Ermittlungsergebnisse nach Amoklauf

Darknet, Ballerspiele, Breivik: Die kranke Welt des David S.

München - Fast acht Monate lang tauchten die Ermittler in die Welt von David S. ein. Die Ermittlungsergebnisse zum Münchner Amokläufer lassen aufhorchen.

Am 22. Juli 2016 hat David S. (†18) seinen bestialischen Plan in die Tat umgesetzt. Am Olympiaeinkaufszentrum (OEZ) erschoss der Deutsch-Iraner neun Menschen - und nach einem stundenlangen Versteckspiel auch sich selbst. Am Freitag, knapp acht Monate nach dem Blutbad, gab das Landeskriminalamt (LKA) seine Ermittlungsergebnisse bekannt. Darin offenbaren sich die kranken Fantasien des Schülers - und wie viel Hass in ihm steckte. Die tz erklärt, wie David S. zum eiskalten Killer wurde.

Genau könne man es nicht zurückdatieren, sagt Kriminaloberrat Jürgen Müller, den Amoklauf habe David S. aber innerhalb eines Jahres geplant. Auch wenn das LKA in den vergangenen Monaten mehr als 1000 Videodateien ausgewertet und über 2000 Zeugen vernommen hat, „ist eine Tat diesen Ausmaßes immer auch ein Stück weit unerklärlich“, sagt Müller. Die Ermittler beschäftigten sich mit zwei Fragen. Erstens: Was veranlasste S. zu der Tat? Und gab es Mitwisser, Mittäter?

In einem McDonald‘s sowie vor dem Olympia-Einkaufszentrum schoss der Amokläufer um sich.

„Amoklauf allein geplant und allein durchgeführt“

Letztere Frage kann das LKA eindeutig beantworten. Müller: „David S. hat den Amoklauf allein geplant und allein durchgeführt.“ Auch auf Samer R. (16), einen Freund von David S., konzentrierten sich die Ermittlungen. Mit ihm hatte sich S. an jenem Freitag gegen 16 Uhr getroffen - also etwa zwei Stunden bevor S. im McDonald’s an der Hanauer Straße das Feuer eröffnete. Belege dafür, dass Samer R. über die Pläne seines Freundes informiert war, ließen sich aber nicht finden. Auch Ärzte, bei denen S. wegen seiner psychischen Probleme in Behandlung war, Lehrer und seine Eltern wussten nicht, wie gestört die Gefühlswelt des jungen Mannes war.

Auch die Frage nach dem Tatmotiv meinen die Ermittler inzwischen geklärt zu haben. „David S. schuf sich ein irrationales Weltbild“, sagt Müller. Der 18-Jährige soll wenig soziale Kontakte gehabt haben, war unter Gleichaltrigen weitgehend isoliert. Über Jahre hinweg soll S. Opfer von Mobbing unter seinen Mitschülern geworden sein. Sogar von körperlichen Übergriffen ist die Rede. Über die Jahre habe S. einen derartigen Hass gegen Jugendliche mit Migrationshintergrund entwickelt, dass er sie für Menschen hielt, die mit einem „Virus infiziert“ seien, wie es Müller ausdrückt.

Das ist der Rucksack, den David S. während des Amoklaufs bei sich trug.

Ballerspiele und Rache-Fantasien in Chats

Vor der Tat lebte S. seine Gewaltfantasien hauptsächlich am Computer aus. Im Internet zockte er Ballerspiele und offenbarte seine kranken Fantasien in wirren Chats. Er sprach von „Rache“ und „Amok“. Im Darknet, dem illegalen Teil des Internets, kaufte S. die Pistole, eine Glock, und 500 Schuss Munition. Der Verkäufer konnte ausfindig gemacht werden. Ihm wird der Prozess wegen fahrlässiger Tötung in neun Fällen gemacht.

S. reiste nach Winnenden - dort tötete ein 17-Jähriger im März 2009 an einer Schule 15 Menschen. Auch den norwegischen Massenmörder Anders Breivik - der Rechtsextreme tötete 77 Menschen - verehrte er. Erschreckend: In dem Keller seines Wohnhauses übte S. das Schießen. Das LKA verriet am Freitag: „Er gab insgesamt 107 Probeschüsse auf einen Zeitungsstapel ab.“ Laut einem Gutachten war der Raum so gut isoliert, dass Nachbarn nichts hören konnten.

Johannes Heininger/Video: snacktv

Rubriklistenbild: © Haag

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