Armes München: Die Schock-Bilanz der "Tafel"

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Tafel-Chefin Hannelore Kiethe schlägt Alarm: Unsere Warteliste wird immer länger. Wir haben unser Limit erreicht."

München - Für Tausende arme Menschen in der sündteuren Isar-Metropole ist die Münchner Tafel die letzte Hoffnung – aber jetzt stößt auch die ehrenamtliche Hilfsorganisation an ihre Grenzen.

In der tz schlägt Vorsitzende Hannelore Kiethe Alarm: „Wir versorgen mittlerweile 18 000 Bedürftige, das sind 7000 mehr als im Jahr 2004. Beinahe täglich kommen weitere dazu, unsere Warteliste wird immer länger. Wir haben unser Limit erreicht.“

Armes München – im Lager der Tafel auf dem Großmarktgelände wird das Ausmaß sichtbar: Inzwischen verteilt die Organisation jede Woche 100 Tonnen Lebensmittel, gespendet von 120 Sponsorenfirmen, darunter viele Supermärkte. Eine Logistik wie bei einem Großunternehmen – ermöglicht von 420 ehrenamtlichen Helfern. Die Empfänger müssen mit amtlichen Dokumenten nachweisen, dass sie bedürftig sind. Sie leben im gesamten Stadtgebiet.

Tafel-Chefin Kiethe: „Früher waren wir nur an sozialen Brennpunkten vertreten. Inzwischen haben wir 24 Ausgabestellen, auch in vermeintlich reichen Stadtteilen.“ Zudem steuern die 16 Kleinlaster 85 soziale Einrichtungen an, etwa Obdachlosenunterkünfte und Frauenhäuser. In den nächsten Jahren werde sich die Not weiter verschärfen, warnt Kiethe: „Nach einem Bericht der Stadt leben bereits 180 000 Münchner unter der Armutsgrenze. Jetzt rollt auch noch eine gewaltige Welle der Altersarmut auf uns zu. Oft tritt es Menschen, die 40, 50 Jahre lang gearbeitet haben. Von ihrer kleinen Rente können sie in München kaum leben.“

Andreas Beez

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