Fund unter der Residenz

3000 Jahre altes Grab der "ältesten Münchnerin"

+
Bei der Sanierung der Residenz fanden Mathias Pfeil und Bernd Schreiber Artefakte und menschliche Überreste.

München - Ausgerechnet unter der Münchner Residenz haben sie das Grab gefunden: Mehr als 3000 Jahre alt, gut erhalten, mit Überresten eines Menschen, wohl einer Frau.

Es ist eine archäologische Sensation. Bei Kanalbauarbeiten an der Residenz machen die Arbeiter Anfang Mai einen außergewöhnlichen Fund: Leichenbrand – also Reste eines verbrannten menschlichen Skelettes, dazu mehrere Keramik- und Bronzestücke. Es ist das älteste Grab Münchens!

Die Grabstätte ist etwa drei Meter lang, etwa 1,50 Meter breit und liegt am so genannten Apothekergarten. Die Skelettreste, die hier lagen, sind über dreitausend Jahre alt – das fanden Wissenschaftler bei ihren Analysen heraus. Unter anderem nahmen sie die Grabbeigaben unter die Lupe. Ergebnis: Keramik und Bronze wohl aus der späten Bronzezeit (1350-1200 v. Chr.) Damals war die Sitte der Leichenverbrennung – statt einer Erdbestattung – nicht ungewöhnlich.

Mathias Pfeil (l.) und Bernd Schreiber

Die Skelettreste, die gestern von Experten näher erklärt wurden, stammten wohl von einer wichtigen Person. Sonst hätte man sie kaum mit so vielen Grabbeigaben bedacht. Anhand der Knochen kann man Rückschlüsse auf das Geschlecht ziehen: Demnach handelt es sich wohl um eine Frau – also die älteste Münchnerin! Auch die archäologischen Funde (wie die Vasenkopfnadeln, die damals als Ziernadel und Gewandverschluss dienten), lassen auf eine Frau schließen.

Dass aber im Rahmen von Kanalbauarbeiten am Apothekergarten ein solch spektakulärer Fund gemacht werden würde: Damit hatte niemand gerechnet. Mathias Pfeil, Generalkonservator des Landesamts für Denkmalpflege, sagt: „Es ist ein fantastischer Fund. Wir sind fasziniert von dem Fund selbst und dem Erhaltungszustand.“ Bernd Schreiber, Präsident der Schlösser- und Seenverwaltung: „Wir sind gespannt, was uns die nähere Untersuchung des Fundes noch über die Frühgeschichte Bayerns verraten wird.“

Christina Riße

Auch interessant

Meistgelesen

Kommentare