Es geht um 2,4 Millionen Euro Beute

Anwältin schläft mit Polizist und hilft Panzerknacker-Bande

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Sladjana H. (23).

München - Eine Anwältin hat vor Gericht gestanden, die Panzerknacker-Bande unterstützt zu haben. Auch ein Polizist sei darin involviert gewesen.

Sie redet minutenlang. Ohne Punkt und Komma. Dann plötzlich die Erkenntnis: „Ich habe Grenzen überschritten“, gibt Danica St. (46) zu. „Ich hatte nicht ins Gesetz geschaut, aber wollte die Superanwältin sein, die alles regelt.“

Seit Donnerstag sitzt die Juristin auf der Anklagebank und braucht einen Verteidiger – so wie ihre Mandanten früher. Zu ihnen gehörte auch die Panzerknacker-Bande, die mutmaßlich 202 Wohnungseinbrüche in München und Ingolstadt verübt hatte und dabei 2,4 Millionen Euro Beute machte. Sie hat Danica St. unterstützt – und dabei abkassiert!

Der Fall ist kurios: Als Nebojsa M., der Kopf der Bande, und seine Komplizen Anfang 2014 verhaftet wurden, meldete sich dessen Schwester bei Danica St. und bat sie, den Fall zu übernehmen. Laut Anklage koordinierte die Anwältin auch die Verteidigung für die übrigen Bandenmitglieder. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, mit der ebenfalls angeklagten Sladjana M. (23) und einer weiteren Frau gestohlenen Schmuck im Wert von rund 500 000 Euro verkauft zu haben – unter anderem, um die Verteidigung zu bezahlen.

Anwältin Danica St. (46) steht jetzt selbst vor Gerich.

Danica St. hatte auch einen stellvertretenden Kommissariatsleiter des Münchner Polizeipräsidiums angestiftet, Daten aus dem Polizeicomputer zu besorgen. „Ich hatte ihn gefragt, ob nach ihrem Auto gefahndet wird“, gibt die Anwältin zu. Laut Anklage ließ sie auch die Ermittlung gegen einzelne Mitglieder prüfen und warnte sie. „Ich hätte einsehen müssen, dass das nicht geht. Aber ich wollte vor ihnen gut dastehen.“ Mit dem Polizisten hatte die Anwältin angeblich ein kurzes Verhältnis. Wegen Geheimnisverrats wurde er bereits zu einer Geldstrafe verurteilt. Sie selbst wurde Anfang Mai in der JVA Stadelheim festgenommen, als sie Mandanten besuchte. Zuvor soll sie Sladjana H. zur Scheinheirat geraten haben, damit H. eine Aufenthaltserlaubnis kriegt – und wollte dafür laut Anklage 20 000 Euro. Dazu kam es nicht. Trotzdem droht beiden Frauen nun eine Verurteilung wegen Bandenhehlerei. Richter Philipp Stoll ließ aber durchblicken: Die Haft wird zur Bewährung ausgesetzt. Gegen die Panzerknacker wird am Freitag weiter verhandelt.

Andreas Thieme

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