in Nürnberg einbezogen werden, das nach Einschätzung von Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) bereits sehr gute Arbeit leistet.

Ähnliches wünscht er sich auch für München: „Ich will ein aktives Begegnungszentrum“, erläuterte Heubisch. Vorbild sei für ihn das Amerika-Haus in Berlin. Um die politische Ausrichtung zu betonen, möchte er deshalb die Verwaltung der Internationalen Sicherheitskonferenz in einem Stockwerk des Amerika Hauses unterbringen. Die Bauarbeiten setzen ohnehin mehrere Umzüge in Gang. So soll 2014 die benachbarte Staatliche Lotterieverwaltung ihren Standort räumen, damit dort die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (acatech) einziehen kann. Auch das Amerika Haus soll während des Umbaus dort unterkommen. Ursprünglich wollte der Freistaat die acatech im Amerika Haus ansiedeln. Diese Pläne hatten jedoch einen Sturm der Entrüstung hervorgerufen.

Für das Amerika Haus würde die geplante Umstrukturierung einen Abschied vom bisherigen Träger bedeuten, dem Bayerisch-Amerikanischen Zentrum (BAZ). Dieser Verein zählt nach Angaben Heubischs nur noch gut 30 Mitglieder und beschäftigt zehn Mitarbeiter. Die Kosten trägt der Freistaat bislang überwiegend allein. Auch das will der Minister ändern und private Partner ins Boot holen, etwa Münchner Unternehmen, die derzeit schon die Berliner Einrichtung finanziell unterstützten.

Die Landtags-Grünen begrüßten das Vorhaben. „Das hätten wir auch früher und ohne Kollateralschäden haben können“, sagte die Landtagsabgeordnete Margarete Bause. Heubisch und Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hätten mit Rauswurfdrohungen viel Porzellan zerschlagen. Der Kultusminister und Münchner CSU-Chef Ludwig Spaenle nannte es ein geschichtspolitisches Signal, dass das Amerika Haus als Zeichen der Freiheit und Demokratie im ehemaligen Parteiviertel der Nationalsozialisten bleiben könne, vor allem in unmittelbarer Nähe zum geplanten NS-Dokumentationszentrum.

Das Amerika Haus in München bietet Vorträge, Lesungen und andere Veranstaltungen, die das Verständnis zwischen Bayern und Nordamerika fördern sollen. Schüler, Lehrer, Studenten und Wissenschaftler können sich hier zudem rund um das Thema Amerika beraten lassen, etwa zu Austauschprogrammen und Stipendien. Auch eine Bibliothek ist dort angesiedelt, sie soll aber dem neuen Konzept zufolge geschlossen werden.

dpa

Auch interessant

Meistgelesen

Kommentare