Debatte um ehemaliges Paketzustellamt

Politiker: Kein Luxushotel im Postpalast - Gebaut wird trotzdem

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Markant und denkmalgeschützt: das ehemalige Paketzustellamt zwischen der Arnulfstraße (rechts) und der parallel verlaufenden Tillystraße. Hinten ist die Rotunde zu sehen, in der ein Hotel entstehen soll. 

In der Rotunde der Arnulfpost soll laut Plänen des Investors aus Berlin ein Luxushotel entstehen. Die Lokalpolitiker in der Maxvorstadt lehnen das Bauvorhaben ab.

München - Das ehemalige Paketzustellamt an der Arnulfstraße soll in einen Hotel- und Bürokomplex umgebaut werden – das plant zumindest der Eigentümer. Das markanteste Bauwerk auf dem Grundstück der sogenannten Arnulfpost ist die gläserne Rotunde. Hier sollen ein Luxushotel mit rund 270 Zimmern sowie eine dreigeschossige Tiefgarage mit 300 Stellplätzen entstehen, außerdem ein Bürokomplex mit knapp 550 Arbeitsplätzen. An die Rotunde soll zu diesem Zweck ein fünfstöckiger Bau angeschlossen werden.

Die Stadtteilpolitiker in der Maxvorstadt jedoch lehnen das Bauvorhaben parteiübergreifend ab. „Wir sehen den Bedarf an Luxushotels in unserem Viertel gedeckt“, sagt Gesche Hoffmann-Weiss (SPD). Ruth Gehling (Grüne) erläutert, das Areal der ehemaligen Arnulfpost sei immer noch als Gemeinbedarfsfläche ausgeschrieben. Dort dürften also ohnehin nur Einrichtungen und Anlagen errichtet werden, die der Allgemeinheit dienen, etwa Kindertagesstätten, Schulen oder kulturelle Institutionen. „Schade, dass man hier auf Einfalt statt auf Nutzungsvielfalt setzt“, sagt Gehling. Statt der vorgelegten „brachialen Lösung“ befürwortet Britta Gürtler (CSU) eine Mischnutzung, dabei könnte ein Hotel mit neuen Wohnungen kombiniert werden. Angesichts der dreigeschossigen Tiefgarage solle die Stadt zudem ein Wasserrechtsverfahren durchführen, um die Auswirkungen aufs Grundwasser zu prüfen.

Hat die Immobilien-Gruppe die Genehmigung für den Bau bereits erhalten?

Bauherr ist die Intown-Gruppe, ein Immobilieninvestor mit Hauptsitz in Berlin. Man bedauere, „dass augenscheinlich dem Bezirksausschuss bei seiner Beratung die grundlegenden Fakten nicht bewusst waren“, teilt Intown auf Anfrage unserer Zeitung mit. Die Stadt habe bereits 2010 einen Vorbescheid für eine Hotelnutzung genehmigt. Damals seien sogar mehr als doppelt so viele Hotelzimmer wie aktuell vorgesehen beantragt worden, dem habe auch der Bezirksausschuss zugestimmt. Und auch Wohnraum werde es laut Intown geben: Im Westteil der Arnulfpost seien schon im Jahr 2015 Baugenehmigungen für ein Wohnbauprojekt beantragt worden. Die Bauarbeiten für entsprechende Neubauten seien bereits in vollem Gange, vor zwei Wochen sei eine der notwendigen Genehmigungen für den Bestandsumbau erteilt worden.

Das Paketzustellamt wurde in den 20er-Jahren errichtet, die Gebäude gelten als wichtige Denkmäler der „Münchner Postbauschule“, einer Sonderform der Neuen Sachlichkeit. Zuletzt war das Grundstück auch als möglicher Standort für den neuen Münchner Konzertsaal im Gespräch, der nun am Ostbahnhof errichtet werden soll. In der gläsernen Rotunde finden derzeit unter dem Namen „Postpalast“ zahlreiche kulturelle Veranstaltungen und Events statt.

Durch das Hotelprojekt soll die Rotunde „weiterhin jedermann zugänglich sein“, argumentiert Intown. Im Mittelhof werde man das Areal zwischen Arnulfstraße und Tillystraße als Fußgänger queren können, heißt es weiter. Die Tiefgarage soll – ähnlich wie die Anwohnergarage Donnersbergerbrücke – auf einem computergesteuerten, automatisierten Parksystem mit vier Autoliften basieren. Dadurch können die notwendigen Stellplätze laut Intown platzsparend, denkmalschonend „und selbstverständlich ohne Grundwassergefährdung“ untergebracht werden.

Philipp Nowotny

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