Angeklagte wegen Holocaust-Leugnung vor Gericht

München  ­ Eine 81-Jährige und ihr 91 Jahre alter Bekannter haben zwar gestanden, eine den Holocaust leugnende Schrift verfasst und an Schulklassen verteilt haben. Aber:

Die Frau aus Nordrhein-Westfalen bestritt am Montag vor dem Landgericht in München den Vorwurf der Volksverhetzung: “Ich kann nicht etwas leugnen, was ich gar nicht kenne“, sagte die 81-Jährige. Seit Montag müssen sich die beiden Angeklagten wegen Volksverhetzung und Beihilfe zur Volksverhetzung vor dem Landgericht München verantworten. Die ehemalige Vorsitzende des verbotenen Vereins “Collegium Humanum“ gab zu, die Broschüre “Amalia Hinterwäldlerin vor Gericht“ verfasst zu haben. Laut Anklage spricht die Protagonistin der 76 Seiten starken Schrift “durchgängig den Holocaust verharmlosende, antisemitische Äußerungen“ gegenüber einem fiktiven Gesprächspartner aus.

So sagt sie: “Den Holocaust gibt es gar nicht. Das ist so etwas wie der Weihnachtsmann oder der Osterhase für Erwachsene.“ Vor Gericht berief sich die Frau auf das Grundrecht der Kunstfreiheit. Sie sei keine Gaskammer-Expertin. Auf Historiker, die “objektiv“ die Zeitgeschichte aufarbeiten wollten, werde “Jagd gemacht“, sagte sie. Ihrer Darstellung zufolge hatte sie die einzelnen Kapitel der Schrift “immer dem Staatsschutz übergeben“. Der zuständige Beamte habe diese nie beanstandet. Die Verteidigung beantragte daher die Vernehmung des bisher nicht geladenen Beamten. Der 91 Jahre alte Mitangeklagte aus dem Landkreis München soll das Heft unter seinem Namen verlegt haben. Zum Prozessbeginn gab er zu, seinen Namen für die Broschüre zur Verfügung gestellt zu haben. Eine ebenfalls wegen Volksverhetzung angeklagte 66-Jährige soll zudem ihre Buchhandlung zur Verfügung gestellt und die Schrift an 33 Schulen in Bayern und Baden-Württemberg verteilt haben. Weil sie krank ist, wird ihr Fall in einem gesonderten Verfahren verhandelt.

Der Prozess gegen die beiden Angeklagten ist zunächst auf zwei Tage angesetzt. Die 81-Jährige muss sich zudem vom 8. Oktober an wegen Beleidigung in zweiter Instanz vor dem Landgericht Bielefeld verantworten. Die Angeklagte soll an die Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, unter anderem geschrieben haben, sie solle sich nicht in “innerdeutsche Angelegenheiten“ einmischen und in ihr “Ursprungsland nach Innerasien“ gehen

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