Gerüchte hielten sich bereits länger

Kult-Lokal am Dom macht im Sommer dicht - das sind die Gründe

Erst im Jahr 2016 hatte er ein medienwirksames Comeback gefeiert. Nun muss Sepp Krätz sein Lokal am Dom aufgeben.

München - Schon während der Wiesn wurde unter den Schankkellnern getuschelt. Der Andechser am Dom müsse schließen, hieß es. Alles Quatsch, sagte Wirt Sepp Krätz noch im Herbst und wischte die Gerüchte weg. Kein Vierteljahr später jedoch platzt jetzt die Bombe. Am Dienstag teilte die Klosterbrauerei Andechs als Pächter der Wirtschaft mit: „Andechser am Dom schließt zum 30. Juni 2018“. Und das, obwohl der Betrieb gut lief. Doch der Eigentümer der Immobilie hat andere Pläne für das Gebäude in attraktiver Lage.

Das Andechser am Dom.

Sepp Krätz wollte das Aus am Dienstag nicht kommentieren. Doch klar ist: Dem Gastronom bricht ein wichtiges Standbein weg. Es ist nicht das erste Mal, dass Krätz einen Betrieb verliert. Der 63-Jährige war fast 20 Jahre lang Wiesn-Wirt – bis er 2014 mit seinem Hippodrom-Zelt vom Oktoberfest verbannt wurde. Krätz hatte zugegeben, Steuern in Höhe von 1,1 Millionen Euro hinterzogen zu haben. Das Landgericht München verurteilte ihn im März 2014 zu einer Bewährungs- und zu einer Geldstrafe. In der Folge verlor er auch seine Konzession. Der tiefe Fall des Promi-Wirts sorgte für Aufruhr in der Gastroszene.

Nun verliert Krätz sein Stammhaus

Das Geschäft blieb in der Familie: Krätz’ Frau Tina, seine Schwester Johanna Barsy und seine Tochter Stefanie übernahmen die Aufgaben. Als sich der Wirbel gelegt hatte, versuchte Krätz, das Hippodrom als After-Wiesn-Location im Postpalast wieder aufleben zu lassen. Doch nach zwei Versuchen ließ er es wieder bleiben. Der Aufwand soll sich nicht gelohnt haben.

Sepp Krätz war fast 20 Jahre als Wiesn-Wirt tätig.

Nun verliert Krätz sein Stammhaus, das er seit 1994 führt. Ein herber Schlag. Der Familie bleibt die Waldwirtschaft Großhesselohe – und dem 63-Jährigen die Rinderzucht, der er sich seit Jahren mit Leidenschaft widmet. Die Klosterbrauerei bedauert die Schließung des Lokals. „Wir hätten den Andechser am Dom sehr gerne weitergeführt.“ Doch der Pachtvertrag sei nicht verlängert worden. Was der Eigentümer mit der Immobilie vorhat, ist nicht bekannt – Martin Glaab, Sprecher der Klosterbrauerei sagt aber: „Es war kein Platz mehr für eine Wirtschaft wie das Andechser am Dom, das wurde deutlich.“ Die Brauerei sucht nach einem neuen Gastronomieobjekt in der Stadt. Ob Sepp Krätz wieder Wirt sein soll, lässt Glaab offen. „Wir reden mit jedem, der unser Interesse teilt.“

Konkurrent hat neue Pläne am Dom

Während Sepp Krätz’ sein Andechser am Dom nach fast einem Vierteljahrhundert schließen muss, eröffnet sein Konkurrent Sigi Able keine hundert Meter weiter ein neues Gasthaus. Im Leger am Dom an der Kaufingerstraße 24/Ecke Frauenplatz will der Wiesn-Wirt seine Gäste ab März willkommen heißen. Able beerbte Krätz als Nachfolger auf dem Oktoberfest: Sein Marstall-Festzelt löste im Jahr 2014 das Hippodrom ab. Das Leger am Dom soll das neue Stammhaus der Familie Able werden. 120 Gäste haben im Lokal Platz, weitere 100 Plätze sollen draußen hinzukommen. Das Essen: bodenständig.

Siegfried Able plant ein neues Stammhaus am Dom.

Video: Glomex

Rubriklistenbild: © Haag

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