Die Staatsanwältin nannte er "Hure"

Nach Urteil: Angeklagter bespuckt Richter

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In der JVA Stadelheim hat Thomas P. eine Matratze abgefackelt.

München - Er beschimpfte die Staatsanwältin als "Hure" und spuckte den Richter an: Ein Angeklagter ist am Dienstag nach dem Urteil völlig ausgeflippt.

Irgendetwas wurmt den Angeklagten Thomas P. (22, Name geändert) gewaltig. Rastlos rutscht er auf dem Stuhl hin und her, das Gesicht zuckt, im einen Moment lacht er, im nächsten blickt er finster in die Runde. Thomas P. ist auf 180. Dabei hat er die Staatsanwältin da noch gar nicht als „Hure“ beschimpft. Und Richter Sebastian Schmitt noch gar nicht angespuckt. Das kommt noch.

Die Anklage: Thomas P. soll in Stadelheim, wo er wegen Körperverletzung einsaß, eine Matratze abgefackelt haben. Den Juli 2014 verbringt er auf der Krankenstation, Durchfall. Er will weg von da, aber man lässt ihn nicht. Sein Plan: Matratze anzünden, Station verlassen. Der Plan geht auf. Ein Wärter allerdings holt sich beim Löschen eine Rauchgasvergiftung – darum sitzt Thomas P. jetzt wieder auf der Anklagebank. Der Vorwurf: gefährliche Körperverletzung.

Schon als Thomas P. den Sitzungssaal betritt, pöbelt er in Richtung eines Fotografen: „Dem hau’ ich gleich aufs Maul!“ Er sagt das auf Ungarisch, die zierliche Dolmetscherin übersetzt pflichtbewusst. Thomas P., kurzgeschorenes schwarzes Haar, kantiges Gesicht, will zur Sache nichts sagen. Er habe schon alles erzählt, hundertmal, brüllt er. Ein Sachverständiger attestiert ihm eine emotional-instabile Persönlichkeitsstörung. Auch dem Wärter, der als Zeuge auftritt, geigt Thomas P. die Meinung, diesmal erstaunlicher Weise ohne laut zu werden. Mit dem rechten Daumen fährt er sich über die Kehle. Botschaft: Dich mach ich kalt. Als die Staatsanwältin ihr Plädoyer verliest, flippt P. aus. „Kurva“ (auf Deutsch: Hure) schmettert er ihr entgegen. Diesmal schweigt die Übersetzerin.

Dann der finale Akt. Richter Schmitt verkündet das Urteil: acht Monate Knast! P. setzt sich. Dann spuckt er dem Richter ins Gesicht. Im Sitzen, aus zwei Metern Entfernung! Der Richter stellt noch im Saal Strafantrag und drückt ihn der Staatsanwältin gleich in die Hand. Anspucken ist eine tätliche Beleidigung. Thomas P. wird bald wieder hier sitzen.

tos

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