Der Amok-Mann vom Justizpalast

"I hab denkt: Jetzt schiaßt mal umadum"

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Franz F. gibt zu, dass er herumschießen wollte

München - Anfang Januar stürmte er mit einer James-Bond-Waffe in den Münchner Jusitzpalast. Jetzt muss sich Josef F. dafür vor Gericht verantworten.

Jetzt ist er wieder im Gericht – diesmal aber als Angeklagter … Josef F. (58) muss sich verantworten, weil er am 7. Januar mit einer scharfen Pistole in den Münchner Justizpalast gestürmt ist. Er erinnert sich gut an jenen Tag – und er redet freimütig darüber. „I hab denkt: Jetzt schiaßt mal richtig umadum“, sagte F. am Freitag im tiefsten Bairisch vor dem Landgericht. Er gibt zu, dass er den Richtern und der bayerischen Justizministerin Beate Merk (CSU) einen Schreck einjagen wollte, als er damals vor der Glastür stand: „I hab auf die Scheibn zielt und zwei Mal abdrückt. Des Ding ging aber net.“

Zum Glück hatte F. vergessen, die Pistole durchzuladen. Es handelte sich um eine Walther PPK – jene Waffe, mit der James Bond die Film-Bösewichter erledigte. Ehe F. mit dieser Pistole Unheil anrichten konnte, entwaffneten ihn die Justizbeamten. Sie erschraken, als sie feststellten, dass es sich um eine scharfe Waffe handelte. F. ließ sich ohne Widerstand festnehmen.

Das Gericht muss jetzt klären: Wie tickt dieser Josef F.? Ist er eine Gefahr für die Allgemeinheit? Muss man ihn wegsperren? Angeklagt hat ihn Staatsanwalt Peter Preuß wegen unerlaubten Führens einer halbautomatischen Schusswaffe (fünf Jahre Höchststrafe) und wegen versuchter Sachbeschädigung. In der Luft liegt die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik.

F. redet im Prozess wie ein Wasserfall. Die Vorsitzende Richterin Jutta Zeilinger hört geduldig zu. Hintergrund: F. hatte Geldrobleme – und er hatte einen Rechtsstreit mit dem Vermieter seines Cafés. Nach mehreren verlorenen Gerichtsprozessen staute sich in ihm Wut auf die Justiz: „I hab Druck ghabt, dass i was unternehmen muss!“ Böse Erinnerungen werden wach. Erinnerungen an den Januar 2012: Damals erschoss ein Angeklagter im Dachauer Gerichtssaal den Staatsanwalt. Motiv damals: Hass auf die Justiz!

Auch in Josef F. brodelte es offenbar. Er erzählt: Bevor er im Justizpalast die Scheiben zerschießen wollte, habe er auch darüber nachgedacht, den Ehemann einer Anwältin, von der er sich verraten fühlte, als Geisel zu nehmen. Dafür hatte er Klebeband dabei. Er habe auch noch andere „Denkspiele“ gehabt: Er wollte sich an einer Richterin rächen.

Eberhard Unfried

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