Drei Jahre Staub und Lärm in der Viktoriastraße

Anwohner klagt: Diese Baustelle macht mich krank

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Seit drei Jahren derselbe triste Ausblick: Anwohner Robert H. (38) leidet wegen der Baustelle in der Viktoriastraße an einer Stauballergie

München - Ein Kran quietscht, ein Presslufthammer hämmert, Arbeiter schaufeln Schutt in Container - Baustellenlärm in der Viktoriastraße. Und Robert H. (38) trifft es besonders hart.

Seit drei Jahren muss Robert H. (38) mit den Maschinen unter seinem Balkon in der Viktoriastraße leben. Das gegenüberliegende Haus wird nämlich Stockwerk für Stockwerk renoviert und bekommt ein neues Dach.

„Der Krach beginnt mal um 8 Uhr morgens, mal um 16 Uhr nachmittags“, sagt der 38-Jährige. Was Robert H. und seinen Partner Ricardo (42) aber noch viel mehr belastet, ist der ständige Staub in der Wohnung und auf dem Balkon. „Der Bauschutt wird trocken in die Container geschaufelt. Würde man ihn mit Wasser bespritzen, wäre das schon eine große Entlastung“, so der Schwabinger.

Denn inzwischen macht der Staub ihn und Ricardo krank. Robert H.: „Vom Arzt wurde uns beiden eine Staub-allergie attestiert, die erst seit Beginn der Baustelle auftrat. Morgendliche Niesattacken und Halsschmerzen müssen wir jetzt mit Medikamenten behandeln.“

Auch Bewohner aus den umliegenden Häusern sind genervt. „Inzwischen hat sich eine regelrechte Beschwerdegemeinschaft gebildet“, erzählt Robert H. und bemängelt, dass vom Bauherrn gegenüber kaum Informationen zu bekommen sind.

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Der rechtfertigt gegenüber der tz die lange Bauzeit mit dem Denkmalschutz: „Bei den Arbeiten muss mit extremer Vorsicht vorgegangen und unzählige Denkmalschutz-Auflagen beachtet werden. Ich wäre auch gerne schneller vorangekommen mit dem Umbau.“ Die Baugenehmigung sei erst nach langem Ringen gekommen - und zunächst nur für zwei der Geschosse. Außerdem würden Teile des Hauses noch bewohnt, wodurch zusätzlich große Sorgfalt an den Tag gelegt werden müsse. „Wir kommen den Anwohnern ohnehin schon entgegen, zum Beispiel beginnen wir unsere Bauarbeiten nicht vor 8 Uhr morgens, obwohl wir um 7 Uhr beginnen dürften. Nur geräuschlos können wir nun mal nicht bauen“, meint der Münchner.

Immerhin: Der Kran soll bis Ende des Jahres verschwunden sein. Damit dürfte sich wenigstens das Verkehrsproblem in der Viktoriastraße entspannen, denn Kran und Baucontainer belegen schon seit drei Jahren die so dringend benötigten Parkplätze.

Das Gesetz lässt dies durchaus zu, wie KVR-Sprecherin Daniela Schlegel bestätigt: „Solange die Begründung schlüssig ist und es sich nicht um eine sogenannte Schlafbaustelle handelt, ist eine Verlängerung der Genehmigung auch über drei Jahre hinweg möglich. Der Bauherr zahlt Sondernutzungsgebühren je nach Größe und Dauer für die öffentliche Fläche und natürlich Bearbeitungsgebühren je Verlängerung.“

In einem Jahr soll dann in der Viktoriastraße endlich ganz Ruhe sein. Nicht einmal diese Aussicht tröstet Robert H.? „Ich glaube erst an ein Ende der Baustelle, wenn der letzte Hammer und der letzte Nagel verschwunden sind.“

Lisa Klein

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