ADAC-„Leuchtturm“ blendet Anwohner aus dem Schlaf

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Das neue Hochhausn macht für viele Anwohner die Nacht zum Tag.

München - Für viele Bewohner des Westends macht der ADAC die Nacht zum Tag. Seit das beinahe fertiggebaute ADAC-Hochhaus an der Hansastraße nachts komplett beleuchtet ist, bekommen sie ihre Schlafzimmer auch bei geschlossenen Vorhängen nicht mehr dunkel.

Während der Automobilclub die nächtliche Beleuchtung als „notwendig“ bezeichnet, nennt sie Ludwig Wörner, der Vorsitzende des Bezirksausschusses Schwanthalerhöhe (SPD), „hanebüchen“.

Der Bau der neuen ADAC-Zentrale hat sich seit der Grundsteinlegung Mitte 2007 deutlich kostspieliger entwickelt als geplant. Wegen Verzögerungen explodierten die Kosten geradezu von 230 auf 320 Millionen Euro. Nur ungern nimmt der Automobilclub da die „erheblichen Diebstähle“ in Kauf, die Sprecher Dieter Wirsich beklagt. Unbekannte hätten nachts von der Baustelle „hochwertige Materialien“ entwendet. Um weitere Diebe abzuschrecken, habe man vor etwa sechs Wochen beschlossen, bis zum Ende der Bauphase das gesamte 23-stöckige Hochhaus nachts zu beleuchten.

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Der leuchtende Turm macht den Anwohnern von der Ridlerstraße bis hin zur Landsberger Straße zu schaffen. Entnervt wandten sich einige von ihnen an den Bezirksausschuss (BA). Dessen zwei Anfragen beantwortete der ADAC mit der Begründung des Diebstahlschutzes. Diese überzeugt den BA-Vorsitzenden Ludwig Wörner aber überhaupt nicht: „Wofür gibt es denn Schlösser und Nachtwächter?“

Neben der Lichtbelästigung kritisiert Wörner auch „eine sinnlose Energieverschwendung, die in München ihresgleichen sucht“. Er äußert etwas verschwörerisch den Verdacht, der ADAC steigere absichtlich seinen Stromverbrauch, um für einen Großabnehmertarif in Frage zu kommen und somit den Strom deutlich günstiger beziehen zu können. ADAC-Mitarbeiter hätten dies ihm gegenüber bestätigt.

Beim ADAC weist man diesen Vorwurf entschieden zurück. „Das ist absoluter Quatsch. Ich weiß nicht, was Herrn Wörner antreibt, so einen Unsinn zu erzählen“, erwidert Sprecher Wirsich.

Für den Ärger der Anwohner habe man allerdings Verständnis. Lange müssten sie die nächtliche Helligkeit jedoch nicht mehr aushalten. Seit diesem Montag läuft der mehrmals verschobene Umzug der 2400 Mitarbeiter in die neue Zentrale, die aus einem fünfstöckigen Sockelbau und dem 92 Meter hohen Turm besteht. Parallel dazu finden abschließende Arbeiten im Gebäude statt. Ab 23. Januar, mit Vollendung des Umzugs, soll laut Wirsich Schluss sein mit der Nachtbeleuchtung: „Dann ist nur noch da Licht an, wo auch gearbeitet wird.“

Angelo Rychel

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