Verein hilft Bedürftigen in Not

Anwalt für sechs Euro

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Maria S. mit Dietmar Gaiser und Rechtsanwalt Thomas Illichmann (re.) bei der Beratung.

München - Maria S. (41) aus München wendet sich an das Team des tz-Bürgeranwalts. Sie braucht dringend einen günstigen Anwalt, ihre Existenz steht auf dem Spiel.

Diesmal verhelfen wir einer tz-Leserin zu einer fast kostenlosen Rechtsberatung. Dabei unterstützte uns der Münchener Anwaltverein. Der Verein verweist aber auch auf die staatliche kostenlose Rechtshilfe. Dazu braucht man einen Beratungsschein. Dieser Schein kann beim Amtsgericht beantragt werden. Man sollte so einen Antrag allerdings stellen, bevor man zum Rechtsanwalt geht. Theoretisch geht es auch nachher, wenn der Antrag dann allerdings abgelehnt wird, bleibt der Rechtssuchende auf den Kosten sitzen.

Dieser Beratungsschein ist nicht mit der Prozesskostenhilfe zu verwechseln. Bei der Prozesskostenhilfe werden die Kosten für das Gericht und den eigenen Prozess-Anwalt übernommen. Dieses Instrument dient dazu, auch Menschen mit geringem Einkommen einen Gang zum Gericht zu ermöglichen.

Beides, sowohl kostenlose Rechtsberatung als auch Prozesskostenhilfe, setzen ein geringes Einkommen voraus. Allerdings wissen viele nicht, wie in so einem Fall das Einkommen berechnet wird und stellen deswegen gar keinen Antrag. Man kann vom Einkommen unter Umständen die Miete, bei Selbstständigen auch die Krankenversicherung oder etwa Unterhaltskosten abziehen. Zum Schluss zählt nur, was unter dem Strich steht. Davon leitet sich das Recht auf eine kostenlose Rechtsberatung oder Prozesskostenhilfe ab. Also nicht gleich aufgeben, sondern sich ausrechnen lassen, ob man dieses Recht in Anspruch nehmen kann oder nicht.

Unser Staat tut also viel dafür, damit sich alle Bürger juristische Hilfe oder einen Prozess leisten können. Auch wenn sie wenig Geld haben. Eines allerdings sollte jedem klar sein: Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand.

Ihr Dietmar Gaiser

 

Anwalt für sechs Euro

Ich bin völlig verzweifelt. Heute bekam ich vom Gericht einen Vollstreckungsbescheid über 600 Euro. Wenn ich nicht bezahle, wird mir Pfändung angedroht. Ich finde das ungerecht. Deswegen wende ich mich an den Bürgeranwalt. Bitte helfen Sie mir oder sagen Sie mir, wo ich einen kostenlosen Anwalt bekommen kann. Meine Existenz steht auf dem Spiel.

Maria S. (41) aus München

Das Team des Bürgeranwaltes kann und darf nicht juristisch beraten. Wir arbeiten mit journalistischen Mitteln, indem wir Öffentlichkeit herstellen und damit manche Ungerechtigkeit aus der Welt schaffen. Um aber tz-Leserin Maria S. zu helfen, riefen wir den Geschäftsführenden Vorstand des Münchener Anwaltvereins e.V., Michael Dudek, an. Und er wusste Rat. Der Münchener Anwaltverein bietet drei Mal in der Woche eine nahezu kostenlose juristische Beratung an. Der Unkostenbeitrag beträgt nur sechs Euro. Das Büro des Anwaltvereins befindet sich in der Maxburgstraße 4 und hat die Telefonnummer 089/29 50 86. Hierher kommen jede Woche bis zu 40 Ratsuchende.

Wer sich in der Maxburgstraße 4 beraten lässt, muss nachweisen, dass er bedürftig ist. Michael Dudek: „Der Nachweis kann mit einem amtlichen Dokument, zur Not aber auch mit Kontoauszügen erbracht werden. Wenn die Bedürftigkeit nachgewiesen ist, kümmert sich ein Kollege aus unserem Verein um den Fall. Oft reicht ein juristischer Tipp oder die Hilfe beim Verfassen eines Briefes oder das Verfassen eines Einspruchs, um dem Klienten zu helfen.“

Wenn es mit dieser Erstberatung nicht getan ist, schicken die Juristen des Münchener Anwaltvereins den Ratsuchenden zum Amtsgericht, wo er einen Beratungshilfeschein erhält. Damit kann er zu einem Anwalt seiner Wahl gehen und sich weiter beraten lassen. Auch dabei hilft der Anwaltverein, er hat Listen mit Anwälten, die infrage kommen und das entsprechende Fachgebiet bearbeiten. Übrigens hat der Münchener Anwaltverein nicht nur eine Beratungsstelle in der Maxburgstraße, sondern auch im Amt für Wohnen in der Franziskanerstr. 8 und beim Seniorenbeirat in der Burgstr. 4.

Als wir mit Maria S. in der Maxburgstraße 4 waren, kümmerte sich Thomas Illichmann um den Fall. Er formulierte zusammen mit der tz-Leserin einen Einspruch. Maria S.: „Ohne die Hilfe der tz käme in den nächsten Tagen der Gerichtsvollzieher zu mir. So habe ich noch eine reelle Chance, dem Ganzen zu entgehen. Das ist ein wunderbares Weihnachtsgeschenk für mich.“

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