Zahl der hilfsbedürftigen Senioren steigt rasant

Armes München

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Immer weniger Geld zum Leben: Die Zahl der Rentner, die kaum über die Runden kommen, steigt weiter.

Jeden Cent zweimal umdrehen zu müssen – Martha L. weiß nur zu gut, was das heißt. Genau 371 Euro hat die 71-jährige Münchnerin jeden Monat zum Leben.

Grundsicherung nennt man das, andere sagen noch Sozialhilfe dazu. Ihre kleine Rente ist einfach zu wenig, um damit irgendwie über die Runden zu kommen. Armut – so wie Martha L. ergeht es vielen Menschen in der Stadt. Und es werden immer mehr, wie ein neuer Bericht des Sozialreferates zeigt. Die erschreckende Prognose: Derzeit leben in München rund 9400 Senioren von Grundsicherung, aber schon 2020 werden es 24 000 Menschen sein! Das bedeutet auch: Jedes Jahr steigt die Zahl der bedürftigen Alten um zehn Prozent.

Armes München! Wie rasant die Menge der Menschen zunimmt, die täglich am Existenzminimum lebben müssen, zeigt noch ein weiteres Zahlenbeispiel aus dem Bericht: Allein in den vergangenen zwei Jahren ist die Summe der Grundsicherungs-Empfänger (über 65 Jahre) in der Stadt um 15 Prozent auf genannte 9400 gestiegen. Die Kosten für die Hilfsgelder, um diesen Menschen zumindest eine Lebensbasis zu ermöglichen, beliefen sich auf satte 55 Millionen Euro.

„Diese Entwicklung ist zweifelsohne beängstigend“, stellt Sozialreferent Friedrich Graffe fest. Besonders da die Gründe für die ansteigende Armut bei den Älteren bekannt, aber nur schwer veränderbar sind: Die Zunahmen der Hilfsfälle hat damit zu tun, dass es immer kleinere Renten gibt. Warum? Zum einen, weil besonders in den vergangenen 30 Jahren in vielen Bereichen sehr niedrige Löhne bezahlt wurden. Zum anderen – was jeder Rentner zu spüren bekam – weil die Renten noch sehr an Wert verloren haben. Stichwort: Nullrunden. Und genau das wird sich in den kommenden Jahren noch verschlechtern.

Friedrich Graffe: „Wir sehen es gerade exemplarisch an der ersten Generation der Menschen, die als Gastarbeiter zu uns gekommen sind und jetzt in Rente gehen. Sie haben hart gearbeitet, aber häufig in einfachen Berufen, mit niedrigen Löhnen und Unterbrechungen durch Zeiten der Arbeitslosigkeit“, erklärt der Sozialreferent. Die Folge ist klar: Die erworbenen Rentenansprüche langen bei vielen nicht zum Leben und müssen durch Grundsicherung aufgestockt werden. Die Statistik zeigt, dass zudem oft alleinstehende alte Frauen betroffen sind, die ihr Leben lang einen einfachen Beruf nachgingen. So wie Martha L. – die als Näherin arbeitete.

Die Armut bringt noch ein Problem mit sich: Abgesehen von der bedrückenden Situation für die Menschen müssen die Kommunen die Konsequenzen tragen: Sie müssen für die Grundsicherung im Alter aufkommen. Viele Experten befürchten, dass so manche Großstadt hierdurch in der Zukunft bald finanziell überfordert sein könnte.

Das in der Weltstadt mit Herz immer mehr Menschen mit immer weniger auskommen müssen, zeigt sich noch an einem traurigen Beispiel: den Kindern. Wie der Bericht offenbart, leben fast 20 000 Münchner unter 15 Jahren von Sozialhilfe. Die Zahl der armen Familien nimmt zu. Es sind Kinder, für die oft ein Geburtstagsgeschenk oder auch nur die Teilnahme an einem Ausflug Wunschträume sind. Zum Vergleich: Vor gut einem Jahr waren es noch 1000 Kinder weniger.

age

Quelle: tz

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