Anstifter im Fall Brunner

Christoph T. (22): Hier erzählt er seine Version

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Muss Christoph T. wieder ins Gefängnis? Der 22-Jährige beriet sich mit seinem Anwalt Tom Heindl

München - Drei Jahre war es ruhig um Christoph T. (22) – nach dem tz-Exklusivbericht vom Freitag ist der Anstifter der Brunner-Schläger Freitag Vormittag aber wieder bei seinem Anwalt vorstellig geworden!

Denn seit Dienstagabend ermittelt die Kripo erneut gegen den Verkäufer – wegen versuchten Raubes. Der Vorwurf: Christoph T. soll zusammen mit zwei Kumpanen am Flaucher einen Lehrer (34) mit den Worten „Ich mach dich alle!“ bedroht und einem Schüler das Gesicht mit der Faust blutig geschlagen haben. Anwalt Tom Heindl aber sagt: „Das ist lächerlich. Der Lehrer ist auf ihn zugestürmt und hat den großen Maxe gemacht. Christoph hat ihn dann nur weggeschubst und ihm vielleicht gegen das Schienbein getreten.“ Auch habe er nicht mit der Faust zugeschlagen.

Dennoch: Kurz vor Ablauf der Bewährung könnte es eng werden für Christoph T. Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch: „Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, könnte er die Haftstrafe noch absitzen müssen.“ Anwalt Heindl aber entgegnet: „Wenn er jetzt wieder in Haft muss, wäre das aus meiner Sicht rechtswidrig.“ Sein Mandant sei auf dem „absolut richtigen Weg“. Christoph T. ist vor einem Jahr Vater geworden. Vor allem zu seinen Großeltern habe er engen Kontakt. Heindl: „Er kommt auch sehr oft zu mir, um sich abzustimmen. Das ist alles positiv gelaufen. Aber jetzt ist er sauer, dass es diese Probleme gibt.“

Christoph T. wurde im April 2010 zu einem Jahr und sieben Monaten Haft mit Bewährung wegen versuchter räuberischer Erpressung verurteilt. Er hatte sich am 12. September 2009 von den späteren Totschlägern Markus S. (23) und Sebastian L. (22, siehe Text links) an der Donnersbergerbrücke mit den Worten „Besorgt’s denen richtig“ verabschiedet. Zuvor hatte er von den vier Jugendlichen, die der Manager Dominik Brunner († 50) am S-Bahnhof Solln schützen wollte, 15 Euro gefordert, sie geschlagen und getreten. Damals saß T. sechs Monate in U-Haft – und war seither auf freiem Fuß. „Wenn er jetzt verurteilt wird, wandert er definitiv wieder ins Gefängnis“, befürchtet sein Anwalt Tom Heindl.

Sebastian Arbinger

Die Schläger schreiben sich Briefe

Am 6. September 2010, fast ein Jahr nach dem Mord an Dominik Brunner am S-Bahnhof in Solln, sprach Richter Reinhold Baier die Urteile gegen die Totschläger.

Markus S. (23) wurde wegen Mordes aus Rache zu neun Jahren verurteilt, sitzt seither in der JVA Ebrach (ca. 300 Insassen, Oberfranken). Dort trägt er Anstaltskleidung und macht eine Ausbildung. Sein Anwalt Maximilian Pauls sagt: „Er hat vernünftige Zukunftspläne.“ Nach tz-Informationen schreiben sich er und sein damaliger Mittäter Sebastian L. (22) regelmäßig Briefe. Der sitzt in der JVA Neuburg-Herrenwörth (ca. 200 Insassen, Oberbayern) ein und hat das Ende seiner Haftzeit von sieben Jahren (wegen Körperverletzung mit Todesfolge) schon in Aussicht: Denn falls alles gut geht, könnte er schon im Mai 2014 frei kommen – nach zwei Dritteln der Strafe. „Es läuft rund. Er macht eine Ausbildung zum Maler und Lackierer und befindet sich in der sozialtherapeutischen Abteilung“, sagt sein Anwalt Jochen Ringler. Über die Tat verliert Sebastian L. kein Wort mehr.

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