München zeigt Flagge

Anti-Pegida-Demo: OB Reiter stolz auf diese Stadt

München - Es war die schönste Weihnachtsbotschaft, die eine Stadt aussenden kann: Engagierte Münchner riefen zur Toleranz-Kundgebung „Platz da! – Flüchtlinge sind willkommen!“ Und alle, alle kamen

Laut Veranstalter drängten sich 20.000 auf dem Max-Joseph-Platz bzw. in die Residenzstraße, weil sie nicht mehr eingelassen wurden. München als weltoffene, tolerante Stadt, die alle mit Stolz erfüllt: In der tz ziehen OB Dieter Reiter und Mit-Initiator Till Hofmann Bilanz. Und passend dazu packen in Giesing engagierte Bürger an, um den Flüchtlingen in der McGraw-Kaserne an Heiligabend einen herzlichen Empfang zu bereiten.

Reiter: "Demo zeigt München von seiner besten Seite"

Die schlechte Nachricht zuerst: Pegida hat München erreicht. Die gute: Die Mehrheit der Münchner ist bereit, den Menschenfängern nicht in Scharen auf den Leim zu gehen. Offiziell 15.000 Menschen rückten am Montag auf dem Platz vor der Staatsoper zusammen, um klarzustellen: Zwischen München und Dresden liegen nicht nur über 400 Kilometer: Auch in Sachen angeblicher „Islamisierung des Abendlandes“ trennen die beiden Städte Welten. Das begeisterte auch die Macher der Demo und die Redner. Sie sind zurecht stolz auf ihre Stadt und ihre Bürger.

Oberbürgermeister Dieter Reiter bei der Anti-Pegida-Demo.

„Bei uns ist Platz für Menschen verschiedener Hautfarbe“, betonte OB Dieter Reiter. „Weit über ein Drittel der Münchnerinnen und Münchner hat Migrationshintergrund – Menschen aus 182 Nationen leben hier. Und das Miteinander läuft ausgesprochen gut hier in München!“ Auch die 20 Pegida-Anhängern, die sich am Promenadenplatz versammelt hatten, vermochten an dieser Botschaft nichts zu ändern. „Wir sind das Volk“ – für diesen Wahlspruch haben die Islamfeinde ausgerechnet bei der DDR-Freiheitsbewegung gewildert. Tausende Münchner trieb diese Anmaßung auf die Straße. „Wir müssen den Migranten deutlich machen: Ihr seid hier willkommen! Pegida ist nicht Deutschland“, sagte eine Demonstrantin vorgestern. Sie sprach damit vielen Menschen aus der Seele. Nicht Pegida-Bewegung sei das Volk. „Wir sind das Volk“ – und dieses Volk sei nun mal weltoffen und tolerant. Auch Reiter fand deutliche Worte: „In München ist kein Platz, um Angst zu schüren! In München ist kein Platz für Hetze und die Verleumdung von Menschen!“ Auch die weißen Banner an der Front der Staatsoper unterstrichen das Motto des Abends: Respekt, Humanität und Vielfalt war dort zu lesen.

Dieter Reiter (SPD) war sichtlich stolz und bilanzierte: „Diese Demonstration zeigt München von seiner besten Seite: Hier stehen tausende Menschen gemeinsam auf gegen Rassismus und Ausgrenzung.“ Auch laut Polizei blieb alles friedlich.

Eine Frage der Würde

Till Hofmann freut sich über die erfolgreiche Demo.

Bei Till Hofmann (44), dem Chef der Lach & Schieß und des Lustspielhauses, hört der Spaß auf, wenn es um Ausländerfeindlichkeit und Fremdenhass geht. Er war eine der Triebfedern der Anti-Pegida-Demo.

Herr Hofmann, innerhalb von sieben Tagen haben Sie 15.000 Menschen gegen Fremdenhass und für ein Miteinander in der Stadt mobilisiert, Respekt!

Till Hofmann: Wahnsinn! Wir haben ursprünglich eine Demo für 500 Leute angemeldet. Plötzlich haben sich vor allem über Facebook 8000 angekündigt. Es waren übrigens über 20.000, weil viele hinter den Absperrungen in der Residenzstraße gestanden sind.

Pegida spielt in Bayern keine Rolle. Wieso nehmen sich trotzdem so viele dieses Thema an?

Till Hofmann: Ausländerfeindlichkeit gibt es auch bei uns hier. Und wir haben auch nicht gegen etwas demonstriert, sondern für eine Willkommenskultur gegenüber Menschen, die unsere Hilfe brauchen. Wir müssen sie schützen und ihnen helfen. Das ist eine Frage der Würde!

Wie erklären Sie sich, dass andererseits viele für die Pegida-Parolen empfänglich sind?

Till Hofmann: Die Initiatoren reden mit keinem. Und die meisten Leute laufen da auf fremdenfeindlichem Level mit. Doch das ist nicht die Mitte der Gesellschaft. Wir geben dieser Strömung keine Chance. Und wir wissen seit Montag, dass München kerzengerade steht!

Sind weitere Aktionen geplant?

Till Hofmann: Nein, bis jetzt nicht. Aber wir werden bei gegebenem Anlass wieder schnell reagieren.

„Goldgrund“ hat in der Müllerstraße die Finger in die Wunden des städtischen Leerstands gelegt. Mit dem Projekt „Bellevue di Monaco“ soll dort jetzt ein Integrationshaus für Flüchtlinge und Familien entstehen. Eure Aktionen haben offenbar die Stadt überzeugt.

Till Hofmann: Die Goldgrund-Gorillas waren für viele Politiker eine Provokation. Da haben wir viele Eitelkeiten verletzt.

Das scheint aber überwunden ...

Till Hofmann: Ja. Mit Josef Schmid ist jetzt einer von der CSU Bürgermeister, der weit über die Standpunkte seiner Partei in der Landesregierung hinausschaut. Und OB Dieter Reiter hat diese Aktionen für die Armen und Schwachen als sein Steckenpferd entdeckt. Und die Bürgerschaft steht dahinter: Bei uns melden sich nicht nur Sozial­romantiker, sondern auch Wertkonservative, Handwerker, die in der Müllerstraße anpacken wollen.

Wie ist der Zeitplan fürs „Bellevue“?

Till Hofmann: Wir haben einen Antrag für eine Sozialgenossenschaft gestellt. Wenn der Stadtrat Ja sagt, können wir ab März renovieren – und vielleicht im Herbst Einweihung feiern.

Tobias Scharnagl, Stefan Dorner

Rubriklistenbild: © Klaus Haag

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