Großes Antragspaket 

Arbeit, Lieferservice, mehr Teilhabe: So will die CSU Senioren helfen

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Beim Umgang mit Tablets sollen Senioren nach dem Willen der CSU künftig Hilfe von Schülern bekommen. 

Mit einem 16 Punkte umfassenden Antragspaket will CSU-Bürgermeister Manuel Pretzl Senioren besser in die Gesellschaft einbinden. Die Stadt soll Ausflüge organisieren, den älteren Menschen das Arbeiten ermöglichen und gemeinsam mit dem Einzelhandel einen Lieferdienst anbieten.

Bürgermeister Manuel Pretzl (CSU) ist in München aufgewachsen. „München hat immer von einem guten Miteinander gelebt“, sagt der Fraktionschef der CSU im Stadtrat. „Einer der wichtigsten Gradmesser für dieses Miteinander ist unser Umgang mit älteren Menschen. Und da müssen wir momentan wirklich aufpassen, dass im Zuge des Wachstums und Umbaus der Stadt die Belange unserer älteren Mitbürger nicht unter die Räder kommen.“ Pretzl und die CSU werden ein mehr als 16 Punkte umfassendes Antragspaket auf den Weg bringen, um Teilhabe von Senioren am gesellschaftlichen Leben besser zu ermöglichen.

Im ersten Antrag wird das Referat für Bildung und Sport aufgefordert, ein Konzept zu entwickeln, wie Besuche von Kindergartenkindern oder Schulklassen in Alten- und Seniorenheimen zu einem regelmäßigen Bestandteil im Kita- und Schulalltag werden können. Alt und Jung sollen gemeinsam lesen, spielen, singen oder einfach nur ins Gespräch kommen.

Überdies will Pretzl, dass die Stadt gemeinsam mit dem Einzelhandel und dem Verband der Innenstadt-Händler City Partner ein Konzept entwickelt, wie ältere Menschen insbesondere in Elektronikfachmärkten individuell beraten werden können. „Sinnvoll können spezielle Beratungsstationen sein, die zu bestimmten Tageszeiten explizit für Senioren angeboten werden“, sagt der Bürgermeister. Ferner ist gewünscht, Schulprojekte zu initiieren, bei denen Schüler aktiv mit älteren Menschen in Austausch kommen, um ihnen die Möglichkeiten von Smartphones, Tablets und Laptops näherzubringen. Sie können auch als dauerhafte Paten von älteren Menschen fungieren und so einen mittel- bis langfristigen Kontakt aufbauen. „Im Gegenzug erhalten die jungen Menschen eine kleine Anerkennung der Landeshauptstadt, zum Beispiel kostenlosen Eintritt in die Hallenbäder oder ein Ticket für den Tierpark.“

Ein nächster Antrag sieht vor, dass das Sozialreferat gemeinsam mit dem Seniorenbeirat Ausflüge und Veranstaltungen für ältere Menschen anbietet, die auch für den schmaleren Geldbeutel erschwinglich oder besser noch kostenfrei sein sollen.

Pretzl will zudem Eltern entlasten und rüstige Senioren aktiv in die Betreuung von Kindern einbinden. Bislang gebe es hauptsächlich privat oder durch ehrenamtliche Vereine organisierte Leihomas und Leihopas. Da könne die Stadt nicht hintanstehen. Außerdem sollen Sozialreferat und Münchenstift prüfen, inwieweit in den Alten- und Pflegeeinrichtungen auch Tiere zu Therapiezwecken eingesetzt werden können.

Ein weiterer Antrag sieht vor, Senioren weiterhin das Arbeiten zu ermöglichen. „In Fürth gibt es das Unternehmen Myoma beziehungsweise Lieblingsoma. Ältere Frauen und Männer mit besonderen Kenntnissen zum Beispiel im Stricken oder Kochen erbringen ihre Leistungen auf Bestellung und erhalten eine Aufgabe, einen Zuverdienst und Wertschätzung“, sagt der CSU-Chef. Die Firma erhält 20 Prozent Provision. In München soll es von der Stadt ein ähnliches Angebot geben.

Auch an den Nahverkehr hat Pretzl gedacht, die Stadt soll ein Konzept erarbeiten, bei dem Senioren mit einem Mindestalter von 65 Jahren die Möglichkeit gegeben wird, ihren Führerschein gegen ein kostenloses ÖPNV-Abonnement eintauschen zu können, inklusive der Nutzung des MVG-Rads.

Nächster Wunsch der CSU ist ein Lieferservice des innerstädtischen Einzelhandels für Senioren sowie mobilitätseingeschränkte Menschen. Die Verwaltung wird überdies beauftragt, zu prüfen, ob in Bussen, Tram- und U-Bahn eine ausreichende Anzahl an Sitzplätzen für mobilitätseingeschränkte Menschen zur Verfügung stehen. „Des Weiteren sind die Ein- und Ausstiegssituationen sowie die gesamte Barrierefreiheit in den Fahrzeugen zu analysieren und gegebenenfalls Verbesserungsvorschläge auszuarbeiten“, sagt Pretzl, der außerdem vorschlägt Rolltreppen in U-Bahn-Zugängen mit UVC-Lichtsystemen zur Beseitigung von Viren, Bakterien, Keimen, Hefen und Pilzen auf den Handläufen auszustatten.

Beim Thema Wohnen setzt die CSU auf kreative Konzepte zum Generationenwohnen. Außerdem ist vorgesehen, in Kooperation mit Seniorenvereinen oder dem Seniorenbeirat eine Struktur aufzubauen, die das Konzept Wohnen für Hilfe ausbaut und viel stärker in die Öffentlichkeit trägt. Dabei können ältere Menschen Zimmer beispielsweise günstig an Studenten vermieten, wenn die dafür im Haushalt helfen. Ferner soll der Wohnungstausch attraktiv gemacht werden. Wenn ältere Menschen ihre zu groß gewordene Wohnung gegen eine kleinere Wohnung eintauschen können, soll die Stadt unterstützen. Vorstellbar sei beispielsweise, den Umzug durch eine Förderung bis maximal 1000 Euro zu finanzieren.

Zu guter Letzt sollen die stadtteilbezogenen Seniorenstadtpläne digitalisiert und als App verfügbar gemacht werden. Pretzl: „München darf nicht zu einer Stadt werden, in der sich nur noch die Jungen und Hippen wohlfühlen. Wir müssen uns ein München erhalten, im dem alle Generationen ihren Platz finden.“ Das alles passiere aber nicht von selbst. Die Stadtpolitik müsse negativen Entwicklungen entgegenwirken und aktiv Angebote für ältere Münchner schaffen.

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