Er trieb auch in München sein Unwesen

Argentinier zockte bei Automaten ab: Vier Jahre Stadelheim drohen

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Brav gescheitelt aber viel kriminelle Energie – Lucas P.

München - Ein Argentinier zockte auf der ganzen Welt Gelder an Automaten ab und trieb auch in München sein Unwesen. Nun drohen ihm vier Jahre Haft in Stadelheim.

Lucas P. ist argentinischer und italienischer Staatsbürger, hat zuletzt in München gewohnt – und „ist in der Welt zu Hause“, wie es in der Anklageschrift heißt. Der 38-Jährige fühlt sich aber nicht nur auf allen Kontinenten wohl, er ließ dort vor allem seiner kriminellen Energie freien Lauf. Mit Komplizen fälschte er Kredit- und EC-Karten, hob an verschiedenen Orten auf dem Globus Bargeld ab, bezahlte Hotelrechnungen und Internetbestellungen. Im Juni 2014 kam es in München zur spektakulären Festnahme. Seit gestern steht er vor Gericht.

Mit einer Spezialblende fischte er die Daten ab.

Mit einer perfiden Masche fischte er sich die Daten von ahnungslosen Bankkunden. Lucas P. montierte spezielle Blenden an die Kartenschlitzen der Geldautomaten. Sobald eine Karte eingesteckt wurde, kopierte das Gerät die Informationen, die auf den Magnetstreifen gespeichert waren. Eine Minikamera filmte den vierstelligen PIN-Code. Die auf dem Aufsatz gespeicherten Daten kopierte P. schließlich mit einem Komplizen auf Kartenrohlinge. Mit den dazugehörigen Passwörtern konnte er an beinahe jedem Bankautomaten der Welt Geld abheben.

Abu Dhabi, Buenos Aires, Hanoi, Jerusalem, München – Lucas P. reiste um die Welt und zockte seine Opfer ab. Insgesamt ergaunerte sich der kriminelle Weltenbummler über 60 000 Euro. Jede Abhebung, jede Transaktion wurde dem 38-Jährigen gestern vor dem Münchner Landgericht vor Augen geführt. Eine Stunde und zehn Minuten dauerte alleine die Verlesung der Anklageschrift. Über seinen Anwalt räumte er die meisten Vorwürfe ein und versprach, das Geld zurückzuzahlen.

Diebestour um die Welt: Lucas P. (38) hob mit gefälschten Bankkarten beinahe auf jedem Kontinent Geld ab

Neben der schweren Vorwürfe des Betrugs und der Fälschung muss sich auch noch wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Grund: Am 18. Juni wurde Lucas P. in der Kaiserstraße mitten in Schwabing festgenommen. Zuvor hatte er einen Zivilpolizisten schwer verletzt, als er versuchte, mit seinem Mietwagen zu fliehen. Als er bemerkte, dass der Beamte seine Fahrertür öffnen wollte, trat P. aufs Gas und riss den Polizisten mehrere Meter mit. Wenig später wurde Lucas P. von einer Polizeistreife schließlich in der Belgradstraße festgenommen.

Im Falle einer Verurteilung drohen Lucas P. bis zu vier Jahre Haft. Bis dahin nennt er das Gefängnis in Stadelheim sein Zuhause.

Hier hinterließ er in München seine Spuren

  • Am 24. Juli 2013 bucht Lucas P. mit einem Komplizen unter Angabe von geklauten Kreditkartendaten über booking.com ein Zimmer im Hotel Antares und bleibt dort bis zum 31. Juli. Schaden: 184,10 Euro.
  • Gleich im Anschluss reserviert P. mit den selben Daten ein Zimmer im Hotel Fleming‘s in der Bayerstraße. Bis zum 9. August entstand dem Hotel ein Schaden in Höhe von 818,02 Euro.
  • Am 11. August bucht der Mann erneut im Fleming‘s – zunächst für zehn Tage. Danach verlängerte er den Aufenthalt bis zum 3. September. Gesamtschaden: satte 6340,20 Euro.
  • Im Vorraum einer Filiale der TargoBank in der Prielmayerstraße brachte Lucas P. eine Ausspäheinrichtung an einem Geldautomaten an. Zwischen 29. Juli 2013 und 27. August 2013 fischte er dort insgesamt viermal Daten ab.
  • Dieselbe Masche zieht er in der Kreissparkasse in der Verdistraße ab. Am 5. August und am 8. August 2013 installierte er die Blende für mehrere Stunden.
  • Auch im Landkreis schlägt er zu: Ende August zapft er die Automaten in der Kreissparkasse in Pullach an.
  • 18. Juni 2014: Lucas P. wird in Schwabing festgenommen.

Johannes Heininger

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