Arbeitgeber regen Lohnsenkungen an

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Zeit für Lohnsenkungen? „Ja“, meint Arbeitgeberpräsident Dieter Hundet - und zwar wegen der Wirtschafstkrise.

München - Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt will Kosten für Unternehmen drücken. Die CSU kritisiert eine „unsoziale Phantomdiskussion“.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt bringt wegen der Wirtschaftskrise Lohnsenkungen ins Gespräch. Tarifliche Kostenentlastungen seien bei Umsatzrückgängen von 30 bis 40 Prozent betriebswirtschaftlich für viele Unternehmen oder für ganze Branchen „durchaus berechtigt“, sagte Hundt.

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Wegen Krise: Hundt bringt Lohnsenkungen ins Gespräch

Er bescheinigte den Gewerkschaften für die jüngsten Abschlüsse „tarifpolitische Vernunft“. Nötig seien aber weiterhin „angemessene Tarifvereinbarungen“. „Wenn alte Formeln der Gewerkschaften angewendet werden, dass Produktivitätssteigerung und Inflationsrate Grundlage für Tariferhöhungen sein sollen, dann müssen wir im nächsten Jahr in wichtigen Branchen eine deutliche Lohnsenkung vereinbaren“, sagte er. Die Arbeitgeber würden in Tarifgesprächen zumindest auf Kostenentlastung an anderer Stelle dringen und Leistungen aus Manteltarifverträgen prüfen. Der Verband der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie spricht von einer Nullrunde 2010. „Bei der Wirtschaftslage und auf Basis der von der Gewerkschaft angewandten Lohnformel sind Lohnsteigerungen rechnerisch und wirtschaftlich derzeit nicht angezeigt“, sagt Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt.

Aus der Politik kommt scharfer Widerspruch. „Eine einseitige Diskussion“ beklagt Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP): „Viel wichtiger ist, die kalte Progression zu beseitigen. Dann bleibt den Arbeitnehmern mehr Netto vom Brutto.“ Arbeitsministerin Christine Haderthauer (CSU) rügt eine „unsoziale Phantomdiskussion“. Die Arbeitnehmer „tragen die Lasten der Unternehmen solidarisch mit“ – Stichwort Kurzarbeit und wegfallende Sonderschichten.

DGB-Chef Fritz Schösser wirft den Unternehmen vor, die Krise „schamlos auszunutzen, um die Profitabilität hochzutreiben“. Vereinzelt könnten Betriebe „in wirklichen Notsituationen“ Öffnungsklauseln in Tarifverträgen nutzen. Er warnt aber vor sinkenden Löhnen: „Wenn die Binnennachfrage einbrechen würde, würden sich Arbeitgeber und Unternehmer selbst nichts Gutes tun.“

imu/cd/dm

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