Patienten geht es gut, Verbände sind schon weg

Armtransplantation: Arzt operierte gratis

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Einer der beiden transplantierten Arme.

Er ist Deutschlands berühmtester Chirurg. Vor elf Tagen gelang Prof. Edgar Biemer (67) im Klinikum rechts der Isar die weltweit erste Verpflanzung zweier kompletter Arme.

Die chirurgische Meisterleistung machte weltweit Schlagzeilen. Honorar erhält der Professor dafür jedoch keines: „Ich gehöre dem Klinikum ja nicht mehr offiziell an“, sagte Prof. Biemer zur tz.

„Die kompletten Behandlungskosten in Höhe von rund 100 000 Euro erhält das Klinikum von der Berufsgenossenschaft“, so der Professor weiter. „Ich selbst bekomme davon nichts. Ich habe gratis operiert. Aber das ist für mich ganz selbstverständlich. Schließlich haben wir die Transplantation jahrelang vorbereitet und ich konnte den Patienten doch jetzt nicht im Stich lassen, nur weil ich im Dezember in den Ruhestand gegangen bin und die Klinik verlassen habe.“

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Biemer sieht seinen Patienten jetzt zweimal täglich zur Morgen- und Abend-Visite. Und ist zufrieden. Landwirt Josef H. (55, Name geändert) geht es medizinisch und auch seelisch hervorragend. Am Montag durfte er mit einem extra für ihn angefertigten Spezialkorsett das Bett erstmals verlassen. Seine Verbände sind schon weg, die Narben an den Armen heilen. Wenn alles weiter so gut läuft mit seiner Genesung, darf Josef H. in etwa zwei Wochen die Intensivstation verlassen und in die normale Transplantationsabteilung wechseln.

Gefeiert wurde dieser Erfolg im Klinikum übrigens mit Eiscreme. Patient Josef H. sowie alle Ärzte, Schwestern und Pfleger auf der Intensivstation bekamen von Prof. Biemer je eine große Portion spendiert: „Das ganze Team leistet hervorragende Arbeit. Und weil mir der Patient verraten hat, dass er so gerne Eis isst, habe ich eine Runde ausgegeben.“

Wenn sich Prof. Biemer nicht gerade um seinen berühmten Patienten kümmert, steht er – Ruhestand hin oder her – weiter im OP. Allerdings nicht im großen Uniklinikum (1063 Betten, 25 OP-Säle), sondern in der kleinen Privatklinik Dr. Caspari (2 Betten, 1 OP-Saal) in der Maximilianstraße. Dort hält Biemer dienstags und donnerstags Sprechstunde. Sein Fachgebiet hier: Schönheitschirurgie.

Nicht des Mammons wegen greift Biemer weiter zum Skalpell. Der Professor: „Ich mache das nicht, um Geld zu verdienen, sondern weil ich mich noch topfit fühle und es mir Spaß macht. Es macht mir Freude, Menschen zu helfen, die mit ihrem Äußeren unzufrieden sind. Schon in den letzten Jahren im rechts der Isar war jede dritte meiner Operationen ein ästhetisch-chirurgischer Eingriff. Ich habe dieses Fach vor vielen Jahren ja erst richtig eingeführt, damit unsere Ärzte eine gute Ausbildung in Facelift, Brustvergrößerung und Fettabsaugen erhalten. Schließlich müssen die meisten von ihnen später damit ihr Geld verdienen.“

Michael Timm

Quelle: tz

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