Veranstaltungen, Sehenswürdigkeiten und Co.

Nach Amoklauf: Wo München unter Besucher-Rückgang leidet

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Bei seinem Amoklauf rund um das OEZ tötete David S. neun Menschen.

München - Der Amoklauf in München hat seine Spuren hinterlassen. Die Stadt zählt deutlich weniger Besucher und Touristen. Auch Einzelhandel und Sehenswürdigkeiten leiden unter den Folgen.

Der Amoklauf in München – mittlerweile gibt es zu dem Thema einen eigenen Eintrag bei Wikipedia. Überall auf der Welt berichteten Medien über den 18-jährigen David S., der am 22. Juli rund um das Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) in Moosach neun Menschen tötete. Ein Ereignis, das an München nicht spurlos vorbeigegangen ist. Das belegen nun auch Zahlen! Die Stadt zählt deutlich weniger Besuchern bei Olypark & Co.

Wie berichtet verzeichnete die Verwaltung heuer bereits deutlich weniger Touristen. Das bekam auch der Einzelhandel zu spüren. Citypartner beispielsweise hat im Sommer 33 Prozent weniger Besucher aus Italien gezählt, dem größten europäischen Quellmarkt. Oder 25 Prozent weniger Besucher aus dem asiatischen Raum. Im Finanzdaten- und Beteiligungsbericht ist nun aufgeführt, wie sich die Besucherzahlen bei den Touristen-Attraktionen verändert haben. Zwar dauert das Jahr noch etwas an, aber die großen Touri-Magnete wie der Olympiapark oder das Deutsche Museum hatten im August und September deutlich weniger Besucher. Unmittelbar hatte die Auer Dult die Auswirkungen gespürt. Da OB Dieter Reiter (58, SPD) eine Woche der Trauer ausgerufen hatte, fand die nur verkürzt statt. Der Stadtrat gewährte den Schaustellern daher unlängst einen Zuschuss.

Noch Wochen nach dem Amoklauf kamen weniger Menschen nach München

Dass aber noch Wochen später weniger Menschen nach München kamen, führt Wirtschaftsreferent und Bürgermeister Josef Schmid (47, CSU) ebenfalls auf den Amoklauf zurück: „Es ist in der Tat so, dass der Rückgang maßgeblich darauf zurückzuführen ist.“ Es habe schließlich Länder gegeben, die sogar ausdrücklich vor Reisen nach München gewarnt hatten.

Schmid lässt keine Gelegenheit aus, diese Verunsicherung zu vertreiben. „Es gibt dafür auch keinen Grund.“ München sei die sicherste Stadt in Deutschland und eine der sichersten auf der Welt. Auswirkungen auf die Christkindlmärkte befürchtet der 47-Jährige daher nicht. „Da bin ich zuversichtlich.“ Zwar gab es die Delle im August und September. „Im Oktober gingen die Zahlen aber wieder nach oben.“ Eine Beobachtung, die auch andernorts gemacht wird. Wir verraten Ihnen auf dieser Seite, welche Sehenswürdigkeiten und Veranstaltungen heuer weniger Tickets verkauft haben. 

Deutsches Museum: Deutlicher Rückgang

Wie viele Besucher heuer weniger kamen, kann ein Museums-Sprecher nicht sagen. Allerdings: „Wir hatten im August und September einen deutlich spürbaren Rückgang, sowohl auf der Insel als auch im Verkehrszentrum.“ Lediglichin der Flugwerft seien die Zahlen mit dem Vorjahr vergleichbar. Jedoch sei der Einbruch im Sommer ein einmaliger Effekt. Bereits im Oktober seien die Zahlen wieder auf dem Niveau des Vorjahres.

Weniger Gäste im Olympiapark

Der Olympiapark hat viel zu bieten: Eissportzentrum, Halle, Stadion, Turm oder Führungen. Nach dem Attentat in München ließen sich aber deutlich weniger Touristen blicken – gerade in den üblicherweise besser besuchten Monaten August und September „haben wir insgesamt einen Rückgang der Besucherzahlen zwischen 20 bis 25 Prozent“, sagt ein Sprecher der Olympiapark GmbH. Ähnlich aber auch wie im Deutschen Museum seien etwa der Turm oder die Führungen bereits ab Oktober wieder deutlich besser frequentiert. „Im Oktober haben wir sogar einen Anstieg im Vergleich zum Vorjahr.“

Theater um Chef

Bei den Münchner Kammerspielen geht die Stadt (Planzahlen) erneut von einem Rückgang der Besucher aus. 2014 waren es rund 210.000 Menschen, 2015 circa 198.000. Heuer sollen es rund 168.000 Besucher sein. Das ist aber freilich nicht auf das Attentat am OEZ zurückzuführen. „Dass die Zahlen rückläufig sind, hat vorrangig mit den in letzter Zeit auch in der Presse und der Öffentlichkeit dargestellten Diskussionen um den Spielplan unter der Intendanz von Herrn Lilienthal zu tun“, meint eine Sprecherin des Kulturreferates.

Auch Schwund beim Filmfest

Das 34. Filmfest in München fand deutlich vor dem Amoklauf im OEZ statt – dennoch sind auch hier die Besucherzahlen rückläufig. Der Finanzdaten- und Beteiligungsbericht verzeichnet bis zum Jahr 2015 stetig Anstiege, im Vorjahr kamen rund 83.500 Menschen. Dieses Jahr waren es fast 4000 weniger. Ein Grund könnten wohl die vielen sonnigen Tage sein. 

Amoklauf am OEZ: Bilder des Polizeieinsatzes

Wiesn: Weitab von Rekordzahlen

Die Minus-Wiesn ist nun sicher nicht einzig dem Amoklauf geschuldet. Wie berichtet hatte es nach dem Attentat am Olympia-Einkaufszentrum eine große Debatte um mögliche Sicherheitsmaßnahmen rund um das Oktoberfest gegeben. Der neue Zaun, aber vor allem auch die neu eingeführten Taschen- und Rucksackkontrollen könnten freilich den ein oder anderen Wiesn-Gänger vom Besuch abgehalöten haben. Und das Wetter war auch nicht besonders. Gezählt wurden nur 5,6 Millionen Gäste. Das sind rund 200 000 weniger als im Jahr 2015 – das waren so wenig wie seit 15 Jahren nicht mehr. 2001 kamen 5,5 Millionen.

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