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Dritter Tag vor Gericht

„Er wollte töten!“ - Zeuge belastet Waffenhändler im Amok-Prozess

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Philipp K. verkaufte die Tatwaffe. Von Amokplänen habe er nichts gewusst.

Die Luft für Philipp K. (32) wird immer dünner. Am dritten Tag des Amok-Prozesses belasten Zeugen den angeklagten Waffenhändler Philipp K. (32) schwer.

München - Im Prozess wegen fahrlässiger Tötung haben Zeugen den angeklagten Waffenhändler schwer belastet. Am Ende des dritten Verhandlungstages ist eine Verbindung zu konkreten Tötungsabsichten immer wahrscheinlicher. 

Über den Prozess berichten wir live aus dem Gerichtssaal. Hier geht es zum Ticker im OEZ-Amoklauf-Prozess.

Das sagt sein Cousin über den Waffenhändler

Cousin Marc P. (31, Name geändert) kennt Philipp K. seit seiner Kindheit. Sie sind nicht nur verwandt, sondern auch gute Freunde. Nur wenigen Menschen gewährte der Waffenhändler so tiefe Einblicke in sein Leben wie Marc P.). Ausgerechnet der sagte gestern nun am Landgericht aus und offenbarte düstere Details. 

„Er hat mir gesagt, dass er Menschen töten will“, berichtet Marc P. Das hatte der Zeuge zunächst nicht ernst genommen, weil beide auch gerne flachsten. Durch die todbringende Waffenlieferung für David S. wurde die Ankündigung aber wahr.

Im Prozess um den Amoklauf am Olympia-Einkaufszentrum hatte es bisher keine Beweise gegeben, dass Philipp K. ein Mittäter von David S. gewesen sein könnte - nur die Nebenkläger fordern vehement eine Anklage wegen Beihilfe zum Mord. Seit dem dritten Verhandlungstag verdichten sich nun die Hinweise darauf.

Düster Fantasien von Philipp K. (32)

Laut dem Zeugen hatte Philipp K. öfter davon gesprochen, er wolle „alle Menschen ausradieren“ - oder „im Kugelhagel der Polizei sterben“. Es sind eindeutige Aussagen, die nicht einfach als krummer Scherz abgetan werden können, denn sie kamen zu häufig vor in der Kommunikation zwischen den Cousins. 

Mit den düsteren Fantasien habe Marc P. nicht viel anfangen können und habe irgendwann „nur noch abgeschaltet“. Zumal Philipp K. mit Freunden auch gerne brutale Videos angeschaut hatte - etwa, wo Menschen der Kopf abgetrennt wird, wie P. berichtet. „Für mich war das nichts.“ An seinem Cousin habe ihn die Unbekümmertheit fasziniert. „Wir haben uns einfach sehr gut verstanden“, sagt er.

Jedenfalls bis zum Amoklauf. „Ich war schockiert, als ich von seiner Verhaftung hörte. Ich habe ihm viel zugetraut. Aber das nicht.“ Schon als Kind sei Philipp K. ein Waffennarr gewesen und habe etwa Bilder von Gewehren gemalt. Jahrelang pflegten beide Männer engen Austausch in Chats, wo sie sich auch mit rechten Parolen wie „Heil Hitler“ verabschiedeten. Wofür sich Marc P. heute schämt: „Das war armselig und gehörte zum Beklopptheitsgrad, der sich zwischen uns eingeschlichen hatte.“

Philipp K. sei psychisch „definitiv auffällig“ gewesen, sagt sein Cousin. „Auf der Straße tat er gerne so, als wäre er behindert.“ An die extremen Seiten von K. hatte er sich gewöhnt, und so trafen sich beide noch als Männer oft zum „Zocken“: Ballerspiele wie Battlefield zogen sie an.

Marc P. habe in dieser Zeit oft Stress mit seiner Freundin gehabt. Was sein Cousin ausheckte, habe er daher nie hinterfragt. „Auch als er nach Tschechien fuhr, habe ich mir nichts gedacht.“ Fatal: Denn dort hatte K. die Waffen besorgt. Eine fand der Cousin in dessen Auto . „Ich dachte, die Pistole wäre nicht echt.“ Mit einem ähnlichen Modell wurden später in München dann neun Menschen ermordet.

Was passierte zehn Tage nach dem Amoklauf?

„Zehn Tage nach dem Amoklauf rief Philipp mich an und sagte, er hat Scheiße gebaut“, berichtete ein Arbeitskollege, der gestern als zweiter Zeuge aussagte. K. habe reden wollen. „Er war sehr aufgewühlt. Aber ohne Reue. Über die Opfer hat er nichts gesagt. Sorgen machte er sich nur, was jetzt mit ihm passiert.“ Am 16. August 2016 wurde K. dann verhaftet. Auch, weil er den Rat seines Kollegen nicht befolgte: „Hör auf mit dem Waffenverkauf. Kein Bock, dich im Knast zu besuchen.“ 

Andreas Thieme

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