Bizarrer Auftritt vor Gericht

Angeklagter will auf dem Scheiterhaufen sterben

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Alexander H. spricht nicht vor Gericht

München - "Als Strafe fordere ich meine öffentliche Verbrennung auf dem Scheiterhaufen in der Tradition der Heiligen Inquisition" - diesen Satz ließ ein Angeklagter in München vor Gericht verlesen.

„Als Strafe fordere ich meine öffentliche Verbrennung auf dem Scheiterhaufen in der Tradition der Heiligen Inquisition!“ Als Richter Manfred Sehlke diesen Satz verliest, stockt er. Er blickt zum Angeklagten Alexander H. (23), der den unfassbaren Satz handschriftlich verfasst hat.

Dieser sitzt regungslos mit geschlossenen Augen da. Reden will der junge Mann mit den feinen Gesichtszügen nicht. Er ist vor Gericht so still wie in Stadelheim, wo er noch nie ein Wort mit einem Gefängnis-Bediensteten gewechselt hat.

Wer ist dieser seltsame Angeklagte, dem die Staatsanwaltschaft Handel mit Drogen und Diebstahl vorwirft? 2008 macht er in Trostberg sein Abitur. In München studiert er Elektrotechnik, doch nach zwei Semestern wirft er alles hin. Den Kontakt zu einen Eltern bricht er ab, „weil sie sich nicht für seine Welt interessieren“.

Die Welt des Alexander H. dreht sich um Drogen. In einer gemeinsamen Wohnung mit einem Freund baut er Cannabis an. Als die Polizei im April 2012 bei ihm aufkreuzt, finden sie 64 Hanfpflanzen, deren Wirkstoffgehalt jedoch sehr gering ist. Dazu kommen Psycho-Drogen wie LSD und Psilocybin-Pilze.

Er wird verhaftet und wegen Handels mit Betäubungsmitteln zu zwei Jahren Knast verurteilt. Wegen Diebstahls kriegt er weitere 22 Monate – auch ohne Bewährung. Die Staatsanwaltschaft geht in Berufung. Jetzt steht der seltsame Angeklagte, der auf sein T-Shirt „Rape Me“ (vergewaltige mich) geschrieben hat, vor dem Landgericht. Glaubt er, nicht von dieser Welt zu sein? Er schreibt: „Ich war vorher keiner von Euch – ich bin weiter keiner von Euch.“

Sein Anwalt Nicolas Frühsorger zur tz: „Mein Mandant leidet unter einer schweren Schizophrenie. Bisher ist er leider nicht bereit, sich behandeln zu lassen."

E. Unfried

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