Groß-Razzia in Shisha-Bar "Lounge 62"

Angst vor Bandenkrieg in München

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Erkennungszeichen der Straßengang ist die schwarze Lederweste (Foto oben), die in der Regel auf der Rückseite den Kopf einer Bulldogge zeigt. Das Polizeifoto, das nach einem früheren Einsatz gegen die Gang in einer anderen Stadt entstand, zeigt, warum die Schwarz-Jacken als gefährlich eingestuft werden.

München - Seit Mitte des Jahres versucht die Straßengang „Black Jackets“ in München Fuß zu fassen. Die Polizei hat jetzt mit einer Razzia dazwischengeschlagen. Sie befürchtet einen Bandenkrieg mit den „Hells Angels“.

Es ist kurz nach 21 Uhr am Donnerstag, als die Türen auffliegen. Polizisten in Schutzanzügen stürmen in die Shisha-Bar „Lounge 62“ an der Lindwurmstraße. Insgesamt sind an die 60 Beamte bei dem Einsatz am späten Donnerstagabend beteiligt. Deren Ziel sind Mitglieder der Straßengang „Black Jackets“.

Am Tag danach erklärt Andreas Gollwitzer, Leiter des Kommissariats gegen Organisiertes Verbrechen, dass die Gang einen Überfall auf Türsteher einer Disco im Osten der Stadt, nahe der Kultfabrik, geplant haben soll. „Wir hatten Hinweise, dass sich in dieser Nacht eine gewalttätige Attacke anbahnt“, sagte Gollwitzer. Darum wurde die Shisha-Bar, in der sich die überwiegend türkischstämmigen „Black Jackets“ in München regelmäßig treffen, observiert. Und in der Tat versammelten sich dort am Donnerstag immer mehr Mitglieder. Als die Polizei stürmte, waren laut Gollwitzer neben einer Bedienung 16 Männer in der Bar - allesamt „Black Jackets“. Zwei von ihnen versuchten, Widerstand zu leisten, gaben dies jedoch schnell auf.

Im nahe geparkten Porsche des Präsidenten der Münchner „Black Jackets“, einem 24 Jahre alten Türken, fanden die Beamten einen Baseballschläger und 20 Ampullen, in denen vermutlich Anabolika war. Die Analyse hierzu war am Freitag noch nicht abgeschlossen. Bei den anderen Männern wurde nichts Verbotenes sichergestellt.

Die Polizei nahm alle Personalien auf, wobei die überwiegende Zahl der Männer ohnehin schon bekannt war - viele von ihnen wegen Gewalttaten. Anschließend wurde dem Anführer erklärt, dass die Polizei von dem geplanten Angriff auf die Disco wisse, sich die Gang dort fernhalten solle und auch künftige Attacken strikt unterbunden würden. Gegen 23.10 Uhr verließ die Polizei die Bar wieder.

Nachdem der Münchner Polizei Ende Juni erstmals „Black Jackets“ aufgefallen waren, behält sie die Gang im Auge. An die 50 Mitglieder und Sympathisanten habe der Verbund aktuell - alles Männer im Alter zwischen 18 und 35 Jahren - von denen gut 20 namentlich bekannt sind, wie Gollwitzer sagt. „Wir haben Hinweise, dass die Gang versucht, in die Türsteher-Szene zu drängen und auch im Drogengeschäft tätig ist.“ Die geplante Attacke auf die Disco hätte konkret gegen die dortigen Türsteher gehen sollen. Diese stehen offenbar der verfeindeten Rockergruppe „Hells Angels“ nahe, hieß es. Auch diese wurden am Donnerstagabend noch von der Polizei belehrt. Bislang sei es zu keinen offenen Auseinandersetzungen zwischen den Gruppen gekommen, sagt Gollwitzer.

Die „Black Jackets“ gründeten sich 1985 in Baden-Württemberg. Sie haben schon lange Ableger in anderen Städten - in München erst seit diesem Jahr. Die Straßengang, die keine Motorräder fährt, ist den Rockern nicht unähnlich: Sie schotten sich ab, haben eine strenge Hierarchie - und sprechen in der Regel nicht mit der Polizei. In München gibt es Ableger der Rockergruppierungen Bandidos, Hells Angels, Gremium und Trust. Bis auf gelegentliche Scharmützel ist die Szene hier bislang kaum auffällig Ob die neue Gang das ändert, bleibt abzuwarten.

sr

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