Ergebnisse der großen tz-Umfrage

Arme und Reiche: So sehen sie München

+

München - Vor drei Wochen haben wir Sie nach Ihrer Meinung zur Stadt gefragt und eine große Umfrage gestartet. Fast 2800 Leserinnen und Leser haben teilgenommen. Jetzt sind die (überraschenden) Ergebnisse da – Teil zwei!

Die Ergebnisse sind da – Teil zwei! Wir haben Sie in einer tz-Umfrage nach Ihren Ansichten zur Stadt gefragt und fast 2800 Leser haben mitgemacht. Herzlichen Dank! Die Gewinner der Verlosung werden benachrichtigt. Wir wollten wissen, wo die Stärken und Schwächen der Weltstadt mit Herz liegen und wie die größten Experten diese bewerten – nämlich Sie, die echten Münchner. Heute geht’s um Arm und Reich: Wir analysieren die Meinungen getrennt nach Haushaltseinkommen. Die sechs Männlein stehen für sechs Gehaltsgruppen: bis 1000 € netto im Monat, bis 2000 € bis hin zu mehr als 5000 Euro. Beispiel unten: Von allen Befragten mit Einkommen bis 1000 Euro sagten nur 49 Prozent „München ist seinen Preis wert“ – aber 70 Prozent der Großverdiener mit mehr als 5000 Euro im Monat. Die Ergebnisse:

Reiche Stadt, arme Stadt

Immer mehr Arme, immer mehr Reiche: Alt-OB Christian Ude (67) hatte schon zu Beginn seiner Amtszeit vor 21 Jahren vor der Spaltung der Stadt gewarnt, zum Ende wurde er immer eindringlicher. OB Dieter Reiter(56, beide SPD) hatte sogar seine Antrittsrede unter das Motto gestellt: „Wir müssen darauf achten, dass die Schwächeren bei uns bleiben, nicht abgehängt werden. Münchner müssen sich München in Zukunft noch leisten können.“

Die Arbeitslosigkeit mag bei sensationell niedrigen fünf Prozent liegen, die Spezies der „Hartzer“ kaum vorhanden sein – aber schon heute gibt es Verwerfungen zwischen Arm und Reich. Die Ansichten über die Stadt klaffen nicht himmelweit auseinander, aber sie sind da. Und sie sind messbar. Das belegt die Umfrage der tz zusammen mit der Markenberatung Biesalski & Company und der Kommunikationsagentur Serviceplan. Fazit: Menschen mit kleinen Einkommen gehen mit München härter ins Gericht als Reichere. Und zwar bei den ganz harten Faktoren der Lebensqualität: Spitzenjobs? Nicht für uns! Von den Armen halten nur 41 Prozent den Arbeitsmarkt für interessant – aber doppelt so viele Reiche. So werden auch in einer Hightech- Stadt Menschen einfach abgehängt.

Kleinverdiener fühlen sich zudem nachts unsicherer und halten die Stadt für schmutziger als Besserverdiener. Das mag daran liegen, dass die etwas günstigeren Quartiere nicht gar so gschleckt sind wie die Villenviertel. Es zeigt aber auch, dass der Geldbeutel auf das Wohlbefinden drückt. Das Urteil über die Mieten fällt quer über alle Gehälter vernichtend aus.

Interessanterweise steigen die Bewertungen vieler Faktoren mit steigendem Gehalt an – und flachen bei den Superreichen wieder ab. Da stellt sich bei den Preistreibern wohl ein Sättigungseffekt ein! Wohl darum warnte Ude vor den Reichen. Doch es gibt auch gute Nachrichten: Bei den übrigen Faktoren liegen die Meinungen der Armen nah bei den Reichen. Bei der medizinischen Versorgung sehen sich die sozial Schwächeren kaum benachteiligt. Und auch bei Shopping, Kino, Kultur und Gastronomie halten sie offenbar mit.

München ist seinen Preis wert

Bitter: Eine Mehrheit der Nachbarn ohne dicken Geldbeutel – Einkommen unter 1000 Euro im Monat – fragt sich, ob sich München noch lohnt. Erst die hohen Gehaltsstufen sind wirklich von der Stadt überzeugt.

Einkommen davon stimmen zu
bis 1000 Euro netto 49%
bis 2000 Euro netto 56%
bis 3000 Euro netto 59%
bis 4000 Euro netto 56%
bis 5000 Euro netto 65%
5000 Euro netto plus 70%

Hier gibt es gute Jobs

Leider wie aus dem Statistik-Lehrbuch: Je höher das Gehalt, um so überzeugter sind die Befragten vom Job-Angebot – sehr hohe Zustimmung! Die (wenigen) Armen sehen sich dagegen vom Wohlstand abgehängt.

Einkommen davon stimmen zu
bis 1000 Euro netto 41%
bis 2000 Euro netto 62%
bis 3000 Euro netto 71%
bis 4000 Euro netto 73%
bis 5000 Euro netto 79%
5000 Euro netto plus 81%

Der Fußball & das Geld

Auch wenn die Fußball- Philosophie das Gegenteil behauptet: Geld schießt doch Tore! Mehr noch: Geld macht sogar Fans! Das belegt die tz-Umfrage zumindest für einen der Münchner Vereine. „Ich mag den FC Bayern“, hatten wir zur Debatte gestellt – und „Ich mag die Löwen“. Die Roten kommen auf eine höhere Zustimmung mit 63 Prozent – und das bei Arm wie bei Reich. Bei den Blauen aber hängt die Zuneigung vom Geldbeutel ab: Haushalte, die bis zu 2000 Euro im Monat haben, tendieren überdurchschnittlich zum TSV 1860 – mit 44 Prozent. Die Sympathie sinkt mit steigendem Einkommen: Münchner, die mehr als 5000 Euro verdienen, stimmen nur mit 33 Prozent zu.

Ich fühle mich auch nachts sicher

München, sicherste Großstadt der Republik: Ob man sich aber selbst sicher fühlt, ist eine andere Frage – und die hängt vom Geld ab! Münchner mit kleinem Einkommen haben größere Bedenken als Großverdiener.

Einkommen davon stimmen zu
bis 1000 Euro netto 65%
bis 2000 Euro netto 61%
bis 3000 Euro netto 70%
bis 4000 Euro netto 73%
bis 5000 Euro netto 74%
5000 Euro netto plus 80%

Miet-Wahnsinn: So heftig schlägt er zu

Die Mieten explodieren, alles wird teurer: Mittlerweile stehen rund 4500 Münchner ohne Wohnung da und leben in Notunterkünften der Stadt. Ein trauriger Rekord! Frank Boos vom Sozialreferat sagt: „Die Zahl der Menschen ohne Wohnung nimmt drastisch zu.“ Wie drastisch, zeigt der Vergleich: Vor fünf Jahren waren es noch halb so viele Münchner ohne Dach über dem Kopf.

Wobei zu den Wohnungslosen noch die Obdachlosen kommen, die tatsächlich lieber auf der Straße leben. „Diese Gruppe macht derzeit schätzungsweise 550 Menschen in unserer Stadt aus“, sagt Boos. So genau könne man das nicht sagen, weil Obdachlose schwer zu registrieren sind: „Die wollen oft aus persönlichen Gründen keinen Kontakt zu unseren Einrichtungen."

Die 4500 Menschen ohne Wohnung kommen dagegen erst mal in großen Wohnheimen der Stadt unter. Warum ihre Zahl immer weitersteigt? Der Hauptgrund dafür sind die hohen Mieten. Für sozial Schwächere gibt es in München einfach viel zu wenig Wohnraum. Boos: „Der Zuzug in unsere Stadt hält aber weiter an.“ Heißt: Jemand zieht her, nimmt einen einfachen Job an und merkt plötzlich, dass das Geld hinten und vorn nicht reicht. Plötzlich steht er auf der Straße: „Wir reden hier von vielen ganz normalen Menschen.“ Eine große Zahl Betroffener seien auch Rentner, die bei der Preisentwicklung in München einfach nicht mithalten können.

Betroffene Männer können im städtischen Heim in der Pilgersheimer Straße 9-11 unterkommen, Tel. 089/62 50 20. Für Frauen gibt’s das „Karla 51“ des Evangelischen Hilfswerks in der Karlstraße 51, Tel. 089/54 91 510.

München ist attraktiv

Die Stadt ist schön, da sind sich die Befragten einig: 88 Prozent finden München attraktiv. Doch wer sich die Vorzüge der Metropole leisten kann, hat auch eine rosarote Brille auf – und findet München gleich noch schöner.

Einkommen davon stimmen zu
bis 1000 Euro netto 76%
bis 2000 Euro netto 85%
bis 3000 Euro netto 89%
bis 4000 Euro netto 90%
bis 5000 Euro netto 92%
5000 Euro netto plus 90%

David Costanzo

 

Münchner verraten: Warum wir unseren Stadtteil lieben

Münchner verraten: Warum wir unseren Stadtteil lieben

Auch interessant

Kommentare