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Wird in München viel zu wenig geblitzt? KVR zweifelt Studie an: „Zahlen unrealistisch“

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Von: Andreas Daschner

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Blitzsäule an der Brienner Straße Ecke Oskar-von-Miller-Ring
Wer an dieser Säule am Oskar-von-Miller-Ring zu schnell vorbeifährt, bekommt Post von der Polizei. © Oliver Bodmer

In keiner der vier deutschen Millionenstädte wird so wenig geblitzt, wie in München. Das geht aus einer neuen Analyse hervor. Die Stadt zweifelt die Zahlen an.

München – Ein rotes Blitzlicht kündigt es an: Ein paar Tage später flattert ein Strafzettel ins Haus. Wer zu schnell fährt oder eine rote Ampel missachtet, läuft Gefahr, geblitzt zu werden – in München aber deutlich seltener als in anderen Großstädten. Denn in keiner anderen deutschen Millionenmetropole stehen so wenig Blitzer wie in München.

München: Fünfmal weniger Blitzer als in Köln

Das geht aus einer Analyse der Goldstein Rechtsanwälte hervor. Die Verbraucherschutz-Anwälte aus Berlin haben in den 40 einwohnerreichsten Städten die Verkehrsüberwachung untersucht und dazu unter anderem Daten der Polizei und von Verkehrs-Apps ausgewertet. Um die Zahlen vergleichbar zu machen, wurde die Anzahl der Blitzer auf die Straßenfläche in den Städten heruntergerechnet. Dabei kam heraus: In München stehen pro Tag und 1000 Hektar Straßenfläche gerade einmal 3,4 Blitzer an den Straßen und Ampeln – die fest installierten bereits eingerechnet. Das sind fünf Mal weniger als in Köln, das im Schnitt 17,4 Blitzer einsetzt. In Hamburg sind es 11,8 und in Berlin, das mit deutlichem Abstand die meisten Hektar Straßenfläche hat, immerhin noch 5,4.

Aber nicht nur unter den vier Millionenstädten steht München schlecht da. In der Liste der 40 untersuchten Städte belegt die bayerische Landeshauptstadt Platz 35 – weit hinter Spitzenreiter Wuppertal, das satte 26,1 Blitzer aufbietet. Nur in Duisburg, Braunschweig, Essen, Krefeld und Magdeburg müssen Raser demnach noch seltener befürchten, erwischt zu werden.

Stadt München: „Haben 2021 ungefähr 8,2 Millionen Messungen durchgeführt“

Doch was sagen die Verkehrsüberwacher zu der Analyse? In München ist die Stadt für die Geschwindigkeitskontrollen in Tempo-30-Zonen und verkehrsberuhigten Bereichen zuständig. Alle anderen Straßen und Rotlichtverstöße überwacht die Polizei – mit einer Ausnahme: Mit einer Ausnahmegenehmigung des Innenministeriums betreibt die Kommunale Verkehrsüberwachung einen stationären Messplatz an der Tegernseer Landstraße.

„Wir setzen außerdem bis zu fünf mobile Messeinheiten ein, die pro Tag rund 20 bis 30 Messörtlichkeiten anfahren.“, sagt KVR-Sprecher Julien Chauve. Die Zahlen fürs abgelaufene Jahr lägen noch nicht vor. 2021 habe die Stadt jedoch ungefähr 8,2 Millionen Geschwindigkeitsmessungen durchgeführt und 75.000 Verstöße festgestellt. Pro Tag würden zwischen 180 und 300 Verstöße festgestellt. Die Messungen der Polizei seien dabei noch nicht berücksichtigt.

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Polizeireport weist 2160 Messungen aus

Über die Zahl der eingesetzten mobilen Messgeräte schweigt man sich bei der Polizei aus taktischen Gründen aus. Für 2021 weist der Sicherheitsreport der Verkehrsüberwacher aber insgesamt 2160 Messungen mit mobilen Messgeräten aus. Dabei wurden knapp über 44.000 Verwarnungen ausgesprochen, 6340 Autofahrer wurden angezeigt. Dazu kommen knapp 38.700 Tempoverstöße, die mit dem sogenannten Enforcement Trailer, einem 2021 neu eingesetzten, beweglichen Gerät zur Geschwindigkeitsüberwachung, gemessen wurden. Auch bei der Polizei werden die Zahlen für 2022 derzeit noch ausgewertet.

Angesichts der eigenen Zahlen und der Polizeistatistik sagt KVR-Sprecher Chauve: „Die in der Analyse genannten Zahlen halten wir für unrealistisch.“ Unabhängig davon gilt ohnehin: Wer sich an die Verkehrsregeln hält, braucht keine Angst haben, geblitzt zu werden.

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