Keine Spur von den Schlägern

Angriff auf Taxler: Die Kollegen sind in Sorge

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Helmut Aman (72) glaubt, dass es jeden treffen kann.

München - Zwei Tage nach dem Mordversuch an einem Taxifahrer in Schwabing gab die Polizei am Montag weitere Details bekannt. Die Kollegen sind in Sorge.

Demnach nahm der 61-jährige Taxifahrer in der Nacht zu Sonntag ziemlich genau um 3 Uhr an der Kreuzung Odeonsplatz/Galeriestraße die beiden gesuchten, etwa 20 bis 30 Jahre alten Männer auf. Die tz hat mit Taxlern gesprochen. Und diese reden über die Angst, die seit der brutalen Tat bei ihnen mitfährt – vor allem nachts.

Denn von den Tätern fehlt noch immer jede Spur. Die beiden waren dunkel gekleidet, wirkten sportlich, haben dunkle Haare und sprachen gut deutsch mit ausländischem Akzent. Wohin die Fahrt gehen sollte, ist nicht bekannt. Nach 2,8 Kilometern stoppte der Taxler seinen Wagen vor dem Haus Leopoldstraße 126 (kurz vor der Potsdamer Straße) am Fahrbahnrand. Alle drei Männer stiegen aus. Offenbar gab es einen heftigen Disput. Unbeteiligte Zeugen sahen, wie der Taxifahrer plötzlich von einem der Männer – er hatte an den Seiten abrasierte und geschorene Haare – herumgeschubst und mit einem kräftigen Faustschlag zu Boden gestreckt wurde. Noch bevor sich der 61-Jährige aufrappeln konnte, trat der Schläger mehrmals mit voller Wucht gegen den Kopf des wehrlosen Mannes. Er verlor das Bewusstsein und wurde mit lebensgefährlichen Verletzungen in eine Klinik eingeliefert. Auch am Montag schwebte er noch in akuter Lebensgefahr. Die Männer flohen. Die Geldbörsen des Taxlers blieben unberührt, sodass eine Raubabsicht als Motiv offenbar ausscheidet.

Bisher meldeten sich fünf Zeugen

Am Odeonsplatz befinden sich angesagte Bars, in denen sich die Männer vorher aufgehalten haben könnten. Die Mordkommission ermittelt auch dort und erhofft sich weitere Hinweise auf die Täter (Tel. 2910-0) von der Kriminaltechnik. Bisher meldeten sich fünf Zeugen.

Nur zehn Minuten vor dem brutalen Mordversuch fand ein Radfahrer um 2.50 Uhr im Englischen Garten am Schwabinger Bach Höhe Giselastraße) einen hilflosen Studenten, der ebenfalls von zwei Männern niedergeschlagen worden war. Dass diese beiden Fälle zusammengehören ist eher unwahrscheinlich, wird aber geprüft. Der Student war von zwei ebenfalls hochaggressiven Männern angesprochen worden. Sie wollten den jungen Mann offensichtlich provozieren und fragten ihn, warum er so lache. Zu einer Antwort kam er gar nicht mehr. Von mehreren harten Schlägen getroffen, ging der Student zu Boden und wurde offenbar auch gegen den Kopf getreten. Er verlor das Bewusstsein und kam erst langsam wieder zu sich, nachdem sich der Radfahrer um ihn kümmerte und die Polizei rief. Er hatte mehr Glück als der Taxler. Er durfte die Klinik nach ambulanter Behandlung um 4.30 Uhr verlassen.

Nachts habe ich Angst

Wer in der Nacht Taxi fährt, hat immer Angst. Wer etwas anderes

Ziwa Kyeyune (55)

behauptet, lügt. Nachts sind oft Alkohol und Drogen im Spiel, das macht die Menschen aggressiv, setzt die Hemmschwelle herab. Man kennt die Leute nicht, die da hinter einem Platz nehmen. Aber was sollen wir machen? Waffen bei uns tragen? Das ist verboten. Manche haben Pfefferspray dabei. Ich verlasse mich lieber auf meine Menschenkenntnis und rede mit den Leuten. 

Kann jeden treffen

Helmut Aman: Wer nachts fährt, wird immer von einem mulmigen Gefühl begleitet. Angst ist vielleicht das falsche Wort. Ich bin seit über 40 Jahren dabei, da legt man sich irgendwann ein sehr dickes Fell zu. Aber klar: Wenn man solche Horror-Geschichten hört, redet man mit den Kollegen drüber. Treffen kann es jeden von uns! Das muss man immer im Hinterkopf haben. Auch ich hatte schon einige Probleme mit Fahrgästen: Der eine klaut dir was, der andere beschimpft dich. 

Mit Risiko leben

Alexander Bojarsky (59)

Solche traurigen Geschichten kommen immer wieder vor – leider. Seit 30 Jahren fahre ich Taxi, alle paar Jahre wird wieder einer von uns verprügelt. Man muss als Taxler eben mit einem gewissen Risiko leben. Ich meine, was soll man denn sonst machen? Nicht jeden mitnehmen? Man sieht den Leuten ja leider nicht an der Nasenspitze an, ob sie einen gleich angreifen. Es bringt nichts, sich jetzt mehr Sorgen zu machen als davor.

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