Dramatischer Flüchtlings-Einsatz auf Lesbos

Annik Wecker: Der Engel von der Elends-Insel

+
Annik Wecker half: Täglich erreichen Tausende Flüchtlinge die griechische Insel Lesbos. Dort erwarten sie katastrophale Zustände.

München - Annik Wecker, die Ex-Frau von Liedermacher Konstantin, schildert in der tz ihre Erlebnisse auf der griechischen Insel Lesbos, wo sie ankommenden Flüchtlingen geholfen hat.

Klatschnass, durchgefroren, mit Quetschungen an Armen und Beinen, so kommen die Flüchtlinge auf der Insel Lesbos an. „Viele weinen bei der Ankunft“, berichtet Annik Wecker, „vor Erschöpfung, vor Erleichterung.“ Sie haben überlebt, andere sind gekentert und kamen im Wasser ums Leben, so wie eine Frau und zwei Kleinkinder am gestrigen Sonntag östlich der Ägäisinsel. Annik, die Ex-Frau von Liedermacher Konstantin Wecker, und ihr 16-jähriger Sohn Tamino waren in der vergangenen Woche als freiwillige Helfer auf Lesbos, der drittgrößten Insel Griechenlands. Täglich kamen dort, allein an dem kleinen Strandabschnitt bei Molivos, wo Annik geholfen hat, zehn bis 20 Boote an, erzählt die 42-Jährige der tz. Es regnete teilweise in Strömen und viele haben keine trockene Faser mehr am Leib. „Ich habe einige Babys und Kinder umgezogen, die waren schon ganz blau vor Kälte. Die Erwachsenen bekommen nur nachts trockene Kleidung. Ich fand es unerträglich, es ihnen sagen zu müssen.“

Pro Person zahlen die Flüchtlinge zwischen 1000 und 2500 Euro für die Überfahrt auf dem Schlauchboot. „Für zehn Euro kann man von Lesbos einen Tagestrip in die Türkei buchen - das ist doch verrückt!“ Am schlimmsten sei die Situation vor dem Registrierzentrum beim Dorf Moria, sagt Annik: „Tagelang müssen die Menschen da vor dem Gelände ausharren, stehen Schlange in Regen und Schlamm. Sie können es aber nicht verlassen, sonst müssen sie sich ja erneut anstellen. Durch den Stacheldraht ähnelt es Gefängnissen.“

Eingepfercht in langen Schlangen harren die Menschen vor der Registrierung aus.

Es gibt keine internationalen Hilfsorganisationen, nur Nichtregierungsorganisationen und Privatpersonen helfen. „Glücklicherweise gibt es so tolle Menschen dort, wie Judith und Joshua aus der Schweiz, die so lange helfen wollen, wie ihr Geld reicht. Maria, die Hotelbesitzerin vor Ort, lässt die Helfer für zehn Euro im Hotel schlafen. Zwei junge Mädchen aus Frankreich, die gerade die Schule beendet haben, sind seit zwei Wochen da und wollen länger bleiben, um etwas für die Flüchtlinge zu tun.“ An einer kleinen Station werden Marmeladenbrote, Kekse und Wasser verteilt: „Für mehr ist kein Geld da. Die Griechen haben ja selbst nichts. Nur manchmal kocht Mike aus Malaysia eine Suppe.“

Annik hatte während ihres Aufenthalts auf Lesbos 2000 Euro von ihrer Familie und Freunden aus Deutschland organisiert. „So müssen wenigstens die paar Helfer, die gerne weiterhin bleiben wollen, nicht alles auf eigene Kosten finanzieren.“

Auch Konstantin hilft

Annik, Autorin und Café-Besitzerin, und Liedermacher Konstantin Wecker setzen sich sehr für Flüchtlinge ein. Die Eltern von zwei Söhnen sind seit 2013 getrennt, aber gute Freunde. Konstantin, zurzeit auf Tournee, appelliert auf der Bühne mit einem Gedicht an die Menschlichkeit - und gegen Rechts. Ein Auszug: „Denkt mit dem Herzen. Würdet Ihr nicht auch versuchen, im äußersten Elend, die kräftigsten eurer Familie auf die Reise zu schicken …“

auch interessant

Meistgelesen

So soll der Express zum Flughafen doch vor 2037 gelingen
So soll der Express zum Flughafen doch vor 2037 gelingen
Das Sex-Rätsel um den Top-Manager
Das Sex-Rätsel um den Top-Manager
Kosten in Millionenhöhe: Jugendamt pfuscht bei Verträgen
Kosten in Millionenhöhe: Jugendamt pfuscht bei Verträgen

Kommentare