André Rieu in München: Zahlen, Fakten - und die Konzertkritik

München - André Rieu war in der Münchner Olympiahalle zu Gast. Die tz hat genau hingehört - und zudem die wichtigsten Daten zum "Fliegenden Holländer" zusammengestellt.

Seit 1987 ist der gebürtige Maastricher André Rieu (61) auf Tournee mit seinem Orchester. Für die Mitglieder heißt das: Privatleben ade, dafür viel Reisen und gute Bezahlung. Der überfliegende Holländer Rieu hat Millionen Fans.

Hier einige Fakten zu seiner einzigartigen Karriere:

Bevor es auf die erste Tournee ging, wurde 1987 ein halbes Jahr lang geprobt. Zu Beginn hatte das Orchester zwölf Mitglieder, mittlerweile sind es bis zu 50 Musiker.

1988 ging’s auf die ersten kurzen Konzertreisen – in die Benelux-Staaten und nach Deutschland. Mittlerweile gastiert Rieu, dessen Produktionsfirma 120 Mitarbeiter hat, auch in den USA, Kanada, Japan und Australien – die meisten Auftritte: Europa.

Je nach Umfang seiner Tourneen verkauft Rieu zwischen 500 000 und einer Million Tickets pro Jahr.

Im ersten Halbjahr 2009 hatte er 554 242 Karten verkauft und 43,1 Millionen Euro Umsatz gemacht.

Rieu spielt eine Stradivari. Ihr Schätzpreis liegt bei über einer Million Euro.

Australien ist ein besonders beliebtes Pflaster für den Musiker. 2007 schaffte Rieu es bisher als Einziger, in den dortigen DVD-Top-10 mit neun Scheiben vertreten zu sein. 2007 und 2008 verkaufte er hier über zwei Millionen DVDs.

Bis Ende des vergangenen Jahres hat Rieu insgesamt weltweit über 55 Millionen Platten verkauft.

Als Rieu 2010 zwei Monate krankheitsbedingt pausieren musste, kostete ihn das laut Bild acht Millionen Euro.

M. B.

So war André Rieus Konzert in der Olympiahalle

Er mag kein Übervirtuose sein, nicht einmal ein Geiger, der als Solist bestehen könnte. Aber die Häme, die André Rieu und seinem Orchester von Kritikern oft entgegenschlägt, ist ein klein wenig überheblich. Wenn jemand über Jahrzehnte Erfolg hat, ist das kein Zufall. Und so kann man bei Rieus Auftritt in der gut gefüllten Olympiahalle studieren, wie es kommt, dass so viele Rieu mögen – und gleichzeitig nachvollziehen, weshalb er manche Kritiker zur Weißglut treibt. Die rüschige Kulisse, die gefällige Titelauswahl und die betont kuschelige Moderation sind nun tatsächlich Punkte, die einen nicht von vorneherein für diese Veranstaltung einnehmen.

Andererseits hat Rieu hervorragende Musiker um sich versammelt (und sie ausgesprochen gut bezahlt, was in der Branche eher unüblich ist), und er ist ein hochprofessioneller Entertainer. Er steht hinter dem, was er macht, und man glaubt ihm, dass er sogar eine Art Mission damit verfolgt. Immerhin bringt er klassische Musik unter das Volk, das sonst vermutlich nicht furchtbar viel mit Johann Strauß & Co. am Hut hat.

Um die Massen dafür zu begeistern, greift Rieu natürlich auf die unwiderstehlichen Gassenhauer zurück, aber es gibt kein Gesetz, das einem verbietet, die unterhaltsameren Stücke des 19. Jahrhunderts aufzuführen. Operettenstücke und Walzer also, schmissig gespielt. Man muss das nicht großartig finden. Aber es gibt eigentlich keinen Grund, das schlecht zu machen.

Zoran Gojic

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