Andreas Baader – seine Münchner Jahre

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Andreas Baader lebte lange in München.

München am 21. Juni 1962. Auf der Leopoldstraße machen fünf junge Leute mit ihren Gitarren Musik. Es ist bereits 22.30 Uhr an diesem heißen Sommertag.

Tausende sind noch in Schwabing unterwegs, als ein Anwohner die Polizei ruft. Ruhestörung! Streifenwagen fahren vor. Die Situation eskaliert schnell. Immer mehr Polizei, darunter auch berittene Kräfte, marschiert auf. Es ist der Beginn der „Schwabinger Krawalle“, die fünf Nächte lang dauern sollen.

Radikal: Die besten Bilder aus dem Film "Der Baader Meinhof Komplex"

Radikal: Die besten Bilder aus dem Film "Der Baader Meinhof Komplex" © Constantin Film
Andreas Baader (Moritz Bleibtreu) vor seiner Verhaftung. © Constantin Film
Herb (Patrick von Blume), Gudrun Ensslin (Johanna Wokalek) und Ingrid (Anna Thalbach). © Constantin Film
"2. Juni 1967" vor der Deutschen Oper in Berlin. © Constantin Film
Kommunarde (Christian Näthe) während der Schah-Demo. © Constantin Film
Der Schah-Besuch in Berlin, 1967. © Constantin Film
Die Entführung des Hanns Martin Schleyer (Bernd Stegemann). © Constantin Film
Entführung von Hanns Martin Schleyer. Vorne Peter-Jürgen Book (Vinzenz Kiefer), auf dem Auto Willy Peter Stoll (Hannes Wegener). © Constantin Film
Ruth (Sandra Bergmann) bei der Schleyer-Entführung. © Constantin Film
Astrid (Katharina Wackernagel) in der Haftanstalt Köln-Ossendorf. © Constantin Film
Petra Schelm (Alexandra Maria Lara). © Constantin Film
Gudrun Ensslin (Johanna Wokalek) in Stammheim. © Constantin Film
Gudrun Ensslin (Johanna Wokalek) in Stammheim. © Constantin Film
Andreas Baader (Moritz Bleibtreu) in Stammheim. © Constantin Film
Gudrun Ensslin (Johanna Wokalek) und Horst Mahler (Simon Licht) im Palästinenser-Camp. © Constantin Film
Brigitte Mohnhaupt (Nadja Uhl) und Regisseur Uli Edel. © Constantin Film
Ulrike Meinhof (Martina Gedeck) mit ihrem Ehemann Klaus (Hans-Werner Meyer). © Constantin Film
Die Verhaftung des Holger Meins (Stipe Erceg). © Constantin Film
Andreas Baader (Moritz Bleibtreu) und Gudrun Ensslin (Johanna Wokalek). © Constantin Film
Studentenunruhen beim Schah-Besuch in Berlin, 1967. © Constantin Film
Im Gerichtssaal von Stammhein: Gudrun Ensslin (Johanna Wokalek) und Andreas Baader (Moritz Bleibtreu). © Constantin Film
Das Filmplakat. © Constantin Film

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401 Personen werden schließlich festgenommen, darunter auch der damals 19 Jahre alte Andreas Baader. Es ist das erste Mal, dass der gebürtige Münchner polizeilich in Erscheinung tritt. Und es ist das erste Mal, dass der spätere Gründer der RAF, der zeitweilige Staatsfeind Nummer eins im Gefängnis sitzt – wenn diesmal auch nur für zwölf Stunden.

Ein Jahr später zieht Andreas Baader nach West-Berlin. Seine kriminelle Karriere findet fernab seiner Münchner Heimat statt. Fernab einer Kindheit und Jugend, die zwiegespalten war, die so sehr zwischen Auflehnung und Gehorsam, zwischen Leben und Entbehrung verlief.

Andreas Baader wird am 6. Mai 1943 in München geboren. Mit seiner Mutter Anneliese lebt er zunächst in der Jutastraße in Neuhausen. Sein Vater bleibt im Krieg, der kleine Andreas wird von seiner Großmutter Hermine in Thüringen versorgt. Im Sommer 1949 holt Anneliese Baader ihren Sohn mitsamt ihrer Schwester und der Oma nach München zurück. Im Haus einer Malerin in der Schwabinger Herzogstraße finden sie eine bescheidene Bleibe.

Die Zeiten sind hart, die Hoffnungen in den Sohn groß. Doch der Bub, der an der Wilhelmschule eingeschult wird, findet auf Anhieb keine Freunde. Zu selbstverliebt, zu arrogant, zu verwöhnt tritt er Mitschülern und Lehrern gegenüber auf. Mal aggressiv, mal verschlossen. Ein Außenseiter, ein schwieriger Schüler. Schon in der Grundschule muss er eine Klasse wiederholen. „Wegen Vernachlässigung seiner Hausaufgaben und Schwierigkeiten mit den Lehrern“ bleibt er in der fünften Klasse erneut sitzen.

Was treibt Andreas Baader an, ständig Grenzen zu überschreiten? Was treibt ihn an, wenn er anlässlich eines Ausflugs auf dem Starnberger See in voller Montur ins Wasser springt und neben dem Boot mit der entsetzten Mama herschwimmt? Was will er erreichen, wenn er als Zwölfjähriger nicht zum Zahnarzt geht, sondern im Selbstversuch erproben will, wie viel Schmerz er erträgt?

Das angestrebte Abitur schafft Andreas Baader nicht. 1962, im Jahr der Schwabinger Krawalle, hat er viel Zeit. Er schaut unregelmäßig in Kunstschulen vorbei, spielt lieber im Schelling-Salon Tischfußball, besucht Lilos Leierkasten oder das Programmkino Occam und treibt sich in der Schwulenszene rum. Homosexuell ist Baader nicht, aber es gefällt ihm, dem hübschen, dunkelhaarigen Draufgänger mit den langen Wimpern, wenn er angehimmelt, wenn er begehrt wird.

Baader jobbt als Nachtschaffner auf der Strecke München–Berlin. Eine Tätigkeit, die ihm peinlich ist, über die er nie redet. Dafür zieht ihn Berlin an. Im Juni 1963 zieht er mit seinem Cousin Peter in die geteilte Stadt.

Nach München wird er in der Folge immer wieder zurückkommen. So berichtet der Biograf Klaus Stern (Andreas Baader – Das Leben eines Staatsfeindes, dtv, 15 Euro) von ausgedehnten „Mutter-Besuchen“ 1967 und einem Abstecher nach Bogenhausen zu Filmemacher Klaus Lemke zwei Jahre später. Der hat im Film Brandstifter Baaders Anschläge auf Frankfurter Kaufhäuser verarbeitet. Nun will der dafür Honorar, ritzt mit einem Messer Hammer und Sichel in den Putz. Lemke lehnt ab.

In der Nacht zum 19. Oktober 1977 begehtt Andreas Baader in Stuttgart-Stammheim Selbstmord.

Quelle: tz

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