Plötzlich gingen alle Lichter aus

Anschlag aufs Stromnetz? Alle Hintergründe zum Stromausfall in München - Betroffene berichten

Der Brand, möglicherweise ein Anschlag, der den Stromausfall in München auslöste.
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Brandherd oder sogar Tatort? Ein lauter Knall macht den Anfang. Das gegrabene Loch ist mit Bauzäunen abgesperrt. Die Polizei ermittelt.

Ein Kabelbrand legte in der Nacht zu Freitag im Münchner Osten den Strom lahm. Rund 20.000 Haushalte in Haidhausen, Ramersdorf und Berg am Laim waren betroffen. Es könnte sich um einen Anschlag handeln.

Nach dem großen Stromausfall in München* ermittelt die Polizei* nun wegen Brandstiftung. „Jetzt haben wir erste Erkenntnisse, die diesen Verdacht einer Brandstiftung nahelegen“, sagte Polizeisprecher Andreas Franken. Ein Sprecher der Feuerwehr* schildert die Situation wie folgt: „Die Stromleitung war offengelegt und mit einem Bauzaun gesichert.“ Ihm zufolge hatten mehrere Passanten erst ein Knistern und dann einen Knall gehört. Das war gegen 3.50 Uhr früh. Als die Feuerwehr eintraf, loderten bereits Flammen aus der Grube.

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Stromausfall in München: Polizei ermittelt wegen Brandstiftung

Freitagvormittag ermittelten Brandfahnder der Polizei an der Einsatzstelle in Berg am Laim* nahe dem Ostbahnhof* – und hielten nach Brandbeschleunigern Ausschau. Die Umstände des Kabelbrandes erinnern an frühere Anschläge auf Mobilfunkmasten – bei denen es sich eindeutig um Brandstiftung gehandelt hatte. Nähere Einzelheiten wollte Franken aber zunächst nicht nennen: „Wir können zum jetzigen Zeitpunkt keine Angaben machen, ob es Zusammenhänge mit anderen Delikten gibt.“ Auch eine politische Dimension blieb damit zunächst unklar. Die Polizei sucht Zeugen: 089/29100.

Chaos in ganz München nach Stromausfall: Ampeln fallen aus, Tram fährt nicht mehr

Der Brand der Stromtrasse gestern hat ein riesiges Chaos angerichtet. Ampeln fielen aus, Trambahnen fuhren nicht, die Menschen konnten nicht arbeiten, geschweige denn auch nur das Licht anschalten. „In meiner Gegend ist alles lahmgelegt“, berichtet etwa Sebastian Wagner (36). Der IT-ler wohnt am Josef-Ritz-Weg (Berg am Laim). Weil er im Homeoffice auf Internet angewiesen ist, blieb ihm am Freitag nichts anderes übrig, als abzuwarten. „Ein Glück, dass ich an diesem Tag keine wichtigen Termine habe!“ Vier Stunden nach dem nächtlichen Stromausfall hingen nach Angaben der Stadtwerke die ersten Haushalte wieder am Netz. Gegen Freitagmittag war etwa ein Drittel der Wohnungen wieder versorgt.

Auch die Ampeln fielen an vielen wichtigen Kreuzungen in München aus, hier: Wasserburger Landstraße Ecke Leuchtenbergsring.

Stromausfall nach Brand in München: 50 Mitarbeiter der SWM arbeiten an Reparaturen

Viele Bewohner müssen aber länger darauf warten, wieder ans Netz angeschlossen zu werden. „Die SWM werden die ganze Nacht hindurch an der Behebung der Schäden weiterarbeiten und sind zuversichtlich, die vollständige Versorgung spätestens morgen im Laufe des Samstagvormittags wiederhergestellt zu haben“, teilten die Stadtwerke am Freitagabend mit. Insgesamt 50 Mitarbeiter der SWM waren im Einsatz, der Schaden beträchtlich. Durch den Brand wurden rund 50 Stromkabel der Mittelspannung vollkommen zerstört. Etwa 150 Trafostationen fielen in der Folge dadurch aus.

Stromausfall in München: Auch Handynetz betroffen

Nicht nur der Strom war am Freitag im Münchner Osten weg, zum Teil gab’s auch Probleme im Handynetz. Nahe des Ostbahnhofs machte wegen des Stromausfalls eine Vodafone-Betriebsstelle schlapp. Fernsehen, Internet und Handy: Nichts ging mehr. „Wir werden die Betriebsstelle an ein Notstromaggregat anschließen“, teilte ein Vodafone-Sprecher gegen Mittag mit.

Stromausfall in München: Tram steht still

Und auch im Tram-Betriebshof an der Einsteinstraße herrschte morgens Stillstand. Erst ab 6.45 Uhr floss der Strom wieder und die Trams konnten nach und nach ausrücken. Auch fast 20 Ampelanlagen fielen aus. Zum Teil regelte die Polizei den Verkehr vor Ort mit Trillerpfeifen.

Der MVG-Straßenbahnbetriebshof in der Einsteinstraße: Auch hier steht nach dem Stromausfall in München alles still.

Stromausfall in München: Ältere Münchner besonders hart betroffen

Besonders hart getroffen hat der Stromausfall ältere Menschen wie Wolfgang Knoke (81) aus Berg am Laim. „Ich kann mich nicht mal in meinen elektrischen Sessel legen, weil ich Angst habe, nicht mehr hinauszukommen“, klagt er am Freitagmittag. Auch die Haustechnik war ausgefallen. „Als mein Essen auf Rädern kam, konnte die Dame weder klingeln noch konnte ich den Türknopf betätigen!“ Zum Glück war Knokes Handyakku noch voll genug, dass er seinen Sohn anrufen konnte, der ihn dann nachmittags bei ihm vorbeischaute. *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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