Sprengmeister klagt vor Gericht

Angst vor Überfall: Krater-Edi will einen Waffenschein

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Da geht’s lang! Edi Reisch ist einer der bekanntesten Sprengmeister.

München - Seit über 30 Jahren jagt Eduard Reisch (54) Gebäude in die Luft und gilt als einer der erfahrensten Sprengmeister des Landes. Jetzt droht der Krater-Edi ausnahmsweise mal selbst zu explodieren – vor Wut!

In Giesing hat er 2008 das Agfa-Gebäude gesprengt. Vor anderthalb Jahren brachte der Apfeldorfer den Frankfurter Uni-Turm zu Fall – mit 166 Metern und 40 Stockwerken das höchste Gebäude, das bis dahin in Europa gesprengt wurde.

Jetzt ist Eduard Reisch (54) sauer. Grund: Das Landratsamt Landsberg hat ihm keinen Waffenschein gewährt. „Den brauche ich aber, um mich selbst verteidigen zu können, wenn ich zum Munitionslager fahre“, sagt er – und klagt am Mittwoch vorm Münchner Verwaltungsgericht. Sportschütze ist der Krater-Edi bereits. „Ich habe eine 9-Millimeter-Pistole der Marke Heckler & Koch. Die tragen auch Polizisten im Dienst.“ Die Waffe darf Edi aber nur auf dem Übungsgelände eines Schützenvereins benutzen. Außerhalb muss er Waffe und Munition getrennt aufbewahren – solange er keinen Waffenschein hat. Ein Problem für den Sprengmeister! Denn: „Ich bin durch meine Sprengungen sehr bekannt und habe Angst, überfallen zu werden. Wenn ich zum Munitionslager fahre, bin ich alleine und könnte mich nicht wehren.“

Acht Lager hat der Sprengmeister in ganz Bayern. Wo, ist streng geheim. Denn darin lagert hochexplosive und sehr teure Munition – etwa Schneidladungen, mit denen sich Metall spalten lässt. Mit 950 Kilo Sprengstoff zerlegte Krater-Edi den Frankfurter Uni-Turm. Der Preis dafür geht in die Millionen. „Auch die Pläne für solche Manöver sind im Lager. Die dürfen niemals in die falschen Hände geraten.“

Einen Sicherheitsdienst will der Sprengmeister nicht extra engagieren, um sich und die Munitionslager zu schützen. „Das ist zu teuer und zu aufwändig“, erläutert Krater-Edi. „Das Personal bräuchte spezielle Einweisungen und Scheine für Gefahrgut-Transporte.“

Deshalb will sich Edi lieber selbst bewaffnen. Mit Munition kennt er sich schließlich bestens aus. „Mir geht’s um das Prinzip“, sagt er. „Ich hoffe, die Richter sehen das ein.“ Sonst könnte ihnen ein Feuerwerk drohen…

Seine Spreng-Manöver

Gebäude, Brücken, Kamine: Edi Reisch hat weltweit Bauwerke zerlegt – wie auch das Elefantenhaus in Hellabrunn.

Aber er hat sich auch schon versprengt! In Hamburg sterben im Jahr 2000 zwei Kollegen, als Edi ein Heizkraftwerk sprengt. Er flüchtet, wird aber wird wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Seinen Spitznamen hat er seit 1995: Da sprengte er in Andechs ein Loch, in dem ein Teich entstehen soll. Ein Polizist erzählte, ein Meteorit sei eingeschlagen. Aus der ganzen Welt reisen Experten an – bis Edi alle aufklärt…

Andreas Thieme

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