Münchner Unternehmen im Test

ARD-Markencheck: ADAC auf dem Prüfstand

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München - Der "ARD Markencheck", der mit seinen Supermarkt-Tests für Aufsehen sorgte, hat jetzt den ADAC geprüft. Am Montag lief’s im Fernsehen, die tz fasst die wichtigsten Ergebnisse zusammen.

Die Gelben Engel kennt jedes Kind. Kaum ein Club in Deutschland ist so bekannt wie der ADAC. Kein Wunder: Der ADAC zählt derzeit 18 Millionen Mitglieder, das heißt jeder dritte Führerscheinbesitzer ist hier Mitglied. Dennoch ist das Unternehmen mit Firmensitz in München nicht ganz unumstritten. Gerade wegen seiner hohen Mitgliederzahl wird ihm eine große wirtschaftliche und politische Macht nachgesagt. Nutzt er diese Macht aus? Wie unabhängig ist der ADAC? Ist das Vertrauen der Deutschen gerechtfertigt? Wie gut ist der ADAC wirklich? Der ARD-"Markencheck “, der mit seinen Supermarkt-Tests für Aufsehen sorgte, hat jetzt den ADAC geprüft. Am Montag lief’s im Fernsehen, die tz fasst die wichtigsten Ergebnisse zusammen.

Ist das Vertrauen gerechtfertigt?

Die ARD hat Bürger in einer Umfrage befragt, in welche Clubs und Vereine sie am meisten Vertrauen haben. Der ADAC ist mit 31,3 Prozent der Sieger. Es folgt das Rote Kreuz (30,4), Greenpeace (15,2), das Technische Hilfswerk (14), Schlusslicht ist die AOK (9,1 Prozent). Aber vertritt der ADAC wirklich die Interessen seiner Mitglieder? Eine eigens in Auftrag gebene Studie lässt daran zweifeln. Demnach sind 47 Prozent der Mitglieder für ein Tempolimit auf Autobahnen – der ADAC lehnt das strikt ab. Die ebenfalls vom Club abgelehnte Null-Promille-Grenze wird sogar von 78 Prozent befürwortet. Die Verwendung der Mitgliedsbeiträge für den Motorsport befürworten die wenigsten Mitglieder. Nur bei einem Nein zur Maut sind sich ADAC und seine Mitglieder einig.

Fazit: Nur in zwei der vier Kernpositionen stehen die Mitglieder eindeutig hinter dem ADAC – das Vertrauen der Bürger ist übertrieben!

Guter Arbeitgeber?

In Nordbayern soll eine Untersuchung zu möglicher sexueller Belästigung am Arbeitsplatz unter Verschluss gehalten werden. In Niedersachsen ist von einem „Klima der Angst“ und Behinderung der Arbeit des Betriebsrates die Rede. Geschäftsführer Karl Obermair spricht im zweiten Fall von „Unterstellung“ und sagt, die Zentrale habe keinen Einfluss auf die regionalen Organisationen. Verdi glaubt das nicht.

Fazit: Der ADAC schneidet laut ARD-Tester als Arbeitgeber „zweifelhaft“ ab.

Als Retter zuverlässig?

Der ADAC selbst sagt, die Pannenhelfer würden 84 Prozent der Autos noch vor Ort wieder flott bekommen. In einem Praxistest überzeugte der ADAC tatsächlich: Die Tester setzen in BMWs defekte Sicherungen ein und lösten das Massekabel der Batterie. Der ADAC kam am schnellsten und hatte 48 Minuten nach dem Anruf alle Fehler einwandfrei behoben. Der ACE (Auto Club Europa) kam später, entdeckte nur einen Fehler und schickte das Pannenfahrzeug in die Werkstatt. Der AvD (Automobilclub von Deutschland) kam erst nach einer Stunde – und das gleich mit dem Abschleppwagen. Zufall bei einer Momentaufnahme? Die Erfahrung spricht für den ADAC: 2011 hatte er 4,1 Millionen Einsätze. Die 1800 Pannenhelfer – ein Drittel davon sind Kfz-Meister – müssen vier Schulungstage im Jahr absolvieren. Die anderen beiden Clubs arbeiten mit Vertrags-Werkstätten zusammen.

Fazit: Als Retter in der Not ist der ADAC absolut verlässlich.

Tests unabhängig?

Ist der ADAC als Tester vertrauenswürdig? Bei diesen vielen Kooperationen kann man schon stutzig werden: Der ADAC arbeitet mit etlichen Partnern zusammen, etwa Shell, Burger King, Michelin, Opel, Ford usw. Bleibt er bei Rasthaus-, Reifen- oder Auto-Tests dennoch unabhängig? Die ARD hat Ergebnisse aus 500 Tests und Berichten in der ADAC Motorwelt mit den Resultaten aus den anderen Fachzeitschriften Auto Motor Sport und Auto Bild verglichen – und keinerlei Auffälligkeiten festgestellt. Außerdem überzeugte das Test-Center in Landsberg bei der Recherche mit Professionalität und Unabhängigkeit.

Fazit: Als Tester ist der ADAC überzeugend.

Das bietet der Club fürs Geld

Im Jahr 2011 begrüßte der ADAC sein 18-millionstes Mitglied. Im selben Jahr haben die Mitglieder 988,3 Millionen Euro an Beiträgen einbezahlt. Die tz erklärt das Angebot:

Die günstigste Art, für Normalzahler ADAC-Mitglied zu werden, ist die klassische Mitgliedschaft für 44,50 Euro im Jahr (mit Partner 60,60 Euro). Dafür gibt’s die Pannen- und Unfallhilfe aber nur in Deutschland. Hilfe bei Krankheit oder in Notsituationen ist genauso wenig enthalten wie der Kfz-Rücktransport. Bei allen Mitgliedschaften ist die Club-Zeitschrift ADAC Motorwelt enthalten, Rechtsberatung und technische Auskünfte.

Die ADAC-Plus-Mitgliedschaft kostet im Standard-Tarif 79,50 Euro (mit Partner 98,70 Euro). Mit ihr gilt der Schutz europa- beziehungsweise weltweit. Europaweit bietet der ADAC unter anderem Pannenhilfe, Fahrzeug-Rücktransport oder die Erstattung der Kosten für die Heim- und Weiterreise. Weltweiten Service gibt’s z.B. für Kranken-Rücktransporte, Übernachtungen nach Krankheit oder Arzneimittelversand. Der ADAC bietet Rabatt für Azubis, Firmen und Schwerbehinderte sowie Angebote für unter 25-Jährige.

Zahlen und Fakten zum ADAC

22 Stockwerke, 4619 Fenster, 23 Aufzüge – was für ein bombastischer, bunter Bau! Rund 320 Millionen Euro hat die neue, 93Meter hohe ADAC-Zentrale am Heimeranplatz (Foto links) gekostet, die im März 2012 feierlich eingeweiht wurde. Unter diesem Dach gibt’s unter anderem ein gläsernes Riesen-Foyer, eine Kinderkrippe sowie einen Betriebs-Sportverein für die 2400 Mitarbeiter. Über 100 Berufsbilder vom Arzt über den Techniker bis zum IT-Experten sind hier vertreten. Im Jahr 2012 wurden 200 Mitarbeiter eingestellt. Das Gehalt orientiert sich am Tarifvertrag für die Versicherungswirtschaft.

Auch die anderen Zahlen des ADAC können sich sehen lassen: Der Club ist mit aktuell 18,4 Millionen Mitgliedern der zweitgrößte Autoclub der Welt. Der ADAC e.V. und seine Töchter verzeichneten 2011 einen Umsatz von 1,6 Milliarden Euro. 2012 zählt der Club 4,067 Millionen Pannenhilfen und 50 Hubschrauber-Rettungen an 35 Stützpunkten. 140 000 Staumelder unterstützen regelmäßig den ADAC.

Beeindruckende Bilder: So sieht München vom ADAC-Turm aus

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Mit dem "ADAC-Check" setze "Das Erste" seine Reihe fort, in der beliebte Marken und ihre Firmenpolitik unter die Lupe genommen werden. Im Check waren unter anderen auch schon:

Der Edeka-Rewe-Check

Der dm-Check

nba

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