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Amok-Alarm an Berufsschule: Was der Ex-Schüler wirklich wollte

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Von: Stefanie Wegele

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Polizisten führen den Mann ab, der in der Schule für Angst sorgte. 70 ­Beamten waren im ­Einsatz. © Nick Nostitz

Der Amok-Alarm in Haidhausen am Montagfrüh ist durch ein Missverständnis ausgelöst worden. Dennoch ist der Fall noch nicht restlos aufgeklärt.

München - Schockmoment in Haidhausen: Komplett in Schwarz gekleidet, mit Einsatzweste, zwei Funkgeräten und einem Rucksack, aus dem verdächtige Drähte ragten, tauchte ein ehemaliger Schüler gegen 9 Uhr im Sekretariat der Berufsschule für zahnmedizinische Fachangestellte an der Orleansstraße auf. In dieser martialischen Montur wollte der Münchner mit der Schulleitung sprechen. Termin hatte er keinen.

Völlig verängstigt von seinem Auftreten wählte die Sekretärin den Notruf der Polizei. Sofort rückten zahlreiche Streifenwagen an, auch das Spezialeinsatzkommando (SEK) war dabei. Etwa 70 Beamte waren in kürzester Zeit vor Ort, die Straße wurde abgeriegelt. „Es gab den Verdacht einer möglichen Gefährdungssituation“, so Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins. Konkrete Drohungen hatte der Schüler nicht ausgesprochen.

In der Schule war mittlerweile auch der Hausmeister auf den ehemaligen Schüler aufmerksam geworden. Er ging auf den 18-Jährigen zu und begleitete ihn ins Foyer. Offenbar ohne sich zu wehren, wartete der Ex-Schüler zusammen mit dem Hausmeister auf die Polizei. Derweil gab es in der Schule eine Durchsage, die die anderen Schüler aufforderte, in ihren Klassenzimmern zu bleiben. Etwa 1000 junge Leute besuchen die Schule derzeit.

Da das SEK nur wenige Meter entfernt – an der Rosenheimer Straße – seinen Sitz hat, dauerte es nur wenige Minuten, bis die Kräfte eintrafen. Ohne Gegenwehr nahmen sie den 18-Jährigen vorläufig fest. Die Polizei gab schnell Entwarnung: Weder bei ihm noch auf dem Schulgelände wurden Waffen oder Sprengstoff gefunden. Bei den verdächtigen Drähten handelte es sich um Kopfhörer. Der junge Mann wurde zur Vernehmung in eine Polizeiinspektion gebracht. Laut Martins war es von der Schule richtig, die Schüler per Durchsage zu warnen und die Polizei zu alarmieren. „Das Auftreten des Mannes löste bestimmte Assoziationen aus“, sagte der Sprecher.

Am Ende war wohl alles nur ein Missverständnis. Bei seiner Vernehmung gab der junge Mann an, dass er sich für sein früheres Verhalten als Schüler entschuldigen habe wollen. Warum er das in dieser Montur tun wollte, ist unklar. Auch an einer Schule in Hamburg* und an einer in der Slowakei kam es in jüngster Zeit zu einem Amoklauf.

Der Ex-Schüler hatte die Ausbildung nicht abgeschlossen. Wegen wiederholter Disziplinlosigkeiten war er im Dezember 2016 suspendiert worden. Außerdem verhängte die Schule ein Hausverbot. Dem Vernehmen nach soll er früher Drohungen gegen Lehrer und Schüler ausgesprochen haben. Er bekommt wohl eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs.

Update 21. Mai 2019: Es kam zu einer weiteren Bedrohungslage. Zwei Münchner Gymnasien mussten geräumt werden.

Am 01. Oktober gab es außerdem einen Amok-Alarm an einer Berufsschule in Sachsen. Es folgte ein Großeinsatz der Polizei. Nach einem Alarm an einer Berliner Schule sind zunächst Polizei, das SEK und die Feuerwehr vor Ort. Die Schüler verbarrikadieren sich offenbar im Gebäude.
Einen Großeinsatz gab es auch in Lindau am Bodensee wegen eines angeblichen Amokalarms. Die Schüler durften ihre Klassenzimmer nicht verlassen und die Schule wurde abgeriegelt. SEK-Einsatz in Hamburg: Er soll eine Mitschülerin mit einer Waffe bedroht haben, nun durchkämmt das SEK eine Schule.

* 24hamburg.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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