Hans Müller trägt seinen Sohn zu Grabe

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Familie und Freunde nahmen Abschied von Hansi Müller. Für Vater Hans (Mitte) war es ein schwerer Gang

München - Hans Müller (81), dessen ehemaliges Bäckerei-Imperium jetzt pleite ist, hat am Freitag seinen Sohn Hansi (45) zu Grabe getragen. Es war der schwerste Gagng seines Lebens.

Geliebt und unvergessen! So steht es auf der schlichten Trauerkarte. Die Vorderseite zeigt den verstorbenen Hansi Müller, Bäcker und Diplomkaufmann. Er ist der Sohn von Hans Müller (81), dessen ehemaliges Bäckerei-Imperium jetzt pleite ist. Hansi Müller wurde nur 45 Jahre alt. Ein großes Foto, das ihn zeigt, stand bei der Beerdigung am Freitag in der Aussegnungshalle am Ostfriedhof neben seinem Sarg.

Dieser Sarg: Er ist mit weißen Rosen geschmückt. Die kalte Halle ist bis auf den letzten Platz gefüllt – und als „Let it be“ von den Beatles erklingt, läuft der großen Trauergemeinde ein kalter Schauer über den Rücken.

Der verstorbene Hansi Müller

Anselm Bilgri, ehemaliger Prior des Klosters Andechs tritt vor den Sarg und wendet sich an Hansis Familie, Freunde und Weggefährten. Er beschreibt Hansi Müller als einen Menschen mit zwei Seiten: „Er war ein Sonnyboy, ein richtiger Lausbub. Aber auch cool, lässig, willensstark.“ Und dann spricht Anselm Bilgri auch den Hygiene-Skandal und die Pleite von Müller-Brot an. „Es ist traurig, dass Hansi noch erfahren musste, wie die Geschäftsnachfolger den Namen der Familie buchstäblich in den Schmutz zogen.“

Hansi Müller war ein Kämpfer. Als er 2007 an Amytropher Lateralsklerose (ALS) erkrankte, wollte er sich nicht so einfach seinem Schicksal ergeben. Das Leiden, dessen Ursache bis heute Rätsel aufgibt, ist nicht heilbar. Die Muskeln schwinden immer mehr – bis sich der Erkrankte schließlich in seinem eigenen Körper regelrecht gefangen fühlt.

Trotz dieser Krankheit wollte Hansi Müller selbständig bleiben. So fuhr er im Rollstuhl sitzend noch im Jahr 2010 mit der Tram durch sein geliebtes München und genoss anschließend das Treiben in einem Biergarten. „Wo Hansi war, waren die Farben ein bisschen bunter“, erzählt einer seiner besten Freunde in der Aussegnungshalle. „Und das Lachen ein bisschen lauter.“

Unter den rund 500 Trauergästen waren der Landtagsabgeordnete und Anwalt der Familie Peter Gauweiler sowie Gerd Käfer und seine Lebensgefährtin Uschi Ackermann. Sie sagt: „Hansi war ein ganz wunderbarer Junge. Einer, mit dem man viel lachen konnte.“

J. Mell

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