Münchnerin muss für 40 Meter zahlen

Anfahrts-Irrsinn! Der Elektriker bekommt recht

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Die Steinstraße in Haidhausen: Der rote Pfeil markiert die 40 Meter, die der Elektriker bis zur Wohnung seiner Kundin zurücklegen musste. Er stellte dafür 41,65 Euro Anfahrtskosten in Rechnung. Jetzt entschied das Gericht: Der Handwerker hat ein Recht darauf

München - Mehr als 40 Euro Anfahrtskosten für einen Weg von 40 Metern – über diese Handwerker-Rechnung hatte sich eine Münchnerin so geärgert, dass sie es auf eine Klage ankommen ließ. Jetzt hat das Amtsgericht entschieden:

Die Kundin muss zahlen. Anfahrtspauschalen seien auch bei kurzen Wegen üblich – und müssen nicht explizit vereinbart werden.

Der Streit zwischen Kundin Elke Frenzel und dem Elektriker-Betrieb „ACE Schneider“ begann im November. Frenzel lebt an der Haidhauser Steinstraße, das Büro des Elektrikers liegt schräg gegenüber. Die 34-Jährige ließ Steckdosen und einen Lichtschalter montieren, ein Routineauftrag für die Experten. Nach getaner Arbeit unterschrieb Frenzel einen Auftragszettel, auf dem auch ein Kasten mit der Überschrift „An- und Abfahrtspauschale“ abgedruckt ist, allerdings ohne eine konkrete Summe. Diesen Hinweis will Frenzel aber nicht gesehen haben – und betonte, dass sie niemand auf etwaige Kosten hingewiesen hätte. „Sie wurde sogar zwei Mal darauf hingewiesen“, sagt dagegen Waldemar Schneider, Inhaber des Elektriker-Betriebs, gegenüber dem Münchner Merkur. Egal, welche Version stimmt – ein mündlicher Hinweis sei ohnehin gar nicht nötig, entschied nun das Gericht. Da beide Parteien keine konkrete Vereinbarung getroffen haben, was die Kosten angeht, gelte die „ortsübliche Vergütung“ – in diesem Fall 35 Euro netto.

Elektriker Schneider begründet die Pauschale mit den Rüstkosten: „Wir müssen immer einen Wagen mit Werkzeug bereit halten, allein die Erstausstattung kostet 15 000 Euro.“ Frenzel hat dafür kein Verständnis: „Ich finde, das ist ein Haufen Geld für diese Strecke“, sagt sie. Statt der ursprünglichen Summe von 41,65 Euro muss Frenzel nun zusätzlich 25 Euro Mahnkosten, 39 Euro Anwaltskosten und die Gerichtskosten tragen.

Ann-Kathrin Gerke

Zwei ähnliche Fälle:

Henriettes Horror-Rechnung

Da war der Handwerker beim Rechnung-Schreiben fleißiger als beim Arbeiten… Als die Spülmaschine von Henriette Pollich (70) aus Perlach nur noch mit kaltem Wasser abwusch, holte die Dame den Kundendienst – und konnte dann nur noch den Kopf schütteln. Drei Minuten lang drehte der Mann am Wasserzulauf rum, damit sah er seine Arbeit als beendet an. Er verzichtete darauf, zu prüfen, ob das Gerät wieder sauber spült. Seine Forderung: 111 Euro für eine Kleinreparatur bis 25 Minuten. Und: „Seien Sie doch froh, dass ich nicht 30 Minuten notiert habe. Dann wäre es noch mehr geworden.“

Übrigens: Die Maschine funktionierte nicht. Mittlerweile hat sich Henriette Pollich einen neuen Geschirrspüler gekauft – bei einer anderen Firma. Die 111 Euro für den Kundendienst hatte sie aber bezahlt, weil sie so überrumpelt war.

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Über 400 Euro für Schlüsseldienst

„Mist, die Tür!“ Das war der erste Gedanke, den Daniel Flink (22) aus dem Landkreis Erding hatte, als er vor seiner Wohnung stand. Die Tür zu, der Schlüssel drinnen. 23 Uhr, der Hausmeister ging nicht ans Telefon. Zum Glück fand Daniel per iPad einen Schlüsseldienst, bloß fünf Kilometer entfernt. Wobei: So groß war das Glück dann doch nicht. Eineinhalb Stunden warten, dann kam der Schlüsseldienst – allerdings nicht der, den er bestellt hatte. Der Handwerker hatte die Tür sofort auf – und dann ging’s sofort ums Geld. Satte 414,12 Euro wollte der Mann von Daniel. Flink bezahlte die Wahnsinnsrechnung per EC-Karte mit PIN. Das hat auch zur Folge, dass die Bank das Geld nicht mehr zurückbuchen konnte. Wenn er nicht bezahlt hätte? Daniel: „Dann, so sagte es der Mann vom Schlüsseldienst, hätte er die Tür sofort wieder zugemacht.“

If

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