Arbeitslose: München hat klar am wenigsten

München - München bleibt Spitze. Unter den deutschen Großstädten hat es 2010 mit 5,3 Prozent die niedrigsten Arbeitslosenquote.

 Im Vergleich zu 2009 sank sie um 8,2 Prozent. In Berlin dagegen liegt die Quote bei 12,8 Prozent, in Hamburg bei 7,4 Prozent. „Wir sind dynamisch aus der Krise herausgekommen“, freute sich Bernd Becking, Leiter der Münchner Arbeitsagentur, am Dienstag bei der Vorstellung der Jahresbilanz.

Auch die Menschen im Hartz IV-System profitierten in München von der positiven Entwicklung. Sorge macht den Verantwortlichen aber, dass sich trotz sinkender Quote monatlich immer mehr Menschen arbeitslos melden — allein im Januar 2010 waren es19 000. „Eine Folge unsicherer Beschäftigungsverhältnisse“, resümierte Becking. Vor allem für Menschen ab ab 50 sei Arbeitslosigkeit immer mehr eine Katastrophe. Denn sie haben immer schlechtere Chancen, eine neue Stelle zu finden. „Keine andere Personengruppe ist von der Entwicklung so negativ betroffen wie die Älteren“, sagt Becking.

Von den 2010 im Jahresdurchschnitt 56 000 Arbeitslosen in München waren im vergangenen Jahr 17 000 über 50 Jahre alt, im Jahr 2008 waren es 15 000. Sorgen macht Becking zudem, dass ab dem 1. Mai für Dienstleistungen in Europa die Freizügigkeit gilt. Das heißt, Leiharbeiter etwa aus Tschechien können in deutschen Betrieben zu dem in ihrer Heimat üblichen Entgelt angeworben werden. Diese Entgelte liegen üblicherweise deutlich unter den deutschen Löhnen. Deshalb plädiert Becking für einen branchenübergreifenden Mindestlohn.

svs

Absoluter Pflegenotstand

Obwohl sich der Arbeitsmarkt positiv entwickelt, haben die Älteren das Nachsehen. So steigt die Zahl der älteren Arbeitslosen, obwohl die Zahlen bei allen anderen Gruppen sinken.

Und die Älteren haben die schlechtesten Chancen auf eine neue Stelle. Gleichzeitig leiden hauptsächlich Senioren unter dem immer brisanteren Mangel an Pflegekräften im Raum München. Hier gibt es mit 1124 die meisten unbesetzen Stellen und Ausbildungsstellen. „Man hätte schon lange reagieren müssen, schließlich war der absolute Pflegenotstand, unter dem wir hier heute leiden, schon Anfang der 90er Jahre abzusehen“, ärgert sich Pflegeexpertin Marliese Biederbeck.

Auch Verkäufer gibt es im Raum München zu wenig, hier gibt es 943 freie Stellen, gefolgt von 602 in der Gastronomie und 574 in Büros und Verwaltung. Perspekiven sieht Günter Schmiedl von der Arbeitsagentur München vor allem in den Bereichen Erziehung und Unterricht, Gesundheitswesen, bei Dienstleistungen, Baugewerbe und dem Sozialwesen. Sinkende Beschäftigtenzahlen erwartet er dagegen im Produktionsbereich, etwa bei Zulieferen für die Automobilindustrie. Schmiedl: „Hier werden Arbeitsplätze ins Ausland verlagert.“

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