Obdachloser zieht geladene Waffe

Amok-Alarm im Gerichtsgebäude

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Landgerichts-Präsident Hans-Joachim Heßler: „Glücklicherweise haben wir jetzt die Eingangskontrollen“.

München - Er sagte: „Nicht erschrecken!“ Dann zog er die scharfe, mit fünf Schuss geladene Waffe! Ein Obdachloser (58) hat am Montag im Eingangsbereich des Münchner Justizpalastes Amok-Alarm ausgelöst.

Vor der mit Panzerglas gesicherten Pförtner-Loge zog Josef F. im Sicherheitsbereich plötzlich eine geladene Walther PPK (ehemalige Polizei-Pistole). Er zielte auf die großen Scheiben über die Eingangstür, drückte mehrfach ab. Doch glücklicherweise löste sich kein Schuss...

Nach Darstellung von Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch verlor der 58-Jährige 1988 beim Oberlandesgericht einen Zivilprozess. Obwohl er danach noch weitere Jahre unternehmerisch tätig war, machte er dieses Urteil für sein finanzielles Desaster und seinen persönlichen Niedergang verantwortlich. 1989 ließ er sich gegenüber Justizbeamten zu einer Bedrohung hinreißen. Danach hörte man nichts mehr von ihm. Bis Montag. Um 16.10 Uhr sprach er an der Pforte des Justizpalastes vor, wollte sofort eine Rechtsberatung und einen (längst pensionierten) Richter sprechen. Der Pförtner erklärte ihm, dass er erst einen Termin ausmachen müsse. Da fuchtelte F. plötzlich mit der Pistole herum, die glücklicherweise nicht durchgeladen war. Er resignierte und legte die Waffe ins Schubfach der Pförtnerloge. Dann griff in seine Tasche und legte noch ein Magazin, ein Messer und eine täuschend echt wirkende Feuerzeugpistole dazu. „Ich bin sogar dazu zu dumm“, sagte er.

Von allen Seiten stürmten Justizwachtmeister und Sicherheitsbeamte heran. Josef F. ließ sich widerstandslos festnehmen. Auch der Ermittlungsrichter war der Meinung, dass man ihn nicht mehr frei herumlaufen lassen kann. Genau wie der Staatsanwalt-Killer Rudolf U. (siehe unten) hatte auch er sich ungerecht behandelt gefühlt und zur Waffe gegriffen. Die Pistole hatte er angeblich geerbt. Josef S. sitzt nun in U-Haft und wird psychiatrisch untersucht.

Vor einem Jahr: Tödliche Schüsse am Amtsgericht Dachau

Er hatte eine Mordswut gegen die Justiz. Als der insolvente Transportunternehmer Rudolf U. (55) am 11. Januar 2012 am Amtsgericht Dachau wegen Veruntreuung von Arbeitsentgelt zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde, zog er eine Pistole und feuerte zwei tödliche Kugeln auf Staatsanwalt Tilman T. (†31) ab. Rudolf U. schoss auch auf den Richter, dieser hatte jedoch in Deckung gehen können. Das Landgericht München II verurteilte den Todesschützen zu lebenslanger Haft.

Sein Verbrechen nahm das Justizministerium zum Anlass, an allen Gerichten Einlass-Kontrollen durchzuführen.

D. Plange

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